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Verdeckt sein Gesicht mit einer Zeitung: Ex-Vergewaltiger vor Gericht.© dpa

Justiz

Fußfessel entfernt: 6 Monate Haft für Sextäter

Für das Entfernen seiner Fußfessel muss ein als gefährlich eingestufter Sexualstraftäter für ein halbes Jahr ins Gefängnis. Die Richterin am Amtsgericht Hannover bescheinigte dem Mann "eine außergewöhnliche Rückfallgeschwindigkeit". 

Hannover. Er humpelt, ist fast taub und wird trotz seiner 80 Jahre noch als gefährlicher Serientäter eingestuft: Weil er seine elektronische Fußfessel durchgeschnitten hat, ist ein ehemaliger Sicherungsverwahrter zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt worden.

Das Amtsgericht Hannover sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der Mann, der sein halbes Leben in Gefängnissen verbrachte, am 30. April das Befestigungsband seines Überwachungsgeräts durchtrennt und damit gegen eine Weisung der Führungsaufsicht verstoßen hat.

Wilhelm P. erschien mit gegelten Haaren und Goldkettchen im Gerichtssaal. Der schwerhörige Rentner machte einen zurückhaltenden, fast schüchternen Eindruck. Zahlreiche psychiatrische Gutachten bescheinigen ihm allerdings eine anhaltende Gefährlichkeit. "Sie haben eine außergewöhnliche Rückfallgeschwindigkeit trotz Ihres Alters und Ihrer Gebrechlichkeit", sagte Richterin Gesine Irskens in ihrer Urteilsbegründung. Der Angeklagte verbrachte bis 2011 unter anderem wegen fünffacher Vergewaltigung 35 Jahre in Sicherungsverwahrung.

Die Überwachung mit einer elektronischen Fußfessel wurde vor gut einem Jahr angeordnet. 2012 war er als Spanner auf der Damentoilette eines Krankenhauses aufgefallen und hatte dort ein Klappmesser gezückt, als eine Frau ihn stellen wollte. Im selben Jahr belästigte er wiederholt eine Zwölfjährige, wie die Richterin ausführte. 2014 habe er zudem einer Frau, die er 20 Jahre zuvor vergewaltigt hatte, einen Zettel mit den Worten "Böse Mädchen holt die Vergangenheit ein" in den Briefkasten geworfen.

Am Dienstag gestand der 80-Jährige, dass er die Fußfessel abgemacht hatte, um sie dem Gericht zurückzuschicken. "Ich befand mich in einer Notlage", ließ er durch seine Verteidigerin erklären. Sein Hausarzt habe akutes Nierenversagen erkannt und ihn mit Blaulicht ins Krankenhaus bringen lassen. Die Rechtsanwältin erläuterte, Wilhelm P. sei davon ausgegangen, dass er in der Klinik sterben werde. Sein Bewährungshelfer sagte als Zeuge: "Er wollte mit dem Gerät nicht ins Spital, weil er dann als Sexualverbrecher identifizierbar ist."

Erst am 8. Mai - einen Tag nach der Entlassung des 80-Jährigen aus der Klinik - brachte ein Techniker eine neue elektronische Fußfessel an. Warum der Mann nicht sofort nach dem Auslösen des Alarms eine neue Fußfessel bekam, konnte im Amtsgericht nicht geklärt worden. Ein Polizist erklärte als Zeuge, dafür sei die Führungsaufsicht zuständig. Diese liegt nach Angaben eines Amtsgerichtssprechers beim Landgericht Hannover.

In Niedersachsen gibt es nach Angaben des Justizministeriums derzeit zwei Fußfessel-Träger, beide sind ehemalige Sicherungsverwahrte. Bundesweit wurden Ende August 74 Menschen mit einer Fußfessel überwacht. Vor knapp drei Wochen hatte die Berliner Polizei einen Islamisten erschossen, der seine Fußfessel selbst entfernt und kurz danach eine Polizistin angegriffen hatte. Eine Arbeitsgruppe der Justizministerkonferenz prüft derzeit weitere Einsatzmöglichkeiten von elektronischen Fußfesseln. Aus Hessen kam in der Vergangenheit der Vorschlag, mit ihrer Hilfe auch Fußball-Rowdies zu überwachen. dpa


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