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Meine Stadt (Fast) Alles spricht für die Gelbe Tonne
Hannover Meine Stadt (Fast) Alles spricht für die Gelbe Tonne
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00:20 19.09.2018
Doppelt gemoppelt: Den gelben Sack in die Gelbe Tonne – das geht auch anders, nämlich ohne die Plastiktüte. Quelle: dpa
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HANNOVER

Den gelben Sack behalten oder die gelbe Tonne einführen und weiter jede Woche abholen (wie im Umland) oder einen größeren Sack oder eine Tonne nehmen und nur alle 14 Tage abfahren (neu im Umland, wie überwiegend in Hannover) – so, wie es in den meisten Kommunen Deutschlands lange geübte Praxis ist? Angesichts drohender Dieselfahrverbote und überhaupt der hohen Abgasbelastung und wegen Ressourcenschonung allgemein müsste es doch einen Anreiz geben, darüber intensiv nachzudenken und womöglich die Vorgaben zu ändern. Die NP hat Politiker, Entsorger und Umweltexperten befragt, was sie dazu sagen.

CDU: Wenn, dann Schlaufen!

Manfred Wenzel, Umwelt- und Entsorgungsexperte der CDU und Mitglied der Regionsversammlung sagt: „Für mich wäre es ein klarer Fall: Wenn schon Sack, dann den großen mit dem Schlaufengriff zum einfachen schließen.“ Er sagt, dass man „in Kürze in eine neue Runde zur Gebührenstruktur und auch in eine neue Abfallsatzung einsteigen“ werde. Etwas nebulös schließt er: „Wir werden sehen, was dabei herauskommt.“

Grüne: Der Sack ist nicht umweltfreundlich!

Fabian Peters sitzt für die Grünen im Abfallausschuss der Regionsversammlung. Er findet den oben genannten Ansatz in der „Logik durchaus plausibel“. Seine Fraktion habe sich allerdings in dieser Frage noch keine Meinung gebildet. Abgesehen davon habe man das „im Sinne der Bürgerfreundlichkeit bisher ganz gut geregelt“. Allerdings: „Wenn wir über die Tonne reden, dann könnten wir auch über den Abholrhythmus reden.“ Peters wünscht sich „Minimierung der Strecken und eine Maximierung der Pause zwischen den Abholterminen“. So sollten „die gefahrenen Kilometer minimiert werden – das alles ist aber schwierig in der Ausschreibung umzusetzen“. Der derzeitige LVP-Entsorger im Umland, Remondis, wolle aber „gar nicht über die Tonne reden. Und der Sack ist – zudem in den benötigten Mengen – nicht umweltfreundlich!“ Er mutmaßt, dass das Unternehmen „nur die Konditionen so gestalten will, dass Remondis die Ausschreibung gewinnt“.

SPD: Jede Woche – und zwar Tonne!

Die SPD-Regionsfraktion „strebt in der gesamten Region Hannover eine wöchentliche Abholung der Gelben Säcke beziehungsweise die Einführung einer Gelben Tonne an, in der Verpackungen sowie stoffgleiche Nichtverpackungen entsorgt werden können“, erklärt deren Abfallpolitischer Sprecher Wolgang Toboldt*. Wie das umgesetzt werden soll und was die SPD dafür tut? „Letztendlich müssen sich der öffentlich-rechtliche Entsorger – die Region mit ihrem Betrieb Aha – und die Dualen Systeme auf ein gemeinsames Paket einigen. Wie das aussehen wird, werden wir spätestens Ende 2020 wissen.“

BUND: Für Akzeptanz der Tonne sorgen!

„Grundsätzlich begrüßen wir eine Reduzierung von Transportwegen und Kraftstoffverbrauch durch eine nur noch 14-tägliche Abholung der Gelben Säcke“, sagt Sabine Littkemann, Geschäftsführerin des BUND Region Hannover. Eine Verminderung von Kfz-Fahrten sei „aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht erstrebenswert“. Auch für die Verkehrssicherheit sei das „ein kleiner Gewinn“.

Es müsse allerdings sichergestellt sein, dass die Haushalte in den Umlandkommunen „über ausreichende Lagerkapazitäten für die Gelben Säcke verfügen – sonst wird die reduzierte Abholung womöglich nicht akzeptiert“. Außerdem drohe „eine Vermüllung des öffentlichen Raumes, wenn die Menschen die Säcke draußen irgendwo unsachgemäß „zwischenlagern“ und die Säcke womöglich reißen.“

Deutsche Umwelthilfe: Besser Wertstofftonne!

