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Ein seit Jahren schwelender Streit hat zwei Familien vor Gericht gebracht: Familienmitglieder hatten sich vor der Grundschule ihrer Kinder geprügelt.

Justiz

Familien prügeln sich vor Grundschule

Der Streit zweier Grundschüler schwelte seit Jahren. Trotz aller Schlichtungsversuche entlud er sich schließlich in einer wüsten Prügelei der Eltern. Das Amtsgericht Hannover verhandelte am Montag wegen gefährlicher Körperverletzung. Was aber war der Auslöser?

Hannover. Um zu beweisen, wie rabiat die Attacke gewesen sein soll, kramt die Mutter des Grundschülers bei ihrer Zeugenbefragung ein Büschel angeblich ausgerissener Haare aus ihrer Handtasche. "Dann zeigen sie mal", sagt Richter Michael Siegfried, der am Montag am Amtsgericht Hannover über einen vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Streit unter Schülern urteilen soll.

Der seit Jahren schwelende Konflikt endete im vergangenen Sommer trotz diverser Schlichtungsversuche der Schule in einer handfesten Rauferei der Eltern. Der 22-jährige große Bruder eines Schülers gesteht, den 43 Jahre alten Vater des anderen Jungen mit einem wuchtigen Faustschlag niedergestreckt zu haben. Der Mann erlitt eine komplizierte Schädelfraktur und eine Hirnblutung und kam erst später im Krankenhaus wieder zu Bewusstsein. Außer dem jungen Mann sind seine Schwester (26) und seine Mutter (52) angeklagt, die die Ehefrau des zusammengeschlagenen Mannes zu Boden geschupst, getreten und auch das besagte Büschel Haare ausgerissen haben sollen. Als die Frau schildert, wie ihr Mann noch während er vom Handy aus die Polizei ruft, von dem Faustschlag getroffen wird und rückwärts auf den Boden und mit dem Kopf auf einem Gulli aufschlägt, kommen ihr die Tränen. "Ich dachte, gleich sind meine beiden Kinder ohne Vater."

Als potenziell lebensbedrohlich stuft ein Gerichtsmediziner im Prozess die Verletzungen ein, "Blow-Out-Fraktur" lautet die Fachbezeichnung. Um das zertrümmerte Gesicht des Vaters wieder zu richten, muss dem Mann ein Implantat aus Titan einoperiert werden. 90 Prozent seines Geruchssinns sind verloren. Was aber löste diese Explosion der Gewalt aus? So richtig sagen kann dies keine der beiden Familien mehr im Gerichtssaal. Auf jeden Fall gingen Mirhan und Yasin einander seit der ersten Klasse in den Pausen an, bei den Raufereien gab es auch schon einmal blutige Verletzungen. Als es im vergangenen Sommer zu der Auseinandersetzung vor der Grundschule in einem sozialen Brennpunkt der Landeshauptstadt kam, besuchten die Schüler inzwischen die vierte Klasse. Er habe Angst, alleine zur Schule zu gehen, sagte Yasin nach der Schilderung seiner Familie. Dabei war nach einem Mediationsverfahren mit der Schulpsychologin erst am Vortag erneut ein Friedenspakt mit beiden Familien geschlossen worden. Schon beim Unterschreiben aber soll einer der Väter Verwünschungen auf Türkisch ausgesprochen haben, bis zum jüngsten Tage werde er sich nicht an die Abmachung halten, die Schulverantwortlichen aber verstanden dies nicht.

Es folgte eine Rangelei vor der Schule, wegen der die Polizei anrückte, aber auch die Beamten verstanden die angeblichen Todes- und Gewaltdrohungen auf Türkisch nicht. Vor Gericht wiedergeben wollen die Beteiligten die unanständigen Vokabeln erst auf Drängen des Richters. Zu der Eskalation der Gewalt am darauffolgenden Morgen geben beide Familien vor Gericht dann unterschiedliche Schilderungen ab. Die Frau des niedergeschlagenen Mannes will notfalls auch auf den Koran schwören, dass es so wie von ihr geschildert gewesen ist - Richter Siegfried winkt dankend ab. Sie habe niemandem ein Haar gekrümmt, meint die 26-Jährige, die wie ihr als Haupttäter angeklagter Bruder im Kickboxen trainiert ist.

Beide studieren in Hannover, sie Mathematik, er Maschinenbau und Informatik. Adrett gekleidet und höflich kann man sich beide schwer als Gewalttäter vorstellen. Eher wirken die zwei wie mustergültige Beispiele gelungener Integration und der ganze Stolz der im Kleinkindalter aus Istanbul eingewanderten Mutter. Die Sorge um die Mutter, die sich das Prozessgeschehen von einer Dolmetscherin erklären lässt und ansonsten schweigt, soll am Ende Auslöser des folgenschweren Schlages gewesen sein. Auch weil die Mutter an einer Krankheit leidet, will der Sohn in dem Moment zu seinem Schlag Anlauf genommen haben, als der andere Vater seine Mutter berührt hat. Die Urteile sollten noch am Montag gesprochen werden.

 dpa


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