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Meine Stadt Ende eines Experiments: Gartenhaus geräumt
Hannover Meine Stadt Ende eines Experiments: Gartenhaus geräumt
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23:23 30.09.2010
Die Polizei brauchte bei der Räumung nicht einzugreifen – es blieb friedlich. Quelle: B. Behrens

Hannover. „Eine Ära geht zu Ende“, sagt Kuno (37) von Trebe e.V., einem Verein von und für Obdachlose, „hier in Hannover gibt es immer weniger Angebote für Menschen auf der Straße.“ Da sei das Gartenhaus eine gute Chance auf Hilfe zur Selbsthilfe gewesen.

Ein soziales Experiment war es schon seit der Besetzung 1976. Damals wie heute ging es aber auch um den Erhalt des denkmalgeschützten Hauses. Erhalt und Nutzung sollten eine Einheit bilden. Ideen und Konzepte gab es viele. Und ebenso viel Streit darum.

Zuletzt ging es um einen selbstorganisierten Treff für Obdachlose, speziell für jene, die mit Angeboten der Wohlfahrt wenig anfangen können. Die lieber auf eigenen Füßen stehen als zur Fürsorge zu gehen. „Warum darf die Armut ihre Hilfe nicht selbst organisieren?“, fragt Kuno.

Zwei Jahre hatten sie Zeit, so lange hatte das Land von der 2008 angekündigten Räumung abgesehen. So lange wurde hinter den Kulissen nicht nur um Konzepte, sondern auch um deren Umsetzung und Finanzierung gerungen. Gestern lief die Frist ab.

Wieder wurde lange debattiert, der Gerichtsvollzieher wollte keine Eskalation. Um halb zehn die Entscheidung: Alles muss raus. Die Bewohner sollten ihre Sachen zusammenpacken und das Haus verlassen. Rund 20 Polizisten waren da, um ihnen notfalls zu helfen. Das brauchten sie nicht. Alles blieb friedlich.

„Es ist ein Unding, die Leute bei so einer Kälte auf die Straße zu setzen“, schimpft Linken-Ratsherr Luk List. „Unmenschlich“, meint auch Zaungast Björn Fuchs. Doch Dirk Malsch, Ex-Vorstand der früheren Bürgerinitiative des Gartenhauses, hält die Obdachloseninitiative für ein „potemkinsches Dorf“. „Alles nur Kulisse“, bezweifelt er die ernsthaften Absichten. Wie viele Nordstädter hofft er aber, dass das Gebäude erhalten bleibt. „Wenn das Haus im Winter leersteht, muss man mit dem Abriss rechnen“, meint Konstantin Nicolaides, Sprecher der Nutzer.

Karsten Pilz, Sprecher der für die Liegenschaft zuständigen Oberfinanzdirektion, betonte gegenüber der NP: „Es wird dafür gesorgt, dass das Haus nicht weiter verfällt, falls es nicht zügig verkauft wird.“ Es gebe bereits ernsthafte Interessenten. Wohl auch ein Grund für die Räumung. kra/ben

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