Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Fünf Jahre für Messerstecher aus Burgwedel
Hannover Meine Stadt Fünf Jahre für Messerstecher aus Burgwedel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:37 11.09.2018
Foto Quelle: dpa
Hannover

Ein Urteil, viele Verlierer: Der 17-jährige Messerstecher aus Burgwedel wurde zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt. Sein 14-Jähriger Bruder bekam am Dienstag im Landgericht einen zweiwöchigen Dauerarrest und zehn Stunden Sozialtraining aufgebrummt. Das Opfer, eine junge Frau (25) auf Burgwedel, meinte: „Ich bin froh, dass der Prozess zu Ende ist.“ Mit dem Urteil gehe es ihr ganz gut. Sie werden nun versuchen, wieder ruhig zu schlafen und wieder nach draußen zu gehen.

Bei einem Streit zwischen der 25-Jährigen, ihrem Freund und den Angeklagten wurde sie am 24. März durch einen Messerstich lebensgefährlich verletzt. Mit großer Wut (Stichkanal 15 Zentimeter) hatte der junge Mann aus Syrien auf sie eingestochen. „Gericht und Staatsanwaltschaft teilten meine Auffassung, dass es sich um ein versuchtes Tötungsdelikt handelte“, sagt Opfer-Anwalt Björn Nordmann. Der Bruder (14) wurde wegen eines Schlages gegen den Freund der jungen Frau wegen Körperverletzung verurteilt. Der Streit hatte sich aus völlig nichtigem Anlass entwickelt.

Das Opfer ist derzeit zu 30 Prozent schwerbehindert. Es sehe nicht danach aus, als ob sie die körperlichen und seelischen Folgen des Verbrechens schnell verkraften könne, meinte ihr Anwalt. Die Strafe hätte noch höher ausfallen können. Doch das Gericht bewertete die Zahlung von 5000 Euro an die junge Frau als strafmildernd.

„Mein Mandant hat das Urteil gefasst aufgenommen und er bereut die Tat“, erklärte Rechtsanwalt Paul Vogel. Wahrscheinlich muss er das sagen, aber Zweifel sind angebracht. Zwar entschuldigte sich der 17-Jährige bei seinem Opfer. Doch in seinem letzten Wort meinte er, dass der Staatsanwalt sein Leben zerstöre. Es handelte sich also eher um Selbstmitleid. Der Staatsanwalt hatte sechs Jahre Haft beantragt.

Bereits zu Beginn des Prozesses hatte der Angeklagte aus Syrien mit seiner Erklärung für Empörung gesorgt. Sinngemäß sagte er in dem nicht-öffentlichen Verfahren: In seiner Heimat sei es legitim, die Familienehre mit dem Messer zu verteidigen – bis hin zur Tötung. Deshalb verstehe er auch nicht, warum er auf der Anklagebank sitze.

Nach NP-Informationen befindet sich die Familie des Angeklagten seit fünf Jahren in Deutschland. Also genug Zeit, um sich einzugewöhnen. „Ich hoffe, dass sich dieser Mensch im Gefängnis ändert und dass er einsieht, dass er seine Ehre nicht rächen darf“, meinte das Opfer.

Von Thomas Nagel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Trinkgelagen auf öffentlichen Plätzen einen Riegel vorschieben – das will der Niedersächsische Städtetag. Er fordert, dass Kommunen selbstständig Alkoholverbote für bestimmte Plätze aussprechen dürfen. In Hannover ist man von dem Vorschlag angetan.

11.09.2018

Noch ein Gymnasium braucht Hannover nun wirklich nicht – glaubt das Bündnis „Schule der Kulturhauptstadt“ und bringt einen Gegenantrag in die nächste Schulausschusssitzung ein.

11.09.2018

Am 21. September ist der Internationale Friedenstag. Eine viertel Stunde lang werden europaweit Glocken für Frieden und Verständigung geläutet. In Hannover der Höhepunkt eines einwöchigen Veranstaltungsprogramms rund um die Glocke.

11.09.2018