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Meine Stadt Gerhard Schröder: „Das füllt mich aus“
Hannover Meine Stadt Gerhard Schröder: „Das füllt mich aus“
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00:17 03.09.2017
Wahlkampf: Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder während der Veranstaltung im Gartensaal des Rathauses.  Quelle: Foto: Petrow
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Hannover

 Die Frage, die in Deutschland viele umtreibt, war gestern Abend die erste im Gartensaal des Rathauses. Welche berufliche Zukunft hat Gerhard Schröder?

Der Altkanzler weiß natürlich genau, dass Moderator Robert Burdy auf seine Kandidatur für den russischen Ölkonzern Rosneft anspielt. Aber er zeigt sein schon legendäres Raubtierlächeln und erwidert: „Ich bin Rechtsanwalt und Aufsichtsratsvorsitzender von 96 – das füllt mich aus.“

Schröder wirbt um Stimmen für die SPD-Bundestagskandidatin Yasmin Fahimi, derzeit Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Natürlich wirbt er auch für sich selbst. Zu Rosneft: „Das Unternehmen steht für 25 Prozent des deutschen Ölverbrauchs.“ Den großen Nachbarn Russland isolieren zu wollen, sei ökonomisch wie politisch falsch.

Ums eigentliche Thema „Kann Globalisierung sozial sein?“ geht es weitaus weniger als um Europa. Fahimi wirbt für eine „soziale Vertiefung“ und plädiert für Standards wie Mindestlohn und Grundsicherung in allen EU-Staaten. „Dem habe ich nix hinzuzufügen“, sagt Schröder und schwärmt vom deutschen Sozialmodell mit der Agenda 2010 aus seiner Feder. Kleiner Hieb gegen seine Nachfolgerin: „Dass es diesem Land besser geht als jedem anderen in Europa, ist – das sage ich ganz leise – nicht das Verdienst der Bundeskanzlerin.“

Politische Führung bedeute, zum Wohl des Landes und seiner Menschen das Risiko einzugehen, „mal nicht so positiv abzuschneiden“, findet Schröder. Die Deutschen müssten „kapieren“, dass nur ein einiges Europa in der Globalisierung mithalten kann. „Es ist meine Erfahrung und wird deine werden“, wendet er sich an Fahimi, „in Europa geht nur was, wenn Deutschland und Frankreich zusammenhalten.“ Dieses Land brauche Mut zur politischen Führung – „aber so wie Stachel­schweine, die sich lieben. Vorsichtig.“

Solche Sprüche kommen bei den gut 150 Zuhörern gut an. So wie Schröders Bezeichnung für die AfD („komische Partei“) und Biestigkeiten über den früheren Staatspräsidenten François Hollande: „Der fuhr lieber Motorrad, als sich um Dinge zu kümmern.“ Oder über ein leicht vergiftetes Kompliment an die Kandidatin Fahimi, die er ei­gentlich schätzt: „Andrea Nahles und du habt einen weitaus besseren Job gemacht, als ich je gedacht hätte.“ Wieder grinst Schröder breit. Ein Noch-immer-Zugpferd wie er kann sich einiges leisten.

Von vera könig

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