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Meine Stadt Falsche 110: So wurde eine Seniorin Opfer von Telefonbetrügern
Hannover Meine Stadt Falsche 110: So wurde eine Seniorin Opfer von Telefonbetrügern
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00:18 01.09.2017
TATWAFFE TELEFON: Frau Lindner versteht bis heute nicht, wie sie zum Opfer werden konnte. Von dem Enkeltrick hatte sie schon gehört, aber das war für sie etwas ganz neues. Fünf Monate danach kann sie wieder telefonieren, aber auch das fiel ihr die ersten Wochen schwer. Ihr Geld ist leider noch nicht wieder aufgetaucht. Quelle: Heusel
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Es war alles, was sie da hatte. 3220 Euro Bargeld lagen in der Wohnung von Henrike Lindner* (Name geändert) in einer Geldkassette. Ein Anruf im März diesen Jahres genügte, und das Geld gehörte ihr nicht mehr, „Ich hätte niemals gedacht, dass mir so etwas passieren könnte“, gesteht sie.

„Die 110 rief mich an. Da bin ich ans Telefon gegangen, weil ich mir gedacht habe, das ist wohl wichtig.“ Die Masche, mit der die Betrüger am anderen Ende der Leitung vorgehen, ist trickreich. „Die Männer sagten mir, sie wären von der Polizei und würden schon seit Tagen Streife in meiner Straße fahren, weil es dort Einbrüche gegeben habe.“ Frau Lindner erschrickt. Sie wohnt in einer friedlichen Gegend in Linden-Mitte und hat nichts von Einbrüchen gehört. Trotzdem hört sie den Männern am Telefon weiter zu. „Um ihre Wertsachen sicherzustellen, bringen wir sie zu Hauptkommissar Bach in der Polizeiinspektion West.“ Doch Kommissar Bach gibt es nicht.

Die Trickdiebe reden mit ruhiger Stimme solange auf die 79-Jährige ein, bis diese einwilligt. Sie trifft sich mit den beiden Männern vor der Haustür. „Die beiden sahen ganz normal aus – wie in Zivil gekleidete Polizisten. Ich gab ihnen die Kassette, sie bedankten sich höflich, ich machte hinter mir die Tür zu und dann, nach ein paar Minuten, machte es Klick.“ Lindner war reingelegt worden. „Ich war wie hypnotisiert. Ich verstehe bis heute nicht, wie mir das passieren könnte.“

Wenn man sich mit der 79-Jährigen unterhält, stellt man sich diese Frage auch. Lindner geht zwei Mal die Woche ins Fitnessstudio, hat sämtliche Telefonnummern ihrer Freunde und Verwandten im Kopf und hatte vorher tatsächlich schon öfter Trickbetrüger am Telefon. „Da habe ich einfach aufgelegt. Ich bin ja nicht blöd“, sagt sie und lächelt beschämt.

Die Angst vor einem Einbruch und die gespielte Autorität der falschen Polizisten waren wohl der entscheidende Faktor.  Durch einen technischen Trick taucht die Nummer 0511/110 auf dem Display auf. Fälle dieser Art häufen sich in letzter Zeit. Die Polizei gab jüngst Tipps raus,  um potenzielle Opfer zu schützen (siehe Text unten).

Leider endete bei Frau Lindner der Alptraum nicht mit dem Bargeld. „Meine EC-Karte und ein Zettel mit der PIN waren in der Box“, sagt sie ganz reumütig. 1000 Euro haben die Männer noch am gleichen Tag abgehoben. Die Überwachungsvideos wurden, einen Tag bevor sich die Kriminalpolizei um den Fall kümmern konnte, ganz regulär gelöscht. Frau Lindner konnte sich nicht schneller damit auseinandersetzen. „Ich hatte so eine Angst, dass ich das Telefon erstmal ausgesteckt habe. Wochen danach haben meine Hände noch gezittert, wenn jemand  angerufen hat.“ In den vergangenen fünf Monaten hat sich die Situation wieder etwas normalisiert. Frau Lindner hat von dem Ereignis nur ihrer Tochter erzählt. Alles andere sei ihr zu unangenehm. Telefonieren geht auch wieder, aber die insgesamt über 4000 Euro hat sie nicht wiedergesehen. Die Bank erstattet bei Selbstverschulden das Geld nicht, und die Polizei konnte die Trickdiebe noch nicht fassen.

So schützen Sie sich vor den Betrügern

Drei Männer aus Hannover im Alter von 28 und 30 Jahren nahm die Polizei am Dienstag in Hamburg-Niendorf wegen des Verdachts auf Trickbetrug fest. Die Drei gaben sich als Polizeibeamte aus und versuchten eine 80-Jährige dazu zu bringen, eine höhere Summe Bargeld von ihrem Konto abzuheben – allerdings ohne 110-Nummer. Die Frau wurde  misstrauisch und alarmierte die echte Polizei. In Zivil warteten die Beamten auf die Übergabe des Geldes und griffen dann zu.
„Die Polizeimasche kommt in Hannover sehr häufig vor“, erklärte kürzlich Monika Stadtmüller, die Vorsitzende des Seniorenbeirats.
Wie man sich schützen kann, weiß die Polizei:
Am Telefon niemals Angaben machen zu Vermögensverhältnissen, Kontoverbindungen oder anderen persönlichen Daten.
Überprüfen Sie sorgfältig Polizeiausweise.
Lassen Sie keine Fremden in ihr Haus oder ihre Wohnung.
Setzen Sie sich mit Ihrer örtlichen Dienststelle in Verbindung, wenn Sie einen Anruf von einem mutmaßlichen Polizisten erhalten haben oder wählen Sie den Notruf!

Von Jan Heemann

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