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STIMMUNGSVOLLER RAHMEN: Originale und Schautafeln sind in der Villa Seligmann  gut inszeniert, inklusive Hörbeispiele.

STIMMUNGSVOLLER RAHMEN: Originale und Schautafeln sind in der Villa Seligmann gut inszeniert, inklusive Hörbeispiele.© (Alexander Körner)

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Ausstellung

Erste Ausstellung in der Villa Seligmann

Das braucht Kraft, den alten Reisekoffer in Raum vier der Ausstellung auch nur zu lupfen. 24 Kilogramm: So schwer wogen die 16 Notenbände, die Oberkantor Nathan Saretzki am 9./10. November 1938 aus der brennenden Frankfurter Hauptsynagoge rettete, unter Einsatz seines Lebens. Doch laut Talmud sollen die Heiligen Schriften nicht nur gelesen, sondern auch gesungen werden; jeder Kantor hatte seinen eigenen Stil, die Noten waren unersetzliche Schätze.

Hannover. Unter dem Titel „Heben Sie das gut auf!“ ist die gerettete Sammlung des Oberkantors jetzt im Europäischen Zentrum für Jüdische Musik zu sehen, im Rahmen der Feiern zum 20-jährigen Bestehen und erstmals in der restaurierten Villa Seligmann. „Die erste Ausstellung sollte etwas Besonderes sein“, so Andor Izsák, frisch emeritierter Musikprofessor und Institutsleiter, „deshalb die Eröffnung zum Jahrestag der Rettung.“

Auf Tafeln sind die dramatischen Ereignisse dokumentiert. Mit den Worten „Heben Sie das gut auf!“ vertraute Saretzki die Noten dem Sohn seiner katholischen Haushälterin an, bevor er in Auschwitz ermordet wurde. Hermann Baumeister rettete die Bände durch den Krieg und bewahrte sie in einem Keller auf. Als Saretzkis Sohn, der 16-jährig der Deportation entkam, 1997 in Frankfurt einen Vortrag hielt, entdeckte Luzie Baumeister die Ankündigung und nahm Kontakt auf; die Baumeisters gaben die Noten an Edgar Sarton-Saretzki zurück, der sie 1998 dem Europäischen Zentrum für jüdische Musik schenkte. Nun sind die wertvollen Unikate dort in Schaukästen zu sehen, Handschriften und Drucke, wie das Original der 18 liturgischen Psalmen von Louis Lewandowski: „Sie gehören heute zum Standardrepertoire“, sagt Izsák, „ich kann gar nicht sagen, wie gerührt ich war, als ich sie sah.“

„Orgel - der Versöhnungstag“ steht auf einer der Schriften, für Izsák ein besonderes Dokument. Denn das einzig in der Synagoge eindeutig erlaubte Instrument war der Schofar, ein Blasinstrument. Dennoch hatten etliche Synagogen in Deutschland eine Orgel: „Auf vielen Noten steht ,mit oder ohne Orgel‘“, erklärt Izsák: „Und wie das Buch hier bezeugt, wurde nicht nur am Schabbat, sondern sogar am Versöhnungstag Orgel gespielt.“

Für die gelungene Restaurierung wird die Villa Seligmann am 14. November von Ministerpräsident David McAllister mit dem „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ ausgezeichnet. Die Ausstellung ist ein guter Anlass, das Haus zu besuchen.

Bis 1. Dezember, geöffnet heute 10-13 Uhr, morgen 15-17 Uhr, sonst Di. + Do. 10-13 Uhr, zu Veranstaltungen und nach Vereinbarung Tel. 05 11/ 84 48 87-100.


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