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Bastelstunde

Er bringt die alte Eleganz zurück

Bastelstunde - die neue NP-Serie stellt in loser Folge Schrauber und Tüftler vor. Zum Auftakt: Matthias Kauder. Der 34-Jährige restauriert Fahrrad-Oldtimer in seiner Werkstatt in Linden. NP-Mitarbeiter Christian Franke hat ihn besucht.

Hannover. Jünger als 60 Jahre gefällt ihm nicht. 70, 80 oder sogar 100 Jahre alt? Die sind ihm lieber. „Weil sie danach“, sagt Matthias Kauder und meint die 50er Jahre, „vom Design her schlecht wurden. Man spürt den Pionier- und Erfindergeist nicht mehr.“ Der 34-Jährige spricht von Fahrrad-Oldtimern. Die restauriert der Mann, der mit Tattoos, Schnauzer und Schiebermütze an eine Mischung aus Rockabilly-Star und 20er-Jahre-Lebemann erinnert, in seiner eigenen Werkstatt.

Vor etwa drei Jahren fing Kauder an. Seit Mai hat er mit seiner Firma, die Blitz-Compagnie heißt, alte Lagerräume an der Davenstedter Straße zur Werkstatt umfunktioniert: „Hier war alles nackt, ungestrichen. Ich musste erst mal 400 Bohrlöcher verschließen.“ Seitdem bringt er hier die vergangene Eleganz der alten Räder wieder zum Vorschein.

Fast jeden Tag ist der Lindener in der Werkstatt. Oft von acht Uhr bis Mitternacht. Ansonsten? Nicht viel: „Fahrrad, Fahrrad, Fahrrad.“ Kauder macht nicht den Eindruck, als würde er das schlimm finden.

Genug zu tun hat er jedenfalls. So um die 70 Projekte sind es zurzeit, schätzt er. Nicht alles komplette Räder zwar, aber trotzdem. Der 34-Jährige kann ja auch eine Menge. Zitat von seinem Flyer: „Oberflächenaufarbeitung & Konservierung; Lackierung & Linierung; Lederarbeiten; Rahmenbau, Reparaturen & Richtarbeiten; künstliche Patinierung; Ätztechniken; Technikwartung & Instandsetzung; Drehen; Fräsen & Lasern; Hartlöten & Schweißen; Nachfertigung von Ersatzteilen; Galvanisierung; Laufradbau.“ Er mache halt „immer so tausend Sachen“. Dass er deutschlandweit wohl der Einzige ist, der historische Räder aufarbeitet, bringt eine Menge Aufträge. Wer ein altes Rad im Keller hat und es zur Komplettrestauration bringt, muss sich gedulden. Wartezeit: ein Jahr. Ganz schön viel zu tun für den gebürtigen Kölner, der allein schraubt und sich das Handwerk selbst beigebracht hat, als er vor Jahren mal in einer Fahrradwerkstatt arbeitete. Vor der Blitz-Compagnie war Kauder mal fünf Jahre Tätowierer, hat in der Glocksee am Tresen und in der Technik gearbeitet und Rock-’n’-Roll-Klamotten bei Ebay verkauft und wollte Künstler werden. Nur nahm ihn die Kunsthochschule in Braunschweig nicht: „Ich war denen nicht formbar genug.“ Wie sah denn seine Kunst aus? „Finster wars, eher Surrealismus.“

Stattdessen also Räder. Begonnen hat der 34-Jährige damit, als seine Freundin an ein 50er-Jahre-Damenrad kam und es reparieren wollte. „Fertig ist es bis heute nicht“, grinst Kauder, „aber sie fährt jetzt ein schöneres.“ Trotzdem: Er war „der Faszination erlegen“. Inzwischen kommen Kunden und Räder aus ganz Deutschland und dem nahen Ausland: „Viel läuft auf dem Postweg.“ Aber immer mal wieder findet ein Erbe das Rad der Oma im Keller und bringt es in die Blitz-Compagnie. Manche wollen dann, dass das Rad wieder fahrbereit gemacht, andere, dass der Status quo beibehalten wird. Wieder andere, wie Museen, möchten, dass es so aussieht, als käme es gerade aus der Fabrik.

Die Herausforderung für Kauder ist, dass jedes Rad anders ist. „Die Geschichte der Normierung ist kurz“, sagt er. Gerade in seiner Lieblingszeitspanne zwischen 1880 und 1920 baute jeder Hersteller auf seine Art. Für den Schrauber bedeutet das, viel auszuprobieren - gerade deswegen aber auch viel Spaß.

Was für einen Klassiker fährt er eigentlich privat? Matthias Kauder grinst: „Ich habe das schlimmste Fahrrad, das es gibt. Einen Erich Möller aus den 80ern, eine ganz schlimme Schlurre“, sagt er, „Kundenaufträge gehen vor.“

www.blitzrad.de


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