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VERURTEILT: Amir M. legte ein schonungloses Geständnis ab. Anwalt Hartmut Sange forderte eine Bewährungsstrafe.

VERURTEILT: Amir M. legte ein schonungloses Geständnis ab. Anwalt Hartmut Sange forderte eine Bewährungsstrafe.
 © Foto: Wilde

Amtsgericht Hannover

Flüchtling verjubelt Sozialgeld – Haft

Amir M. (angeblich 20) hatte ein Bett in Wolfenbüttel, Hannover, Diepholz, Hildesheim und Lüneburg. Er bekam bis zu 3300 Euro netto steuerfrei im Monat. Künftig hat er ein Bett im Gefängnis. Mittwoch wurde der Mann aus dem Sudan wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

HANNOVER.  „Sie haben den Staat systhematisch betrogen; und die Hilfsbereitsschaft der Menschen verletzt“, sagte Jugendschöffenrichter Guido Janke. Unter neun Aliasnamen hatte sich der Angeklagte Geld bei den Behörden erschlichen.

Amir M. saß im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (Auswärtstrikot Confed Cup) auf der Anklagebank im Amtsgericht. „Ich liebe den FC Bayern München und die deutsche Nationalmannschaft“, sagte er. Das sei der Grund gewesen, warum er aus Frankreich nach Deutschland gekommen sei. Im Flüchtlingslager hätten ihm Landsleute erklärt, wie man das macht. Gemeint war der Sozialbetrug.

Dafür musste man auch kein Einstein sein. Manchmal im Abstand von wenigen Tagen ging Amir M. in die Landesaufnahmebehörde nach Braunschweig. Mit falschem Namen ließ er sich Kommunen oder Landkreisen zuweisen. Motto: Anderer Name, andere Kommune, neues Geld, neues Glück. Zwischen Oktober 2015 und Oktober 2016 erhielt er rund 40 000 Euro von den verschiedenen Behörden. Bei den Banken musste er sich häufig nicht mal ausweisen, wenn er den Barscheck einlöste. Die Kosten für die verschiedenen Unterkünfte, die vom Angeklagten nicht genutzt wurden, lägen bei 52 000 Euro, stellte der Richter fest. Gelebt hat er in der ganzen Zeit in einer Unterkunft in Linden-Süd.

Eins spricht allerdings für Amir M. Er hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Wo andere Angeklagte von kranken Eltern erzählen, die das Geld brauchen, ließ der Sudanese die Hosen runter. „Ich bin zwei Mal in der Woche zu Huren am Steintor gegangen“, lässt er den Dolmetscher übersetzen. Auch in Wettbüros habe er gezockt. Lediglich vier Mal habe er Geld an seine Mutter im Sudan geschickt. Alles in allem 1200 Euro.

„Im Sudan gibt es keine Bordelle oder Wettbüros. Deshalb war das Angebot in Deutschland sehr verlockend“, sagte Anwalt Hartmut Sange. Dabei vertrieb schon die Liebe Amir M. aus dem Sudan. Er habe dort seine Freundin geschwängert. Ihre Brüder hätten ihn mit dem Tode bedroht. Wie zum Beweis zog er seine blaue Trainingsjacke herunter. Die Narbe sei ein Zeugnis für einen Messerangriff.

Amir M. wirkt aufgeweckt. Im Sudan hat er zehn Jahre lang das Gymnasium besucht. Nach den Plädoyers sagte er: „Ich verspreche ein nützlicher Bürger zu sein, von dem der Staat profitiert.“ Doch dieses außergewöhnliche letzte Wort kommt zu spät. Bislang kann er nicht abgeschoben werden. Über seinen Asylantrag wurde noch nicht entschieden. Außerdem hat er keine Ausweispapiere. Mit so einer Haftstrafe im Kreuz dürfte es schwer sein, Asyl in Deutschland zu bekommen.

Richter Janke stellte sogar das Herkunftsland und das Alter des Angeklagten in Frage. „Alle persönlichen Informationen beruhen nur auf seinen Angaben.“

Seit fünf Monaten sitzt der Sudanese im Gefängnis. Dort geht man davon aus, dass Amir M. älter als 20 Jahre ist. Aus diesem Grund wurde er auch nach Erwachsenen-Strafrecht verurteilt.

Von Thomas Nagel


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