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Friedrich Joussen, damaliger Vorsitzender der Geschäftsführung von Vodafone Deutschland, aufgenommen am Donnerstag (23.09.2010) im Ostseebad Heiligendamm.

Ex-Vodafone-Mann Friedrich Joussen arbeitet sich ab Mitte Oktober in seinen neuen Job an der Spitze von Europas größtem Urlaubskonzern TUI ein. (Archivfoto vom 23.09.2010)© dpa

Reise-Riese

Friedrich Joussen entdeckt Tui

Ein Mobilfunker soll den Reiseriesen Tui schlagkräftiger machen. Ex-Vodafone-Mann Friedrich Joussen arbeitet sich ab Mitte Oktober in seinen neuen Job an der Spitze von Europas größtem Urlaubskonzern ein. Wenige Top-Manager gelten als so dynamisch und nahbar wie er.

Hannover/Düsseldorf. Eigentlich passt Friedrich Joussen so gar nicht ins Bild eines typischen Mobilfunk-Mannes. Geschäftig tun und ständig das Handy am Ohr? Den langjährigen Deutschland-Chef von Vodafone würde man eher der Stahl- oder Energiebranche zuordnen. Mit einer Größe von fast zwei Metern, markigen Gesichtszügen und leichtem Ruhrgebiets-Slang ist er nicht zu übersehen oder zu überhören. Wie kaum ein Top-Manager hat der 49-Jährige in den vergangenen Jahren sein Metier geprägt.

Jetzt entdeckt Joussen Neuland. Als künftiger Chef von Europas größtem Reisekonzern Tui soll der Machertyp - er lässt sich von Vertrauten lieber mit dem unkompliziert-schnittigen "Fritz" anreden - den Branchenführer profitabler machen und im Internet verankern. Die Fußstapfen, in die Joussen tritt, sind groß: Vorgänger Michael Frenzel, der ihn mit einarbeitet, gehört zu den dienstältesten deutschen Unternehmenslenkern überhaupt. Im Februar soll das oft kritisierte Manager-Urgestein die Führung dann komplett abgeben.

Nach 19 Frenzel-Jahren bei der Tui und dem Vorläufer Preussag erhoffen sich nicht wenige in Hannover frischen Wind. Joussen hat klare Ziele. Kenntnisreich, mit Witz und Humor hat sich der Vater von vier Kindern und Ehemann einer Ärztin einen Namen gemacht. Bei der Produktentwicklung gilt er als kreativer Kopf, an der Einführung des Textdienstes SMS soll er maßgeblich beteiligt gewesen sein.

Die Mobilfunkgesellschaft aus Düsseldorf, zugleich eine der größten und lukrativsten Töchter des britischen Mobilfunkgiganten Vodafone, hat Joussen in seiner Amtszeit nach vorn gebracht und dem Erzrivalen T-Mobile in diesem Jahr die Marktführerschaft entrissen. Auch im Großkundengeschäft ging es aufwärts. So konnte Vodafone etwa Europas größten Autobauer VW für sein Netz gewinnen.

Ausgereizt ist die Karriere des Kommunikationsspezialisten aber noch lange nicht. 1988 kam der gelernte Elektrotechniker, der als einer von wenigen Mobilfunkbossen auch eine Menge von Technik versteht, nach einem Gastspiel bei einer Firma im US-Bundesstaat Oregon zum damaligen Mannesmann-Konzern. Die Handy-Telefonie lag in den Geburtswehen und Joussen war mittendrin, als die Branche zu boomen begann. Mannesmann Mobilfunk gegen die Telekom, D2 gegen D1 oder die Roten gegen die Magentafarbenen - das waren die harten Duelle auf dem Zukunftsmarkt.

1997 war Joussen in der Geschäftsleitung für Marketing und Produktmanagement zuständig. Drei Jahre später übernahm Vodafone den Mannesmann-Konzern, 2003 wurde Joussen Deutschland-Chef. Der Aufbau des UMTS-Mobilfunknetzes, später auch des LTE-Netzes, die Integration der Festnetztochter Arcor und der Kampf um die Marktführerschaft in Deutschland mit T-Mobile gehörten zu seinen größten Wegmarken.

Für die Kleinen der Branche und erst recht für die Billigheimer hatte der gebürtige Duisburger nicht viel übrig. Denn immer wieder piesackten sie die Großen mit aggressiven Preisrunden. Vielleicht war das auch der Grund, warum Joussen die Wettbewerber stets mit einem Artikel garnierte: "Der" E-Plus und "der" O2, sagte er gewöhnlich.

Nun landet er "beim" Tui. Joussens Lockerheit drückt sich auch im Umgang mit den Kollegen aus. Er hat keine Scheu vor Mitarbeitern und steht dem neuen Tui-Deutschland-Chef Christian Clemens - der Schwede geht schon mal zum Plausch in die Kantine - dabei in nichts nach. Auf dem Weg in die digitale Welt freilich ist bei Tui aus Sicht von Branchenkennern noch ein dickes Brett zu bohren. Zu spät habe sich die Gruppe auf die Online-Vermarktung eingelassen. Kursverluste der Aktie und wiederholte Kurswechsel Frenzels taten ihr Übriges, um manch einen Anteilseigner zu verprellen.

Auch die Tatsache, dass das Kerngeschäft hauptsächlich von der britischen Tochter Tui Travel gesteuert wird, soll häufig Sand ins Getriebe streuen. Und Großaktionäre wie der Russe Alexej Mordaschow wollen mehr Rendite. Dass Joussen den Blick von außen mitbringt, muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Mit ihm komme ein "hoch angesehener Manager mit internationaler Erfahrung", hatte Aufsichtsratschef Klaus Mangold nach Bekanntgabe der Personalie verkündet.

Welche Branche auch immer - Joussen ist im Netz zu Hause, gilt vielen daher als gute Besetzung. Mal abgesehen davon, dass der Hobby-Sportler ein vernarrter Technik-Freak ist: Der Erfinder Joussen hält selbst einige Patente. (Jan-Henrik Petermann und Peter Lessmann/dpa)


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