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Justiz

Familie klagt gegen TUI: Ist das behindertengerecht?

Eine Familie mit einem schwerbehinderten Sohn klagt gegen Tui, weil ein Ferienzimmer auf Mallorca nicht behindertengerecht war.

Hannover. Zwischen „behindertengerecht“ und „behindertenfreundlich“ ist es offenbar ein Riesenunterschied. Diese Erfahrung musste Familie Rehband aus Cloppenburg gestern machen. Sie klagte gegen die Tui Deutschland gestern vor dem Amtsgericht Hannover.

Im September 2014 war die Familie nach Mallorca gereist, mit Sohn Nikolai (31), der zu 100 Prozent behindert und auf den Rollstuhl angewiesen. In dem Ferienparadies angekommen, erlebten die Rehbands die erste Überraschung: Nikolai musste am Flughafen in den Bus gehoben werden, sein Rollstuhl passte nicht in das Fahrzeug. Der zweite Schock ließ nicht lange auf sich warten: Das Doppelzimmer war so eng, dass sich der Sohn darin nicht mit dem Rollstuhl bewegen konnte. Sein Vater musste ihn über das Doppelbett der Eltern ins Bett heben. Und der Eingang zur Dusche wurde zum unüberwindlichen Hindernis.

„Meine Mandantin hat immer wieder gefragt, ob das Hotelzimmer auch behindertengerecht sei“, erklärte Anwalt Otto Höffmann. Die Tui zahlte aus Kulanzgründen 700 Euro - verwies aber darauf, dass nur ein „behindertenfreundliches Zimmer“ gebucht worden sei. Nun forderte die Familie vor dem Amtsgericht 2076 Euro für entgangene Urlaubsfreuden und die anteilige Rückerstattung des Reisepreises in Höhe von 2491 Euro. Die Kosten für zwölf Tage Mallorca betrugen 3028 Euro.

Aber Richterin Catharina Erps meinte, dass der Familie nur 30 Prozent Reisepreis-Erstattung zustünden, also 924 Euro (abzüglich der bereits gezahlten 700 Euro). Zwar sei die Unterkunft „mangelhaft“, aber: „Sie fliegen doch nicht nach Mallorca, um die ganze Zeit im Zimmer zu verbringen.“ Einen Anspruch auf Entschädigung für entgangene Urlaubsfreuden haben Kläger nur, wenn mindestens 50 Prozent des Reisepreises erstattet werden müssen.

Anwalt Höffmann lehnte einen Vergleich ab und bestand auf einem Urteil. Die Argumentation der Richterin löste bei ihm Kopfschütteln aus: „Meine Mandantin ging davon aus, dass die vertraglich vereinbarten Anforderungen erfüllt werden.“ Sie habe immer wieder nach einem behindertengerechten Zimmer gefragt. Er vermutet, dass die Tui gar keine Behinderten als Kunden haben will. So habe das Unternehmen ihm zumindest geantwortet, man sei auf den „durchschnittlichen Reisenden eingestellt“.

Man sieht sich wieder - vor dem Landgericht.Az.: 465 C 7082/15


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