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Meine Stadt Fury soll nicht ins Schlachthaus
Hannover Meine Stadt Fury soll nicht ins Schlachthaus
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12:58 03.09.2015
AUGENHÖHE: Gabi Quelle, hier mit Minishetty Napoleon,hat ihren Beruf aufgegeben, um auf der „Arche“ zu helfen. Quelle: Nigel Treblin
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Arpke

Peter kommt gleich am Eingang zutraulich auf einen zu. Er ist aus Frankfurt mit Frau und Sohn hierhergekommen, jetzt aber allein untergebracht. „Er ist noch nicht kastriert“, erklärt Marion Korroch, „und wir wollen ja nicht gleich weiteren Nachwuchs haben.“

Peter ist ein Shetlandpony, und der Pferdegnadenhof „Die Arche“ bei Arpke (Lehrte) platzt ohnehin aus allen Nähten. 36 Pferde sind dort derzeit untergebracht. Tiere wie Peter, deren ursprüngliche Besitzer sie nicht mehr halten konnten oder wollten. Oft, weil sie krank geworden sind. „Wenn sie teuer werden, müssen sie gehen“, ärgert sich Korroch. Als Endstation droht der Schlachter, die Verarbeitung zu Hundefutter.

Auf der „Arche“ finden solche Tiere seit 32 Jahren ein Gnadenbrot, seit zehn Jahren am jetzigen Standort. Doch damit könnte Anfang Oktober Schluss sein. Finanzielle Schieflagen gab es schon öfter, da der Betrieb nur durch Spenden und ehrenamtliche Arbeit ermöglicht wird. Doch so ernst wie jetzt war es noch nie: Der Pachtvertrag läuft aus. Der Eigentümer will das Grundstück verkaufen. Für den Kauf braucht Marion Korroch 48 000 Euro. Das geht nur über zusätzliche Spenden.

Die Pferde kommen auf vielfältigen Wegen zu ihr. Ein Pony-Quartett etwa wurde von einer Frau bei einem Schlachter in Pattensen freigekauft. Sechs kleine Minishetty-Hengste stammen aus einem Tiertransport nach Italien. Die Ladung war von Tierschützern aufgekauft worden.

Hengst Piano kommt aus einem Reitverein bei Hannover. Falsch angelegte Gurte führten zu schmerzhaften Verletzungen, Piano biss um sich. Das Therapiepferd Mondeo hatte so viele Einsätze, dass es irgendwann wohl selbst eine Therapie gebraucht hätte. „Es lief nur noch rückwärts“, erzählt Korroch. Siletta war bei ihrem Einzug im Sommer 2013 nur noch Haut und Knochen. Ihre Zähne waren so abgenutzt, dass sie ihr Futter nicht mehr verwerten konnte. Auf dem Gnadenhof bekommt sie nun täglich achtmal Breikost. Esperanza war einst ein hoch dotiertes Polopferd, dann aber erblindet. Die Ursache war ein erblicher Gendefekt, die Zucht verbot sich. Auf dem Gnadenhof hat sie mit Löckchen einen festen Pferdepartner gefunden. „Ihren persönlichen Blindenhund“, scherzt Korroch.

Viele der Pferde sind krank, oft „dämpfig“, womit ein Lungenemphysem gemeint ist. Häufig ist auch die Hufrehe, eine gefährliche Entzündung, oft durch falsches Futter verursacht. Fury hat beides. Auch er war Kandidat für den Schlachthof. „Viele halten Pferde auf der Wiese“, sagt Korroch, „das ist billiger als im Stall. Das feuchte Wiesengras ist aber als Futter für viele Rassen ungeeignet.“

Marion Korroch hat sich in den 32 Arche-Jahren für ihre Pferde aufgerieben. Mittlerweile ist sie selbst erkrankt und nicht mehr berufstätig. Auf dem Gnadenhof hilft ihr eine Freundin: Gabi Quelle hat ihren Beruf an den Nagel gehängt, um zu ihr zu ziehen und mit anzupacken. Weitere Helfer kommen regelmäßig. Am Sonntag, den 6. September, findet der Tag der offenen Tür statt. Die „Arche“ liegt zwischen Immensen und Arpke nördlich der Bahnlinie. Anfahrt:

www.pferdegnadenhof-arche.de/der-weg-zu-uns.html.

Spenden: Volksbank Pattensen; Konto-Nummer: 77 01 91 13 03.

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