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Meine Stadt Fitnessstudio schmeißt blinden Mann raus
Hannover Meine Stadt Fitnessstudio schmeißt blinden Mann raus
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00:16 05.03.2016
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HANNOVER

Przesdzienks Sehvermögen schwindet durch eine unheilbare Nervenentzündung von Monat zu Monat. Schon als er das Studio betrat, hatte er den weißen Blindenstock dabei. Vor allem Spinning, den Ausdauersport auf einem Fahrrad, wolle er machen, sagte er damals – und hätte fast aufgegeben, als man ihm erklärte, dazu würden Filme mit Musik gezeigt. Auf seinen Einwand „Da sehe ich doch gar nichts“ soll die ihm seit Jahren bekannte Geschäftsführerin erwidert haben: „Aber du kannst doch hören.“

„Ich fühlte mich angenommen“, erzählt Przesdzienk über den Beginn. Er habe schnell rausgehabt, wie er sich im Studio orientieren müsse. So in der Art „Drei Schritte rechts, dann durch die Tür ...“. An den Kardiogeräten habe er nur bei den ersten Versuchen Hilfestellung gebraucht.

Kurz vor Ablauf des Probemonats teilte die Studioleitung Przesdzienk mit, seine Anwesenheit stelle eine zu große zeitliche Belastung für die Trainer dar. Andere Clubmitglieder hätten sich über ihn beschwert, weil er sie wiederholt um Hilfe gebeten habe. Außerdem seien versicherungsrechtliche Fragen zu klären. Noch bevor der 63-Jährige schreiben konnte, dass er eine private Haftpflicht- und eine Unfallversicherung habe, alles also kein Problem sei, sprach die Studioleitung am Telefon von Kündigung. „Sports & Spa“ schickte eine Bestätigung und bedankte sich „für die gemeinsamsame Zeit“.

Przesdzienk sucht inzwischen Hilfe beim Sozialverband Deutschland (SoVD). Dessen Sprecher Matthias Büschking ist empört: „Inklusion bedeutet auch, dass man Menschen mit Behinderung die Möglichkeit geben muss, in einem Fitness-Studio zu trainieren.“

„Sports & Spa“ lässt sich anwaltlich vertreten. Thomas Niedung von der Kanzlei Doehring versichert, Przesdzienk könne selbstverständlich trainieren – vorausgesetzt, ein anderer übernehme mit die Verantwortung wegen der vielfältigen Unfallgefahren.

„Die Begleitperson müsste während des Trainings anwesend sein, würde nicht mittrainieren und müsste auch keinen Beitrag im Studio zahlen“, heißt es. Das Angebot, als Begleitperson angenommen zu werden, habe die Frau des Behinderten allerdings abgelehnt: „Sie wollte vielmehr ihren Mann vormittags im Studio abgeben und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abholen.“

„Das ist ihr gutes Recht“, findet Büschking. Im Übrigen sei auch im Vertrag nie von Begleitperson die Rede gewesen. Der Sozialverband will jetzt landesweit prüfen, ob Inklusion für Fitness-Studios ein Fremdwort ist. Das widerspreche der UN-Behindertenrechtskonvention.

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