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© picture alliance / David Ebener

Landgericht

Geständnisse der Albanien-Connection

Sie sollen 400 Kilogramm Marihuana aus Albanien geholt haben. Gestern gab es in einem der größten Drogenprozesse Hannovers Geständnisse. Doch alle sieben Angeklagte stellten sich als Mitläufer dar. Dabei ist zumindest einer der Männer kein Unbekannter bei den Drogenfahndern.

hannover. Sieben Männer sind wegen des größten Marihuana-Deals in der hannoverschen Justizgeschichte angeklagt. Gestern gab es im Landgericht Geständnisse. Doch schenkt man den Erklärungen Glauben, dann waren die Männer nur dabei statt mittendrin.

Fest steht, dass am 19. September 2016 rund 400 Kilo „Gras“ in der Voltmerstraße (Hainholz) beschlagnahmt wurden. Die Drogen im Wert von zwei Millionen Euro kamen aus Albanien. Vier Angeklagte nahmen die Ermittler in der Werkhalle fest.

Gestern stellten sich die Männer allesamt als Mitläufer dar. „Mein Mandant hatte keinerlei Auftrag, über Preise und Mengen zu verhandeln“, erklärte Anwalt Dirk Schoenian. Die Rede ist von Damir M. (35). Er war im November 2016 wegen Drogenhandels zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte habe lediglich 20 Kilo Marihuana kaufen wollen. Er habe aber nichts bezahlt und mit einer größeren Menge nichts zu tun.

Aus M.`s Sicht war Gentin M. (33) die treibende Kraft in der Albanien-Connection. Genthin M. hat eine gänzlich andere Sicht auf die Dinge. „Um den geplanten Verkauf hat sich Damir gekümmert“, erklärte Anwalt Michael Gubitz. Damir M. habe früher Marihuana aus den Niederlanden beschafft. „Ihm war vor allem die Qualität wichtig“, so Anwalt Gubitz. Also habe er seinen Bruder nach Tirana geschickt, um die Droge zu testen.

In der Tat war Bajro M. (41) am 18. Juni 2016 in Albanien. Das hat er gestern im Prozess vor der Dritten Großen Strafkammer gestanden. „Du brauchst nur im Hotel zu sitzen und zu kiffen“, habe der Auftrag des Bruders Damir gelautet. „Mein Mandant war nicht an der Organisation und des Ablaufs des Drogenhandels beteiligt. Er hatte auch keine finanziellen Vorteile“, erklärte Anwalt Holger Nitz.

Bei so viel Mitläufertum fragt man sich, ob so ein Drogengeschäft ganz ohne Chef auskommt? Selbstverständlich nicht. Laut Anklage sind Damir M. und Fabian S. (37) die Drahtzieher. Beide räumten gestern, dass sie in der Werkhalle in Hainholz einen Autohandel aufziehen wollten. „Wir haben die Halle nicht gemietet, um einen Drogenhandel zu organisieren“, erklärte gestern Fabian S. Aber der Aufbau des Unternehmens habe viel Geld gekostet. Und dann hätten Damir M. und Genthin M. ihm das Geschäft mit den Drogen angeboten. „Ich habe kein Geld für den Marihuana-Kauf aufgewendet“, lies Fabian S. über seinen Anwalt Christoph Rautenstengel mitteilen. Er habe einen Lohn für seine Dienst erwartet.

Für Richterin Bürgel wird dieser Prozess kein leichter sein. Geständnisse, die sich einander widersprechen; eine Fülle von Daten aus Telefonüberwachungen und ein teils familiäres Beziehungsgeflecht unter den Angeklagten.

Anwältin Antje Heister will einen Freispruch für ihren Mandanten. „Er hatte keine Kenntnisse von irgend welchen Drogengeschäften“, sagt sie. Volkan B. (26) habe Damir M. gelegentlich gefahren.

Von thomas nagel


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