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Zwei der drei Angeklagten, sie verdecken ihr Gesicht.© Schaarschmidt

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Hannover

Geständnisse der Trauer-Diebe

Sie brachen ein, während Familien ihre Angehörigen unter die Erde brachten. Und trotz ihrer Geständnisse setzten Marcel W. (33) und Isabel D. (30) ihr schändliches Treiben vor dem Landgericht fort.

Hannover. Beide bezichtigten sich gegenseitig, die Idee für die Einbrüche während der Beerdigungen gehabt zu haben. Der dritte Angeklagte, Dominic B. (29), schwieg zum Prozessauftakt.

Staatsanwältin Regina Steig wirft den Angeklagten bandenmäßigen Diebstahl vor. Im April und Mai 2015 sollen sie zwölf Einbrüche begangen haben. Tatorte: Langenhagen, Garbsen, Gehrden, Wunstorf, Hannover. Dominic B. muss sich darüber hinaus noch in 21 Fällen wegen gewerbsmäßigen Betruges verantworten. Er hob mit zwei gestohlenen EC-Karten (17. April in Barsinghausen) 1000 Euro ab und ging mit den Karten auch noch regelmäßig bei Rewe und Netto in Hannover einkaufen.

Marcel W. ließ über seinen Anwalt, Holger Kleine-Tebbe, erklären: „Ich habe sämtliche Taten alleine ausgeführt.“ Seine damalige Freundin, Isabel D., habe ihn zu den Tatorten gefahren. Sie habe sogar vorgeschlagen, dass er bei ihrer Schwester und ihrem Ex-Chef einbricht, aber dass habe er abgelehnt. „Sie hatte die Idee mit den Todesanzeigen“, erklärte der Angeklagte.

Isabel D. sprach mit tränenlosem Schluchzen. Mit kaum hörbarer Stimme sagte sie: „Nach der Beerdigung meiner Oma ist Marcel die Idee mit den Traueranzeigen gekommen.“ Auf die Nachfrage von Richter Michael Schweigert, wann denn die Beerdigung gewesen sei, antwortete die Angeklagte: „Weiß ich nicht.“ Häufig flüchtet sich die kleine, pummelige Frau in Erinnerungslücken. „Ist so lange her“, sagt sie zur Begründung. Gerade einmal acht bis neun Monate, entgegnet ihr der Richter. Doch sie beharrte darauf, von den Planungen der Einbrüche nichts gewusst zu haben: „Ich weiß nicht, ob sich Marcel und Dominic darüber unterhielten. Ich habe meine Wäsche gemacht.“ Sie schilderte das Leben mit Marcel W. als Hölle auf Erden: „Unsere Beziehung war geprägt von Unterdrückung und täglicher Gewalt.“ Sie habe aus Angst vor ihm bei den Einbrüchen geholfen. Sie habe nur gekifft, um die Schläge ertragen zu können.

Von den drei Angeklagten sitzt lediglich Marcel W. in U-Haft. Seine Ex kam nach ihrem Geständnis wieder frei. Gestern versuchte sie mit den Mitteln einer Frau ihre Beteiligung an den Verbrechen herunterzuspielen. Mit mädchenhafter Stimme flüsterte sie: „Mir wurde nur gesagt, wo ich langzufahren habe.“ Zuvor hatte ihr Ex auf seine Weise Rache genommen. Er begründete den gemeinsamen regelmäßigen Marihuana- und Kokain-Konsum mit seiner Drogenabhängigkeit. Über Isabel D. meinte er: „Sie wollte durch die Drogen auch abnehmen.“ Weiter am Mittwoch.


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