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Der Angeklagte Ibrahim B. vor Prozessbeginn.© dpa

Justiz

Fall Jenisa vor Gericht: War es ein Rachemord?

Das Gewaltverbrechen an Jenisa ist erschütternd genug. Ungeheuerlich ist der im Prozess geäußerte Verdacht, dass die Achtjährige aus Rache getötet worden ist. Bricht der Angeklagte sein Schweigen?

Hannover. Als der Mordprozess um die vor acht Jahren verschwundene kleine Jenisa am Dienstag in Hannover beginnt, ist die Spannung im Saal trotz aller Disziplin der Beteiligten spürbar. Mit Handfesseln zur Anklagebank geführt wird der damalige Lebensgefährte von Jenisas Tante, der von Anfang an der Hauptverdächtige war, zu den Vorwürfen aber vor dem Landgericht weiter beharrlich schweigt.

Dem 44-Jährigen gegenüber sitzen die Eltern der damals Achtjährigen, die bis zum letzten Herbst, als Jenisas Skelett entdeckt wurde, die Hoffnung nicht aufgeben wollten, dass ihre Tochter noch lebt. Der Angeklagte weicht den Blicken des Paars aus und guckt nach unten.

Laut schluchzt dann die Mutter auf, als die Anklageschrift verlesen wird: Am 7. September 2007 soll der Angeklagte Jenisa unter dem Vorwand, sie zu ihren Eltern zu fahren, in sein Auto gelockt, in einen Wald gefahren, sexuell missbraucht und getötet haben. Nach nur 20 Minuten unterbricht das Gericht die Sitzung, weil die Verteidigerin beantragt hat, das Verfahren einzustellen. Frühere Ermittlungen, so ihr Argument, seien erfolglos eingestellt worden, die Justiz könne nicht erneut gegen den Angeklagten vorgehen.

In diesem Moment verliert die Mutter die Fassung und bricht zusammen. Sanitäter kommen in den Saal, ein Krankenwagen fährt sie in eine Klinik. Den Antrag weist das Gericht bald darauf zurück. Ungeheuerlich ist eigentlich schon, dass mit dem 44-Jährigen ein Mann auf der Anklagebank sitzt, der bereits für einen anderen Kindsmord verurteilt wurde. Lebenslange Haft für den Mord an dem fünfjährigen Dano in Herford lautete vor einem knappen Jahr das Urteil des Landgerichts Bielefeld.

Weil der Mann in der Haft dann Mitgefangenen den Mord an Jenisa gestanden und das Versteck der Leiche benannt haben soll, steht er nun erneut vor Gericht - und schweigt. Noch schwerer wiegt wohl das mögliche Motiv für die mutmaßliche Gewalttat an dem wehrlosen Mädchen: Rache, weil er sich als Türke immer wieder von der aus Albanien stammenden Roma-Familie seiner Ex-Partnerin gedemütigt gefühlt haben soll. So steht es in einem von den Mitgefangenen aufgeschriebenen und von dem Angeklagten unterschriebenen Geständnis.

Auch Dano hat er demnach aus Rache getötet, weil er ebenfalls zur Volksgruppe der albanischen Roma gehörte. Mit Danos Tod habe der Angeklagte die Familie seiner Ex-Partnerin bestrafen wollen, stellte die Staatsanwältin im vergangenen Jahr in Bielefeld fest. Genauso sei es zuvor mit Jenisa gewesen, sagt am Dienstag ein Nebenklägeranwalt in Hannover: Grund für die Tat sei gewesen, dass die Familie leiden sollte. Die Eltern und vier Geschwister von Jenisa sind seit der Tat in psychologischer Behandlung.

Dass das Verhältnis der Großfamilie zum Angeklagten nicht das beste war, gibt Jenisas Vater am Dienstag im Zeugenstand unumwunden zu. Eigentlich hätte man als Mann für Jenisas Tante "gerne einen von uns gehabt". Bei Konflikten des Paars habe man Gespräche geführt, sich aber nicht eingemischt. "Eigentlich mochte er uns von Anfang an nicht, weil wir Roma sind." Daraus soll sich - so die Mithäftlinge - ein regelrechter Hass entwickelt haben.

Wenn das Landgericht Hannover den Angeklagten am Ende verurteilt, liegt das Strafmaß bei einem zweiten Mord in der Summe zwar weiter bei einer lebenslangen Haft. In dem Prozess kann aber die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, was eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt. dpa


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