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Hier, am Hohen Ufer, soll der Angeklagte die Abiturientin 2006 vergewaltigt haben.

Hier, am Hohen Ufer, soll der Angeklagte die Abiturientin 2006 vergewaltigt haben.

Landgericht Hannover

Endloser Prozess um Vergewaltigung am Hohen Ufer

Er soll am Hohen Ufer in Hannover eine Abiturientin vergewaltigt haben. Nach zwei Jahren und sieben Monaten Untersuchungshaft erwartet Sebastian P. jedoch nur noch eine geringe Reststrafe.

Von Thomas Nagel

Hannover. Den Platz auf der Anklagebank kennt Sebastian P. (34) bestens. Allerdings war es gestern doch eine Premiere. Erstmals durfte der polnische Handwerker neben seinem Anwalt, Jürgen Meyer, Platz nehmen. Bei bisherigen Verhandlungen saß er noch hinter seinem Verteidiger, weil er sich in Untersuchungshaft befand.

Gestern begann der Vergewaltigungsprozess Hohes Ufer zum mittlerweile sechsten Mal. Sebastian P. soll eine Abiturientin in der Nacht des 20. Juli 2006 am Hohen Ufer, Höhe Marstall, vergewaltigt haben. 2008 war er wegen dieser Tat zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil jedoch wegen eines Verfahrensfehlers auf (NP berichtete). Wegen weiterer juristischer Pannen wie fehlenden Gutachten und einem falsch besetzten Schöffen wurde der Prozess mehrfach ausgesetzt.

Wie in den bisherigen Verhandlungen schwieg P. gestern. Richterin Renata Bürgel verlas dafür einen Brief, den der Angeklagte dem Gericht 2007 hatte zukommen lassen: Darin schreibt er, dass er sich an den 20. Juli 2006 nicht erinnern könne. Er habe mit Landsleuten viel Wodka getrunken, zwei Aufputsch-Tabletten eingeworfen, dann einen Filmriss erlitten.

In dem Brief räumt der Handwerker ein, dass die „Lage auf Grund der Beweise sehr ungünstig“ für ihn sei. So wurde bei dem Opfer eine DNA-Spur von P. gefunden. Eine Phantom-Zeichnung, die nach der Vergewaltigung angefertigt wurde, weist große Ähnlichkeit mit ihm auf. Und im Raum Osnabrück wurde ebenfalls wegen Vergewaltigung gegen ihn ermittelt.

Bei einem Geständnis hätte P. mit Strafminderung rechnen können – doch der Angeklagte wollte nicht gestehen. Da er bereits zwei Jahre und sieben Monate in Untersuchungshaft gesessen hat, erwartet ihn höchstens eine Reststrafe von zwei Jahren und fünf Monaten. Davon müsste er neun Monate absitzen, könnte dann vorzeitig auf Bewährung entlassen werden.


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