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Polizei

Filmreif: So lief die Festnahme des Waffennarren

Dieser Fall macht Schlagzeilen. Im tschechischen Karlsbad haben Fahnder den gesuchten Uwe Giesemann gefasst. Freitag wurden dazu neue Details bekannt. Die NP erklärt, wie die Festnahme lief.

Hannover. Das ursprünglich lange zottelige Haar ist jetzt nach hinten gekämmt und zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, vom dichten Rauschebart nur noch ein kleiner Schnurr- und Backenbart übrig. Weil die tschechische Polizei die Festnahme des Schwerverbrechers Uwe Giesemann (69) gefilmt hat, kann sich jetzt jeder selbst ein Bild von Hannovers schrägstem Kriminellen machen. Der mit Haftbefehl gesuchte Waffennarr war am Mittwochvormittag im tschechischen Karlsbad geschnappt worden (NP berichtete).

Und so hat sich alles abgespielt: Vermummte Polizisten stürmen laut schreiend auf den 69-Jährigen zu. Die Spezialkräfte drücken ihn auf dem Bauch zu Boden und legen ihm hinter seinem Rücken Handschellen an. Es gibt keine Chance zur Flucht. Dann helfen sie ihm wieder auf die Beine und führen ihn ab. Der Festgenommene scheint sich nicht zu wehren, sein Gesichtsausdruck wirkt fast teilnahmslos. An der Polizeiaktion sind laut dem tschechischen Webportal „Idnes.cz“ „Detektive des speziellen Fahndungsteams der Polizei, die sogenannten Kopfjäger“, und Kollegen der Bereitschaftspolizei beteiligt. „Die Kopfjäger fanden heraus, dass der Mann in Karlsbad lebte“, sagte die tschechische Polizeisprecherin Marketa Johnova: „Er trat unauffällig auf und erregte auch keine Aufmerksamkeit.“

Die Festnahme von Uwe Giesemann hat in tschechischen Medien für viel Wirbel gesorgt, berichtet Alexandra Mostyn, Chefredakteurin der deutschsprachigen Landeszeitung „Prag“. So titelte etwa die größte seriöse Tageszeitung „Mlada fronta dnes“: „Tschechische ,Kopfjäger‘ verhaften gefährlichen Deutschen, dessen Wohnung voller Waffen war.“ Die Zeitung „Lidove noviny“ schreibt sogar vom „König der hannoverschen Gauner“.

Auch die tschechische Polizei hält Giesemann für „sehr gefährlich“, betont Sprecherin Johnova: „Als man in Deutschland einmal versuchte, ihn festzunehmen, machte er von der Waffe Gebrauch.“ Diese Einschätzung hält die hannoversche Polizei allerdings für sehr übertrieben. „Vor über 30 Jahren hat Uwe Giesemann mal eine Waffe in der Hand gehalten, aber nicht benutzt“, sagt Sprecherin Tanja Rißland. Anfang der 80er Jahre hatte der Kriminelle mit einer Diebesbande in Hannover eine Reihe von Einbrüchen verübt und saß deswegen auch schon jahrelang im Gefängnis.

Jetzt sitzt der Schwerverbrecher in tschechischer Haft. Weil er der beschleunigten Auslieferung zugestimmt hat, ist er spätestens in 40 Tagen wieder in Hannover, so Polizeisprecherin Anja Gläser. Grund des Haftbefehls war ein riesiges illegales Waffenlager, das der 69-Jährige in zwei Wohnungen in Hannover angelegt hatte.

Hier gehts zum Video der Festnahme auf einem tschechischen Nachrichtenportal

Harald Grube


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