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Messerattacke

Fall Safia: Politiker fordern Aufklärung

Der Fall um das Terrormädchen Safia S. (15) hat die Landespolitik erreicht. In einer vertraulichen Sitzung des Ausschusses für Verfassungsschutz, des Innen- und des Rechtsausschusses informierten die Sicherheitsbehörden am Dienstag die Mitglieder hinsichtlich ihrer Erkenntnisse über die Jugendliche und deren islamistische Umtriebe.

Hannover. Ganz offensichtlich hatten die Behörden keine Ahnung, was die Gymnasiastin so trieb. Und das, obwohl S. schon seit ihrem siebten Lebensjahr in der radikalen Salafistenszene unterwegs war und immer wieder Internetvideos mit dem umstrittenen Prediger Pierre Vogel gedreht hatte (NP berichtete).

Dass sich die 15-Jährige am 21. Januar in ein Flugzeug gesetzt hatte und nach Istanbul geflogen war, um von dort nach Syrien zu gehen und sich der Dschihadisten-Milliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen, wussten weder der polizeiliche Staatsschutz noch der Verfassungsschutz. Am Tag nach der Ausreise von S. habe ihre Mutter sie bei der Polizei als vermisst gemeldet. Anschließend sei die gläubige Marokkanerin ihrer Tochter hinterhergereist. In der Türkei sei es ihr gelungen, die Jugendliche zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen.

Nach NP-Informationen soll die Mutter den Behörden hinterher vorgeschwindelt haben, die 15-Jährige sei nur im Urlaub gewesen. Etwas mehr als einen Monat später stach die Gymnasiastin im Hauptbahnhof einem Bundespolizisten (34) völlig unvermittelt ein Messer in den Hals. Ein Verbrechen, das nicht vorhersehbar war?

Im Ausschuss berichteten gestern die Vertreter der Sicherheitsbehörden - darunter Verfassungsschutz-Präsidentin Maren Brandenburger, der Präsident der Polizeidirektion Hannover Volker Kluwe und Axel Brockmann aus dem Innenministerium - von einem bis dato völlig unauffälligen Mädchen. Lediglich einmal sei S. polizeilich wegen eines Ladendiebstahls in Erscheinung getreten. Von einer Radikalisierung sei nichts bekannt gewesen. Zwar gebe es die zahlreichen Videos von Safia S. und Vogel, die Minderjährige habe der Verfassungsschutz aber dennoch nicht im Blick gehabt und sie sei auch wegen ihres jungen Alters in ihrer Behörde nicht gespeichert gewesen, gab Brandenburger zu. Insbesondere die Verfassungsschutz-Präsidentin musste sich nach Informationen der NP aus den Reihen der Ausschussmitglieder schwere Vorwürfe anhören.

Und es geht noch weiter. Brandenburger und die anderen Vertreter der Sicherheitsbehörden müssen am Freitag erneut vor die Ausschüsse - zu viele Fragen sind offen geblieben.

Auch den Bruder von Safia, Saleh S., hatte der Verfassungsschutz angeblich nicht auf dem Schirm. Der 17-Jährige ist vor wenigen Wochen in der Türkei verhaftet worden, weil auch er sich dem IS anschließen wollte. Zurzeit soll er im südostanatolischen Gaziantep im Gefängnis sitzen. Die Metropole liegt direkt an der Grenze zu Syrien.

Von Britta Mahrholz


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