Philipp Sommer, Sprecher der Deutschen Umwelthilfe (DUH), sagt, es mache „in jedem Fall Sinn, Kilometer und damit Kraftstoff zu sparen“. Bei bestimmten Abfallarten sei aber „ein Wochenrhythmus in Ordnung – wegen der Gerüche, die sonst eine Belastung für die Haushalte darstellen. Das Ziel ist ja: möglichst viel getrennt einsammeln. Und das wäre bei fehlender Akzeptanz womöglich gefährdet.“

Alternativ wäre aus Sicht der DUH „eine Umstellung vom Gelben Sack auf die Gelbe Tonne oder – noch besser – die Wertstofftonne möglich und wünschenswert. Das ist eine komfortablere Lösung, es werden tendenziell mehr Abfälle für ein Recycling gesammelt und die Gerüche entstehen nur am Stellplatz der Tonne, weswegen die Akzeptanz weniger gefährdet sein sollte.“

Remondis: Bürger müssen Kosten tragen

„Grundsätzlich sind wir für die Tonne – die Säcke machen immer irgendwie Probleme, die Tonne ist angenehmer für Bürger und Entsorgungsunternehmen“, sagt Remondis-Sprecherin Anna Ephan. Sauberkeit, Handhabung, die richtige Stückzahl bereithalten – da hakt es oft. Allerdings hätten die Entsorgungsunternehmen „keinen Einfluss auf Behälterform, deren Größe und den Abholturnus – das geben das Duale System und die Kommunen in der Ausschreibung vor“. Auch aus „Umwelt- und Nachhaltigkeitssicht“ sei die Tonnenabfuhr und ein größerer Abholabstand „super“. Aus Sicht des Handels, der ja über das Duale System die Entsorgungskosten trägt (und sie in seinen Verbraucherpreisen eingepreist hat) dagegen ist es nicht so toll, wenn auch andere Wertstoffe darin landen, nicht nur die Leichtverpackungen – denn so trägt der Handel die Kosten. Für die Entsorger und Recyclingfirmen ist das wiederum okay, sagt Ephan: „Wir können diese intelligenten Fehlwürfe verwerten – wenn das nicht der Fall sein sollte, wird mehr in den Restmüll entsorgt“ - und das landet dann in der Verbrennungsanlage oder auf der Kippe statt womöglich wiederaufbereitet zu werden.

Bei all dem gebe es allerdings noch die Kostenfrage zu berücksichtigen – die dürften die Kommunen auf die Einwohner umschlagen, am ehesten auf die Abfuhrgebühren. Die Remondissprecherin findet es daher eine gute Idee, wenn auf alle Produkte ein Entsorgungszuschlag erhoben würde, der mit dem Kaufpreis abgegolten wird, also eingepreist ist. Die Tonne müssten aus Remondis’ Sicht die Kommunen bereitstellen – auch ein hoher Kostenfaktor, der in die Millionen geht. Und ebenfalls von den Regionsbewohnern zu tragen sein wird.

Duales System: größer und seltener

Als „generell sehr positiv“ bezeichnet Lutz Müller vom Entsorgungskonzern Reclay (dessen Tochterfirma Redual leitet für das Duale System die Ausschreibung für das Umland) die Position, überflüssigen Lkw-Verkehr zu vermeiden: „Generell sollten LVP in Sackgebieten vierwöchentlich und in dem 90 Liter- Standardsack mit Zugband erfasst werden. Leider sieht das die Politik nicht immer so.“ Dafür sprechen laut Müller: „Das schont die Umwelt, ist wirtschaftlich sinnvoll und auch ausreichend, bringt eine optimale Nutzung der Säcke und eine höhere Sammelqualität.“ Müller verweist darauf, dass „auch die Abgabe der Säcke auf Wertstoffhöfen eine zusätzliche Umweltbelastung sein kann, da ja jeder Haushalt angeschlossen ist und viele Bürger extra mit dem Auto zu den Wertstoffhöfen fahren.“

*In einer früheren Version hatten wir die Aussage irrtümlich dem SPD-Geschäftsführer Wolfram Römer zugeschrieben.

Von Ralph Hübner

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