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Meine Stadt Frauennotruf: Viel Arbeit trotz #metoo
Hannover Meine Stadt Frauennotruf: Viel Arbeit trotz #metoo
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12:02 13.07.2018
Treffen mit Frauennotruf wegen Geschichte zum 30-jährigen Jubiläum, Goethestraße 23 Frau Petra Klecina vom Frauennotruf Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
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Hannover

 Geschäftsführererin Petra Klecina (60) ist seit 20 Jahren Mitarbeiterin beim Frauennotruf. Im Interview erzählt sie, was sich in der Zeit auch gesellschaftlich getan hat.

Was hat sich für den Frauennotruf in den vergangenen 30 Jahren verändert?

Die Beratungsstelle muss keinen Kampf mehr um ihre Daseinsberechtigung, sowohl gesellschaftlich als auch finanziell, führen. Die Finanzierung durch Stadt, Region und Land ist zwar immer noch freiwillig und muss jährlich neu beantragt werden, aber wir stehen nicht mehr zur Disposition. Das ist ja die Grundlage, um überhaupt arbeiten zu können. Unsere fünf Festangestellten auf vier Stellen sind abgesichert und können kontinuierlich Angebote machen.

Vor 30 Jahren redeten manche Männer noch von „Vergewohltätigen“, wenn sie Vergewaltigung meinten. Heute habe wir die #metoo-Debatte. Ist das Ausdruck der Veränderungen?

In diesen Jahren hat sich gesellschaftlich schon einiges zum Positiven geändert. Solche Sprüche fallen eher nicht mehr. Die Gesellschaft ist sensibler geworden. Auf vielen Ebenen gibt es Kampagnen, das Sexualstrafrecht ist reformiert worden, bis 1997 war Vergewaltigung in der Ehe noch straffrei. Es gibt ein Gewaltschutzgesetz. Das sind alles Maßnahmen, die sowohl für Betroffene relevant sind als auch ein gesellschaftliches Signal geben. Vor 30 Jahren wäre es auch nicht vorgekommen, dass eine Krankenkasse an uns herantritt und eine Fortbildung zum Thema „sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ anfragt.

 
Nach wie vor gibt es Tabus wie sexuelle Gewalt gegen und unter Behinderten...

...was auch daran liegt, dass ihnen Sex abgesprochen wird. Es ist kein Tabu mehr, aber es wird ungern darüber gesprochen. Wir haben mittlerweile viele Anfragen von sozialen Einrichtungen und Institutionen nach Schutzkonzepten und Unterstützung. Es gibt immer noch viele Vorurteile und Klischees. Da wird ernsthaft gefragt, wer denn eine behinderte Frau vergewaltigen will. Doch, das passiert. Es geht um Aggression, Macht, Erniedrigung, und das kann alle betreffen.

Gibt es eine neue „Qualität“ sexueller Übergriffe durch die neuen Medien?

Ja, auf jeden Fall. Die Kontaktaufnahme und Möglichkeiten zu sexuellen Übergriffen sind viel größer, die Täter haben leichteres Spiel. Wenn etwa Nacktfotos gegen den Willen der Person öffentlich werden, ist die Verbreitung viel größer und schneller. Viele gehen auch unbedarft mit ihren Fotos um.

Was hat die „Nein ist Nein“-Kampagne und die Gesetzesnovelle gebracht?

Wir warten noch auf die Auswertungen. Auf jeden Fall gab es ein starkes Signal. Taten, die zuvor nicht geahndet werden konnten, können jetzt geahndet werden. Es scheint auch mehr Anzeigen zu geben.

Müssen sich immer nur die Feministinnen um Themen wie sexuelle Gewalt kümmern?

Es sind mittlerweile beileibe nicht mehr nur die Feministinnen. Aber als überzeugte Feministin weiß ich, dass wir es immer sind, die die Finger in die Wunde legen und die Thematik weiter betreuen. Das ist unsere Aufgabe, unser Herzensthema – wir bleiben dran, auch wenn das Thema öffentlich abgeebbt ist.

Der Frauennotruf Hannover feiert am Dienstag 5. Juni ab 16.30 Uhr im Kulturzentrum Pavillon (Oststadt) sein 30-jähriges Bestehen. Mehr als 6000 Frauen und Mädchen erhielten in dieser Zeit konkrete Unterstützung, Beratung und Begleitung bei der Verarbeitung ihrer Gewalterfahrungen. Fachkräfte, Bezugspersonen, Angehörige, wurden begleitet, informiert und geschult. Mitfeiern wird unter anderem die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann (SPD). Mehr unter www.frauennotruf-hannover.de

Von Petra Rückerl

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