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Meine Stadt Hannover: Falsche Polizisten zocken Seniorin ab
Hannover Meine Stadt Hannover: Falsche Polizisten zocken Seniorin ab
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12:33 11.03.2018
Quelle: dpa
Hannover

Langsamen Schrittes betritt Anna Lohse (85, Name geändert) den Saal. Die Seniorin ist zu spät. Sie habe sich im Gericht verlaufen, erklärt Richter Stefan Joseph verständnisvoll.

Die ältere Dame ist das Opfer von Trickbetrügern: Am 30. Juni 2017 brachten falsche Polizisten sie dazu, 6500 Euro von ihrem Konto bei einer Laatzener Bank abzuheben. „Ich weiß nicht mehr viel“, sagt sie zu Beginn ihrer Aussage. Doch dafür konnte sie sich dann noch recht gut an den Anruf erinnern: „Der Mann war so fürsorglich.“ Er wollte sogar einen Notarzt rufen, weil sie sich am Telefon so aufgeregt hatte.

Der falsche Polizist hatte ihr gesagt, dass man einen Einbrecher dingfest gemacht habe. Der Dieb ha­be ihre Adresse dabeigehabt. Deshalb solle sie zur Sicherheit ihr Geld abheben und der Polizei übergeben. „Staatsanwalt Rosenbusch“ habe das Vorgehen genehmigt. Die Frau schöpfte auch noch ihren Dispo-Kredit in Höhe von 3500 Euro aus und legte das Geld in einen Papierkorb. In der Bank sei sie sogar gefragt worden, ob das ein Enkel-Trick sei. Die Frau verneinte das.

Der Weiße Ring erstattete ihr mittlerweile 5500 Euro zurück. Doch anfangs musste sich Anna Lohse Geld von ihrer Nichte leihen, um die laufenden Kosten zu bestreiten. „Sie hat das sehr, sehr mitgenommen“, sagt die Nichte (57).

Dem Betrugsopfer ist es sichtlich peinlich, so hinters Licht geführt worden zu sein. „Ich habe einfach gemacht, was mir gesagt wurde“ lautet Anna Lohses Begründung für ihre Leichtgläubigkeit.

Die betrügerischen Anrufe kamen aus der Türkei, geführt wurden die Gespräche aber in gutem Deutsch. Laut Anklage soll Hikmet D. (31) die Bande in Hannover koordiniert haben. Mehmet K. (35) räumte ein, dass er in einem Fall das Geld geholt habe. Sükrü B. (23) erklärte, dass er seinen Schwager Hikmet B. zweimal zum Geldabholen gefahren habe. Er habe aber nicht gewusst, worum es gegangen sei. Auf der Anklagebank sitzt auch noch Hülya B. (29).

Angeklagt sind 13 Fälle des gewerbsmäßigen Betruges. Die Bande soll dabei 130 000 Euro erbeutet haben. In einer ersten Vernehmung hatte Hikmet K. mehrere Abzocken zugegeben, aus prozesstaktischen Gründen wiederholte er sein Geständnis im Landgericht nicht.

Für Anna Lohse ist der Fall dennoch klar: „Solche Leute sollten nie wieder freikommen“, sagt sie in Richtung der vier Angeklagten.

Thomas Nagel

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