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Feuerwehr-Chef Claus Lange geht davon aus, dass für die rund 3700 Flüchtlinge, die zusätzlich bis Januar 2016 untergebracht werden müssen, genügend Wohnplätze gefunden werden. Foto: Dröse

Flüchtlinge

Feuerwehr Hannover richtet Notunterkünfte ein

Die Feuerwehr Hannover richtet seit kurzem im Auftrag der Stadtverwaltung federführend die Notunterkünfte für Flüchtlinge ein. 
Kein leichter Job – bis Januar 2016 müssen noch zusätzlich 3700 Flüchtlinge aufgenommen werden. Die Zeit drängt, 
doch die Feuerwehr ist gut aufgestellt, sagt ihr Chef Claus Lange im Interview mit der NP.

Hannover. Im NP-Interview erläutert Feuerwehr-Chef Claus Lange, welche Räumlichkeiten in Hannover für Flüchtlinge in Frage kommen und wie die Arbeit koordiniert wird – ohne den Brandschutz zu vernachlässigen.

Herr Lange, die Stadt hat bekanntgegeben, dass sie bis Januar 2016 weitere rund 3700 Flüchtlinge aufnehmen muss – eine Erhöhung um mehr als das Doppelte an Flüchtlingen, die sie zurzeit betreut. Ist das überhaupt zu schaffen?
Dieses Ziel ist eine Herausforderung, aber es ist zu schaffen.

Was macht Sie da so sicher?
Zum einen haben wir die Liegenschaften in Hannover. Zum anderen liefern alle, die mit der Flüchtlingsunterbringung befasst sind, eine geschlossene Teamleistung ab. Sowohl bei der Stadtverwaltung, bei Enercity, der Stadtentwässerung als auch bei uns. Alle erfüllen ihre Arbeit nicht zu 100 Prozent, sondern zu 150 Prozent. Hier wird richtig gut gearbeitet, das genieße ich sogar ein Stück.

Sie haben eben die Liegenschaften angesprochen. Nach welchen Kriterien werden die ausgesucht?
Die Vorschläge macht der Fachbereich Wirtschaft und Liegenschaften bei der Stadt, die kennen sich am besten auf dem hannoverschen Immobilienmarkt aus. Etwa 50 Gebäude haben wir uns dann gemeinsam angeschaut, darunter waren leere Baumärkte, Lagerhallen, Büros und Geschäftsgebäude, Autohäuser. Auch Hotels waren dabei. Aber die kommen eher für eine Aufenthaltsdauer von mehr als sechs Monaten in Betracht.

Nach welchen Kriterien werden diese Immobilien für eine Notunterkunft ausgesucht?
Wir schauen zum Beispiel danach, ob eine Beheizung möglich ist und ob wir unser „Dorfstrukturmodell“ umsetzen können. Können wir Waschmaschinen, Spülen, WCs und Duschen unterbringen? Ist eine Verpflegung möglich? Ebenso eine Sozialarbeit? Und dann schauen wir selbstverständlich auch nach Rettungswegen und nach Brandschutzvorrichtungen. In Frage kommen grundsätzlich nur Immobilien, die mehr als 200 Leute aufnehmen können.

Gibt es auch Ausschlusskriterien?
Wenn die Räumlichkeit kein Tageslicht hat und sie kleiner ist als 2000 Quadratmeter zum Beispiel. Und wenn wir keine Möglichkeit haben, WCs und Duschen aufzustellen. Selbstverständlich muss auch die Sicherheit gewährleistet sein. Ein ehemaliger Lebensmittelmarkt schied aus einem dieser Gründe deshalb aus.

Was ist konkret die Aufgabe der Feuerwehr bei dieser Flüchtlingshilfe?
Wir nehmen die ausgewählten Immobilien in Augenschein, koordinieren und unterstützen deren Herrichtung und übergeben sie dann an das zuständige Sachgebiet der Stadt. Mit der Betreuung und Verpflegung in den Notunterkünften ist bisher das Deutsche Rote Kreuz beauftragt worden.

