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MACHEN MÄCHTIG DAMPF:„Frei.Wild“ in der AWD-Hall.

MACHEN MÄCHTIG DAMPF:
„Frei.Wild“
in der AWD-Hall.© Behrens

Konzert

Frei.Wild in Hannover: Pogo und Proteste

Diese Gruppe polarisiert nicht, nein, sie spaltet die Musik- und Fanszene, und sie hat Erfolg: die Deutschrock-Band Frei.Wild. Donnerstag war sie in der AWD-Arena.

Von Kai Schiering

Hannover. Das Hamburger Konzert in der O2-World war ausverkauft, das schafften zuletzt weder Jennifer Lopez noch Lady Gaga. Und als die ersten Takte des Schlagzeugs gestern Abend durch die AWD-Hall donnern, wird es dunkel und ein frenetischer Jubel bricht unter den 5500 Fans aus.

Philipp Burger betritt die Bühne und singt mit harter Stimme zu seinen Akkorden: „So und gar nicht anders fing alles an, wir reiten wieder in den Untergang.“ Der schwarze Vorhang fällt, das Lied nimmt Fahrt auf, die Menge setzt sich in Bewegung, aus den Boxen schlagen meterhohe Flammen, deren Hitze noch auf der Tribüne zu spüren ist. Gefährlich: Auch ein Zuschauer zündet in der Menge Pyro, verletzt wird dabei glücklicherweise keiner.

Ein Youtube-Kommentar steht exemplarisch für die Fans: „Wenn es eine Band gibt, die die Onkelz für mich ersetzen könnte, dann wär es ,Frei.Wild‘!“ Mit martialischen, harten und deftigen Songtiteln aber, wie „Sieger stehen da auf, wo Verlierer liegen bleiben“, „Weil du mich nur verarscht hast“, „Tot und doch am Leben“, „Wer nichts weiß, wird alles glauben“, schlagen sie in die Kerbe, die die Böhsen Onkelz nach ihrer Auflösung hinterlassen haben.

In einem Interview, das der tiefgläubige Philipp Burger vor Jahren gegeben hat, hieß es noch: „Es wäre jeder Mensch, egal, welcher politischer Einstellung auf einem „Frei.Wild“-Konzert willkommen.“ Heute sagte das Ex-Mitglied der Südtiroler erzkonservativen Partei Die Freiheitlichen, waren das „sehr unweise Worte eines Menschen, der die Aussage nicht wirklich so hinterfragt hat, wie er das vielleicht heute tut.“ Und: „Wir wollen keine Nazis auf den Konzerten.“

Musikalisch sind „Frei.Wild“ nicht so aufregend. Mit ihrem stumpfen Deutschrock-Punk und den herben, unmelodischen Mitgrölsongs poltern sie durch die volle Halle. Der Titel ihrer aktuellen CD „Feinde deiner Feinde“ klingt nach Rache für Unterdrückte. Burger sang einst bei der Rechtsrock-Band Kaiserjäger. Von dieser Band stammt auch das Lied „Südtirol“, das eine heftige „Liebe“ zu ihrer Heimat zum Thema hat: „Südtirol, wir tragen deine Fahne, denn du bist das schönste Land der Welt.“

Von der Neonazi-Vergangenheit distanziert sich Burger inzwischen - eine Jugendsünde. Der Journalist Thomas Kuban, der seit Jahren über die rechtsextreme Musik-Szene berichtet, kommt in seinem Buch „Blut muss fließen” zu dem Ergebnis „Frontmann Philipp Burger ist der erste Rechtsrockstar im klassischen Sinne, denn sein Wirken ist auf keine Szene beschränkt, er erreicht auch das bürgerliche Spektrum“. Da bleiben weiter Fragen offen, gerade weil die vieltausendköpfige Menge begeistert tobt.

Mit lauter Punk-Musik und großen Anti-Nazi-Bannern zogen rund 50 Demonstranten vor die AWD-Hall. Organisiert war die Aktion von der Grünen Jugend Hannover. Auch die Antifa war dabei. „Nicht frei und wild, sondern populistisch und nationalistisch“, werfen die Initiatoren der umstrittenen Band „Frei.Wild“ vor, die in der Kritik steht, rechtes Gedankengut zu verbreiten. „Das ist eine typische Grauzonenband“, erklärt Demonstrant Karl Meier (25) und fügt hinzu: „Wir wollen einfach erreichen, dass die Fans das Ganze kritischer betrachten.“ Ausschreitungen gab es nicht.


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