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Meine Stadt Gewalt gegen Retter
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09:54 16.03.2017
IM EINSATZ VERLETZT: André Friedrichs arbeitet beim DRK auf der Rettungswache in Lehrte. Foto: Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
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Tagtäglich rettet Notfallsanitäter André Friedrichs Leben. Seit 2005 arbeitet der 31-Jährige im Rettungsdienst. Jetzt hat er zum ersten Mal in seinem Leben Schmerzensgeld eingeklagt, 1300 Euro. „Dass wir im Einsatz angegriffen werden, passiert leider immer häufiger“, sagte er gestern im Amtsgericht. Man denke jetzt schon darüber nach, während des Dienstes Schutzwesten zu tragen.

Am 24. September 2015 war der Sanitäter um 6.15 Uhr mit einer Ärztin zu einem Notfall nach Burgdorf gefahren. Ein junger Mann hatte einen Zuckerschock. Der Diabetes-Typ-1- Patient rastete aber aus. Er schrie rum und trat wild um sich. Die Ärztin und An-dré Friedrichs wollten ihm einen Zugang legen. Dagegen hatte der junge Mann etwas. „Er traf mich mit dem Fuß am Oberkörper“, sagte der Kläger. Er trug einen Rippenbruch und mehrere Prellungen davon.

Das Landeskriminalamt (LKA) verzeichnet zunehmend Übergriffe auf Feuerwehrleute und Sanitäter. 2011 waren es 91 Angriffe auf Rettungspersonal mit 69 Verletzten. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei in Niedersachsen 155 Attacken mit 117 verletzten Helfern.

Bei André Friedrichs ist der Fall besonders. Denn es stellt sich die Frage, ob der junge Mann im Zuckerschock überhaupt noch zurechnungsfähig war. Das Amtsgericht Burgdorf entschied: Er war es. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu fünf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Denn die Freundin des Diabetes-Patienten hatte ihrem Partner zuckergesüßten Eistee gegeben. Somit war der schlimmste Teil der Unterzuckerung schon behoben. Das Amtsgericht erlegte dem jungen Mann auch auf, 300 Euro an den Notfallsanitäter zu zahlen.

Das war André Frie-drichs nicht genug. Er wollte mindestens 2000 Euro für die Schmerzen haben. Amtsrichterin Catharina Erps schlug den Parteien einen Vergleich vor: 1300 bis 1500 Euro Schmerzensgeld, und der Drops ist gelutscht.

Am Ende verständigten sich die Parteien auf 1300 Euro. Der zurzeit arbeitslose Beklagte muss in monatlichen Raten von je 50 Euro zahlen. Anwalt Sebastian Csikváry: „Der Kläger wollte helfen und wird getreten. Das ist perfide.“ Dem widersprach niemand.

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