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Meine Stadt Flüchtlingsheim: Bezirksrat vertagt Entscheidung
Hannover Meine Stadt Flüchtlingsheim: Bezirksrat vertagt Entscheidung
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00:16 21.04.2013
NICHT MIT UNS (von links): Sabine Zickfeldt, Hartmut Gawron, Peter Kellner und Kurt Zickfeldt halten andere Standorte für geeigneter. Quelle: Lennart Helal
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Hannover

Wo ist der richtige Platz?

Wohin mit den vielen Flüchtlingen? Bis Jahresende rechnet die Stadt mit bis zu 800 Neuankömmlingen. Nach einem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen im Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide wurde die Entscheidung, ob im Eichenweg eine Unterkunft für 50 Asylbewerber gebaut werden soll, auf die kommende Sitzung im Mai vertagt. Bis dahin solle die Stadt Alternativstandorte in dem Bezirk prüfen, forderte der Rat einstimmig. Gegen den Plan der Verwaltung hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet (NP berichtete). Sprecher Peter Kellner überreichte Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg (SPD) nun eine Liste mit 462 Unterschriften.

„Wir waren über die Vorentscheidung überrascht“, sagte Kellner. Grunenberg widersprach: Die Stadt habe nicht von vorneherein den Eichenweg als Standort fokussiert.

Die Ratsmehrheit von SPD und Grünen forderte die Verwaltung auf, bei der Standortsuche die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie Einkaufs- und soziale Integrationsmöglichkeiten zu beachten. „Wir sollten Flüchtlinge nicht als Last, sondern als Chance betrachten“, erklärten die Fraktionschefs Florian Spiegelhauer (SPD) und Imke Knoll (Grüne).

„Für den Eichenweg haben wir bisher kein stichhaltiges Argument gehört. Der Standort ist nicht integrativ“, meinte dagegen CDU-Fraktionschef Felix Blaschzyk - und bemängelte die fehlende Bürgerbeteiligung. Vor allem kritisierte die CDU den hohen Mietpreis von 18,50 Euro pro Quadratmeter. Hinzu kommt: „Der Platz ist im städtischen Bauplan als Spielfläche vorgesehen“, so Blaschzyk. Stattdessen solle die Stadt eine teilweise Nutzung der leerstehenden Freiherr-von-Fritsch-Kaserne und die Anmietung freier Wohnungen der GBH prüfen. Auch die Vorschläge der Bürgerinitiative seien zu berücksichtigen.

„Reden Sie mit uns, bevor Sie entscheiden“, appellierte Hartmut Gawron an die Stadt. Dafür erntete er von seinen Mitstreitern im Publikum viel Applaus. Der frühere Unternehmensberater ist Teil der Bürgerinitiative und glaubt, vier alternative Standorte in Bothfeld und Lahe gefunden zu haben, die die genannten Kriterien besser erfüllten als der Eichenweg. „Bei besseren Argumenten bin ich aber zu Diskussionen bereit“, erklärte Gawron.

Die Stadt versicherte, die Standortfrage noch einmal zu überprüfen. „Wir müssen die Flüchtlinge aufnehmen“, kündigte Bereichsleiter Marc Schalow an.

Caritas: Zuwendung für bessere Integration

Bundesweit einmalig, politisch vorbildlich und menschlich hoch anständig – so könnte man das neue Flüchtlingshilfeprojekt der Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung kennzeichnen. Das wäre aber nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich ist die Initiative der Hannoveraner Beispiel gebend für den Umgang mit einer Klientel, über die es jede Menge Klischees gibt, über die die Projektleiterin Mareike Berger aber sagt: „Flüchtlinge brauchen Geld. Und sie brauchen Zuwendung – wenn beides fehlt, gehen sie ein.“ Oft genug ist das so.

Das Ehepaar Niedergerke, beide mal bekannte Ärzte in der Stadt, hält dagegen. Die mit ihrem Namen gegründete Stiftung macht mehr als 30?000 Euro locker, um gemeinsam mit dem Caritasverband Hannover zumindest eine Chance für das bessere Leben von Flüchtlingen zu organisieren. Rund 800 leben derzeit in Hannover, etwa 80 von ihnen in den Wohnheimen der Caritas in der Rumann- und in der Hischestraße. Der Leiter dieser Zufluchtsorte ist Hans-Joachim Steiner. Er sagte gestern: „Mit dem Geld, dass die Stiftung uns gibt, wollen wir die Situation der Flüchtlinge verbessern, eine angemessene psychosoziale und gesundheitliche Situation für Kinder organisieren und zur Integration in den Stadtteilen beitragen.“ Dickes Brett, muss man aber ran.

Bisher waren Flüchtlinge auf sich allein gestellt, wenn sie die Schutzzone Wohnheim verlassen hatten. „Jetzt können wir verhindern, dass Familien allein gelassen werden, wenn sie nicht mehr bei uns leben“, sagt Steiner. „Viele dieser Menschen haben eine Odyssee hinter sich – und ein Leben ohne Hilfe überfordert sie.“ Er habe schon welche erlebt, „die Angst hatten, einzukaufen“.

Die Niedergerkes könnten sich ein flottes Leben machen. Sie haben sich für ein Sinn stiftendes entschieden. „Als Kind der Nachkriegszeit habe ich Flüchtlingsleid gesehen und selbst erlebt“, sagt der 71-jährige Udo Niedergerke und legt damit die Quelle seines Engagements dar. Und seine Frau formuliert die Zielrichtung so: „Wir müssen versuchen, diesen Menschen wieder eine Heimat zu geben.“ Ein Akt der Humanität. Denn, so Steiner: „80 Prozent der Flüchtlinge sind traumatisiert!“

Andreas Schubert ist Vorstand des Caritasverbandes in Hannover. Er ist dankbar für die Stiftungsaktivität. Schubert weiß natürlich, dass die 30 000 Euro nur ein ganz, ganz kleiner Tropfen auf dem heißen Stein sind – die Widersprüche und Unzulänglichkeit der Flüchtlingspolitik sind offenkundig. Das Caritas-Konzept, das Schubert formuliert, ist sympathisch realitätsnah: „Wir können weder Bundes- noch Landespolitik beeinflussen: Wir nehmen statt dessen Schicksale an.“

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