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Meine Stadt Freispruch im Vergewaltigungsprozess
Hannover Meine Stadt Freispruch im Vergewaltigungsprozess
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00:16 14.03.2016
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Hannover

von thomas nagel

hannover. Ein paar Whatsapps hätten einen jungen Mann (24) fast für lange Zeit ins Gefängnis gebracht. Er musste sich gestern wegen sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen vor der 16. Großen Strafkammer des Landgerichts Hildesheim verantworten.

Die Vorgeschichte ist banal: „Er hatte Langeweile, ich hatte Langeweile“, sagte das mutmaßliche Opfer (22). Also lud sie ihn Ende März 2014 kurz vor Mitternacht noch in ihre Wohnung nach Burgdorf ein. Beide waren 2012 für kurze Zeit ein Paar. Sie hatten sich über eine Internet-Plattform kennengelernt und hielten weiter Kontakt. Er übernachtete bei ihr. Als am Morgen der Kerl weg war, und die junge Frau ihren Tampon nicht wiederfand, wurde sie misstrauisch.

Sie ging zum Arzt, zur Polizei und zum Rechtsmediziner. Vorher hatte sie ihren Ex stundenlang über Whatsapp genervt: „Hast Du was gemacht?“ fragte sie. Er sagte, dass er mit der Hand bei ihr zugange war. Die Fragen wurden eindringlicher und eindeutiger. „War es wenigstens gut?“, fragt sie. Bis er schließlich antwortete: „Etwas lahm.“ Von der angeblichen Vergewaltigung hatte sie nichts mitbekommen, weil sie starke Schmerzmittel eingeworfen hatte.

Der junge Mann räumte ein, dass beide „gekuschelt“ hätten und auch „Bussis“ ausgetauscht hätten. Aber wegen einer Nasenoperation habe er Schmerzen gehabt und Medikamente genommen. „Selbst wenn ich Absichten gehabt hätte, hätte mein bestes Stück nicht funktioniert.“ Richter Philipp Suden merkte an. „So richtig überzeugend klingt das nicht.“ Doch er musste den jungen Mann freisprechen. Denn die Frau verstrickte sich in viele Widersprüche. Warum tauchte der fehlende Tampon bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung wieder auf? Warum sprach sie beim Rechtsmediziner davon, der Angeklagte habe sie geohrfeigt und auf die Oberschenkel geschlagen, erwähnte im Gericht das aber mit keiner Silbe?

Der Gerichtsmediziner konnte keine objektiven Hinweise finden, die für eine Vergewaltigung sprachen. Die junge Frau gab an, bereits zum fünften Mal vergewaltigt worden zu sein; das erste Mal im Alter von neun Jahren. Sie leidet unter dem Borderline-Syndrom, ritzt sich die Unterarme auf. Borderliner sind bekannt für ihre blühende Fantasie. „Ich kann verstehen, dass Sie wegen ihrer Vorerfahrungen die Indizien nur in eine Richtung wahrgenommen haben“, formulierte es der Richter.

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