Sie haben eingangs von einem „Dorfstrukturmodell“ gesprochen, das Sie bei den Unterkünften umsetzen. Können Sie das weiter ausführen?
Das haben wir entwickelt, als wir uns ganz zu Anfang Gedanken gemacht haben, wie wir die 300 Flüchtlinge in der Messehalle 21 unterbringen können. Es ist für uns selbstverständlich, dass unsere Flüchtlinge individuelle Rückzugs- und Waschmöglichkeiten haben und ihre Intimsphäre gewahrt bleibt. So kamen wir auf die Idee, mit Hilfe von Bauzäunen und Zelten so etwas wie Parzellen zu schaffen, einer Dorfstruktur nicht unähnlich.

Aktuell bereiten Sie einen leerstehenden Baumarkt in Badenstedt vor, in den diese 300 Flüchtlinge in der kommenden Woche umziehen?
Ja, das ist richtig. Im Gegensatz zur Messehalle, bei der uns nur eine Woche Zeit blieb, hatten wir hier vier Wochen. Darüber hinaus arbeiten wir an drei weiteren Projekten. Aber da ist das abschließende Urteil noch nicht gefällt.

Woher bekommt die Feuerwehr eigentlich ihre Hilfsgüter, und wer bezahlt das?
Wir suchen bundesweit bei privaten Anbietern. Engpässe gibt es inzwischen bei Dusch- und Toilettencontainern. Bislang konnten wir uns aber noch behelfen durch unser Netzwerk – und dann wird flott angerufen. Erst kürzlich waren wir nur um wenige Stunden schneller als unsere Kollegen aus einer anderen Stadt. Für unsere Ankäufe bedienen wir uns aus dem städtischen Budget für die Flüchtlingshilfe. (73 Millionen Euro sind aktuell im Haushalt für die Unterbringung bereitgestellt; Anm. der Redaktion)

Wie viele Personen kümmern sich bei der Feuerwehr um die Flüchtlingshilfe?
Da ist zunächst unser Stab, unsere Lenk- und Organisationsstelle mit knapp 20 Leuten. Personalplanung, Logistik, Einsatz, Versorgung und Beschaffung von Hilfsgütern – alles wird dort koordiniert. Bei der Herrichtung des Baumarktes in Badenstedt waren dann 100 bis 150 Feuerwehrleute im Einsatz. Wir greifen dann auch auf die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren zurück. Unsere Logistik, wie spezielle Einsatzfahrzeuge, haben wir zentral bei der Feuerwache 4 auf dem Tönniesberg zusammengezogen.

Mit anderen Worten: Die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr auch bei großen (Brand-)Einsätzen ist nicht gefährdet?
Unsere Löschzüge sind natürlich voll besetzt. Wir arbeiten die Flüchtlingshilfe ab wie einen Großeinsatz, vergleichbar mit einem Brand bei Firma XY oder der Bekämpfung von Hochwasser. Es gibt übrigens niemanden bei der Feuerwehr, der sich über diese Arbeit beschwert. Sie ist für uns selbstverständlich.

Holt sich die Feuerwehr eigentlich auch externen Rat?
Wir hören uns in unserem Netzwerk um. Ich erkundige mich zum Beispiel bei den Feuerwehrchefs in Hamburg oder München. Neulich waren Kollegen aus Peine bei uns, um sich zu informieren.

Flüchtlingshilfe durch die Feuerwehr ist also kein Hannover-Phänomen?
Bei Städten in einer Größenordnung von Hannover und darüber hinaus wäre es doch töricht von einer Stadtverwaltung, wenn sie auf die Infrastruktur ihrer Feuerwehr nicht zurückgreifen würde.

Abschlussfrage: Wie lange wird die Feuerwehr-Hilfe hier in Hannover dauern?
Solange wir gebraucht werden. Ich persönlich gehe von Frühjahr 2016 aus.

Andreas Voigt


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  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok