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Meine Stadt Gibt Hannover kleinen Geschäften keine Chance?
Hannover Meine Stadt Gibt Hannover kleinen Geschäften keine Chance?
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17:20 24.02.2019
Muss schließen: Oliver Glinski, Inhaber des Hästens Store in der Osterstraße, kritisiert die Stadt für ihr mangelndes Einzelhandelskonzept. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Für seine Kunden hat Oliver Glinski eine ruhige, ja fast private Atmosphäre in seinem Laden in der Osterstraße geschaffen. „Die Kunden sollten sich nicht nur kurz in unsere Betten legen, sondern sich auf das Produkt einlassen“, sagt der Geschäftsführer des Hästens Store Hannover für skandinavische Boxspringbetten aus dem Premium-Bereich. Allerdings legten sich zuletzt immer weniger Kunden in seine Hästens-Betten. Die Kunden kamen seit der Eröffnung 2015 so selten, dass der Laden Ende März schließen wird. Doch an den Betten, die zwischen 5000 und 50.000 Euro kosten, liege das nicht, glaubt der Inhaber. „Die Verkaufen sich wunderbar, etwa in Tokio, LA, Barcelona.“ Vielmehr liegt es an der Stadt, so Glinski, der selbst gebürtiger Hannoveraner ist. „Die Attraktivität der ’Shoppingstadt Hannover’ hat in den letzten Jahren dramatisch an Glanz verloren.“

So hat Glinski beobachtet, dass die inhabergeführten Geschäfte zunehmend aussterben. Ersetzt werden sie durch City-Galerien, Center, Shopping-Malls. „Aber diese ECE’s gibt es doch überall. Drinnen gibt es fast nur Ketten, sodass ich als Besucher gar nicht weiß, ob ich in Hannover oder Braunschweig bin.“ Der Shopping-Besuch aus dem Umland schaffe es gar nicht mehr in die Innenstadt, weil er aus dem Zug direkt in die Galerie am Bahnhof geleitet wird – und dort den ganzen Tag verbringt. Ein generelles Problem: „Die Stadt müsste sich viel mehr überlegen, wie man den kleinen Einzelhandel fördern kann. Stattdessen entstehen immer mehr Büros, Galerien und auch Wohnungen in der Innenstadt.“

Die Stadt verliere so aber ihre Einkaufs-Einzigartigkeit. Die sie aber dringend brauche, um auch Kunden von weit her zu ziehen – etwa an den sogenannten „Westfalentagen“, an denen Besucher aus dem Nachbarbundesland nach Niedersachsen kommen, weil bei ihnen Feiertag ist, hier die Geschäfte aber offen haben. „Doch was sollen die in Hannover, wenn hier keine besonderen Läden mehr sind?“, fragt Glinski.

Ende März hat Hannover solch einen Laden weniger, wenn der Hästens Store schließt. „Wir haben immerhin Kunden aus ganz Niedersachsen, Bremen oder Hamburg nach Hannover gezogen, die hier auch noch Essen gegangen sind und anderweitig Geld ausgegeben haben.“ Das habe zwar Hannovers Handel genützt, aber nicht für den Erhalt des eigenen Ladens gereicht. Was fehlt, sei die gute alte Flanier- oder Laufkundschaft. „Der Standort Osterstraße ist trotz unmittelbarer Citynähe erschreckend schlecht, wofür auch die Stadt Hannover mitverantwortlich ist“, kritisiert Glinski. „Die katastrophale Verkehrssituation in dieser Straße erlaubt ein Flanieren nur schwerlich.“ So fehle ein Zebrastreifen, der die Menschen von der einen Seite der Osterstraße auf die andere bringt. „Der einzige Zebrastreifen hier läuft parallel und fördert eher gefährliche Situationen beim Abbiegen der Autos.“

Von Flaniermeile kann auch deshalb keine Rede sein, weil die Straße viel zu stark befahren wird. Und zu schnell: „An Tempo dreißig hält sich hier keiner“. Das habe der Verkäufer auch der Stadt geschildert. „Die hat sich aber auf ihre Richtlinien zurückgezogen.“ Auch der NP teilte die Stadt mit: „Die verkehrlichen Voraussetzungen für die Einrichtung eines Fußgängerüberweges liegen hier nicht vor.“ Die Entscheidung beruhe auf den Ergebnissen einer 2018 durchgeführten Verkehrszählung: Zu den relevanten Spitzenzeiten wurden 87 querende Fußgänger gezählt, nach Richtlinien empfohlen werde ein Zebrastreifen erst ab 100 Fußgängern.

Eine Teilschuld für das Scheitern des exklusiven Bettenshops sieht der Hannoveraner Glinski aber auch bei seinen Mitbürgern. „Die Menschen in Hannover sind nicht so neugierig auf neue Läden, wie das etwa Menschen in Köln oder Düsseldorf sind. Dort ist ein neues Restaurant in den ersten drei Wochen komplett ausgebucht“, nennt er ein Beispiel. „Der Hannoveraner sagt traditionell: Mal sehen, wie lang der sich hält. Dann gucken wir mal rein.“

Noch bis Ende März ist der Hästens Store in der Osterstraße 47 zu finden. Am Samstag, 23. Februar, ist der Räumungsverkauf gestartet.

Von Simon Polreich

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