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Kriminologe Christian Pfeiffer.© dpa

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Interview

"Es könnte eine Beziehungstat sein"

Wieder ein Frauenmord, wieder wurde die Leiche zerstückelt - über den Fall Andrea B. sprach die NP mit dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer.

Hannover. Warum zerteilte der Täter den Körper des Opfers?

Die plausibelste Deutung ist, dass er den Mord nicht geplant hat. Möglicherweise hat er das Opfer in seiner Wohnung umgebracht. Er geriet in Panik und fragte sich, wie er die Leiche loswird. Der Täter sah nur die Möglichkeit, ihre Leiche in der Badewanne zu zerstückeln. Er packte die Teile in Taschen und transportierte sie im Kofferraum an den Maschsee. Er fuhr rückwärts ans Nordufer und warf die Leichenteile ins Wasser. So könnte es gewesen sein.

Welche Vorkenntnisse braucht ein Mörder, um eine Leiche zu zerstückeln?

Man braucht nur gutes Werkzeug. Ein scharfes Messer und eine Geflügelschere, mit der man sonst an Weihnachten die Pute zerteilt, reichen aus.

Warum sucht sich der Täter ausgerechnet den Maschsee, einen überaus prominenten und belebten Ort in Hannover aus, um die Tote zu entsorgen?

Er hatte die Vorstellung, dass die Leiche untergeht. Das Entscheidende war für den Täter aber, dass er mit dem Auto nah ans Wasser fahren konnte. Das ist am Nordufer relativ einfach. Wenn jemand zum ersten Mal eine Leiche zerstückelt hat, ist er nicht cool im Kopf, sondern er ist in Panik: Er muss die Leiche loswerden. Der Täter hatte keine Zeit, die Körperteile mit Steinen zu beschweren. Es musste schnell gehen. Dabei hat er nicht bedacht, dass Fleisch oben schwimmt.

Warum entsorgt der Täter die Körperteile in einem Gewässer und vergräbt sie nicht in einem Waldstück?

Das würde ihm zu lange dauern. Jemand, der in Panik Leichenteile loswerden muss, hat keine Zeit, sie zu verbuddeln. Möglicherweise hat er nicht einmal einen Spaten.

In den Mordfällen Monika P. und Andrea B. gibt es auffällige Parallelen. War derselbe Täter am Werk?

Nicht unbedingt. Die Fälle klingen nur ähnlich. Es würde mich überraschen, wenn es der gleiche Täter wäre. Im aktuellen Fall kann ich mir vorstellen, dass es sich um eine Beziehungstat handeln könnte. Es muss kein Liebeskonflikt gewesen sein. Es kann auch um Geld, Wut, Drogen oder eine Bedrohung gegangen sein.

Müssen wir uns auf weitere Tötungsdelikte einstellen, bei denen der Täter den Körper der Opfer zerstückelt?

Nein, ich denke nicht.

Welcher Tätertyp ist der Mörder, der Andrea B. tötete?

Ich würde mich wundern, wenn er 18 oder 19 Jahre alt wäre. Vielmehr ist er in der Altersklasse der Frau. Es war jemand, der mit ihr im persönlichen Kontakt stand.


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