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UNFALLAUFNAHME:

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Prozess

Geldbuße für Lkw-Fahrer: Opfer ein Pflegefall

Er durfte nicht dort lang fahren. Die Walderseestraße (List) ist für 7,5-Tonner gesperrt. Auf einem Zebrastreifen überfuhr der Fahrer (52) eine Joggerin. Am Dienstag wurde das Verfahren vor dem Amtsgericht eingestellt. Der Angeklagte muss 5000 Euro an sein Opfer zahlen. Die Frau ist seit dem Unfall ein Schwerstpflegefall.

hannover.  Janina Krause (39, Name geändert) war am 20. August 2016 nur zu Besuch in Hannover. Die Marathonläuferin nutzte die Eilenriede für eine Jogging-Tour. An der Walderseestraße/Ecke Rubensstraße (List) stoppte sie kurz, trippelte ein wenig im Stand. Sie schaute nach ihren Mitläufern, drehte sich um und lief über den Zebrastreifen. Anschließend lag die Frau aus Aschaffenburg (Bayern) zwei Monate auf der MHH-Intensivstation. Jetzt ist sie bettlägrig. Sie kann nicht sprechen und schlucken.

Von einem Moment zum anderen war die Existenz der attraktiven Mutter eines ssechsjährigen Kindes vorbei. Am Dienstag wurde das Verfahren gegen den Lkw-Fahrer Martin Schmidt (52, Name geändert) eingestellt. Er muss 5000 Euro an das Opfer zahlen.

Angeklagt war der Auslieferungsmonteur wegen fahrlässiger Körperverletzung. Denn mit seinem 7,5-Tonner hätte er die Walderseestraße nicht befahren dürfen. Die Straße ist nur für Fahrzeuge mit einem Gewicht von 3,5 Tonnen zugelassen.

„Er hat das Schild nicht gesehen“, sagt sein Anwalt. Der Angeklagte erzählte, dass er aus seiner Querstraße nach links auf die Walderseestraße abgebogen sei. In der Tat könnte es sein, dass der Angeklagte das Verbotsschild nicht bemerkt hat. Laut Gutachten fuhr er etwa 51 Stundenkilometer. Mit Tempo 40 bis 45 überfuhr er die Frau auf dem Zebrastreifen Der Sachverständige meinte: Der Aufprall war unvermeidbar. Es sei denn, der Lkw-Fahrer wäre nicht schneller als mit 36 Stundenkilometern unterwegs gewesen.

Wie bestraft man jemanden, der mit seiner Tat schon bestraft genug ist? Martin Schmidt telefoniert regelmäßig mit der Mutter seines Opfers. Die Familie lässt den Kontakt zu. „Sie machen mir keine Vorwürfe“, sagt der Mann. Auch Tobias Reinhart, Anwalt des Opfers, erklärt: „Meine Mandantschaft hat kein Interesse an einer Bestrafung des Angeklagten.“

50 000 Euro hat die Haftpflichtversicherung des Fahrers bereits an die Familie von Janina Krause überwiesen. Die Versicherungen wollten erst den Strafprozess abwarten, bevor es weitere Verhandlungen über Zahlungen gebe, sagt Anwalt Reinhart.

Auch der Opfer-Anwalt war mit der Einstellung des Verfahrens einverstanden. Im Gerichtsprotokoll ließ Richterin Alena Fischer aufnehmen, dass alle Prozessparteien eine Fahrlässigkeit des Angeklagten bejahen. Die Einstellung bedeutet aber auch, dass die Richterin von einer geringen Schuld des Lkw-Fahrers ausgeht. Das könnte wiederum Einfluss auf Versicherungsleistungen haben. Die Versicherungen werden versuchen, Janina Krause eine erhebliche Mitschuld an dem Unfall zu geben.

Bislang ist kein Schadensersatzprozess anhängig.

Von thomas nagel


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