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weiter in der Kritik: Innenminister Boris Pistorius.

weiter in der Kritik: Innenminister Boris Pistorius.
 © dpa

Fangipfel

Fußball: Es hagelt Kritik an Innenminister Pistorius

Für seinen geplanten Fangipfel muss Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius weiter Kritik einstecken. Nach der Vereinigung „ProFans“ nun auch von Polizeigewerkschaft und Opposition. Er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, das Thema Gewalt rund um den Fußball für seine „Wahlkampf-Show“ zu missbrauchen.

Hannover.  Innenminister Boris Pistorius (SPD) steht nach Absage und Verlegung des Fangipfels (NP berichtete) weiter unter Beschuss. Nach der Vereinigung „Pro Fans“ hagelt es nun auch Kritik von der Opposition und der Deutschen Polizeigewerkschaft. Deren Vorsitzender in Niedersachsen, Alexander Zimbehl, wirft Pistorius vor, das sehr ernste Thema Gewalt rund um Fuß­ballveranstaltungen „für seine Wahlkampf-Show“ zu instrumentalisieren. Das Problem anzupacken sei dennoch richtig. „Das ist aber keine Ministeraufgabe“, so Zimbehl. Die richtigen Gesprächspartner seien Polizei und Fanverbände: „Ein Dialog zwischen diesen beiden ist ausdrücklich zu be­grüßen.“

Zusammenstöße mit der Polizei, Verabredungen zur Drittortauseinandersetzung, zerlegte, (auch mit Kot) verdreckte Züge auf dem Weg zu Auswärtsspielen, Pyro und Hass-Banner in der Fan-Kurve – die Auswüchse rund um den Fußball werden immer schlimmer. Unklar bleibt, ob sich Pistorius tatsächlich die richtigen Ge­sprächspartner für das Thema eingeladen hat. Schwammig antwortete eine Sprecherin seines Ministeriums am Donnerstag, er „möchte einen Austausch mit allen Gruppen, die im Stadion eine Rolle spielen“ – Fans in der Kurve, „Familienmütter und -väter mit ihren Kindern“ und „jahrzehntelange Dauerkartenbesitzer“. Auch mit Vereinsfunktionären und Aktiven wolle er das Thema besprechen. Jens Nacke, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, kritisiert: „Dem Minister geht es nur um einen Wohlfühltermin, mit dem er im Wahlkampf in die Schlagzeilen will, und nicht um nachhaltige Verbesserungen und Lö­sungen.“

Der Vizechef der FDP im Landtag, Stefan Birkner, sieht es genauso. Seine bittere Konsequenz daraus: „Da­mit ist die Akzeptanz für dieses ernste Thema komplett verloren gegangen.“ Nacke bedauert: „Die Fehler des Ministers muss leider immer die Polizei ausbaden.“

Beide sind sich einig, dass es eine Initiative gegen die immer massiveren Ausschreitungen im Fußball geben muss. Aber es dürfe kein Schnellschuss im Wahlkampf sein, sondern müsse gut vorbereitet werden. Na­cke fordert zudem ein abgestimmtes Vorgehen von Bremen, Hamburg und Niedersachsen – die drei Länder mit den Erstligavereinen Werder Bremen, HSV, 96 und VfL Wolfsburg. Ein Vorschlag, den Polizeigewerkschafter Zimbehl begrüßt. Beteiligt sein sollte auch die Bundespolizei, die Woche für Woche für die Fans bei ihren Reisen zu Auswärtsspielen zuständig ist.

Von Britta Mahrholz

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