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Peter Sandmann aus Linden arbeitete vor allem freiberuflich und konnte kaum vorsorgen – jetzt lebt er auf Hartz-IV-Niveau.

Peter Sandmann aus Linden arbeitete vor allem freiberuflich und konnte kaum vorsorgen – jetzt lebt er auf Hartz-IV-Niveau.
 © Behrens

Rente

Ein Rentner berichtet: 409 Euro im Monat zum Leben

Ein Wechsel zwischen Selbstständigkeit und neuen Jobs. Peter Sandmann ist in die Armutsfalle Rente getappt. Was das für sein Leben bedeutet und was er sich noch gönnen kann, erzählt er hier.

Hannover.  „Doch, ich mache das Beste daraus. Ich muss ja auch keine Kreuzfahrt mehr machen“, sagt Peter Sandmann (73). Der Rentner hat fast sein ganzes Leben gearbeitet, lebt aber auf Hartz-IV-Niveau. In Zahlen: 409 Euro. Zwar bezieht er eigentlich 667,79 Rente – was auch nicht gerade viel ist, aber mit Miete für die kleine Wohnung in Linden, Nebenkosten und Krankenkassenbeiträgen würde er ins Minus geraten.

Deswegen erhält er eine Aufstockung, die aber gegen die Rente – und jährliche Rentenerhöhungen – aufgerechnet wird. Bleiben immer 409 Euro zum Leben. „Genauso viel wie der Bankräuber, der 30 Jahre gesessen, nichts eingezahlt und nichts für die Gesellschaft getan hat“, wie Sandmann kürzlich gelesen hat. Und der jetzt eben auch diese Grundsicherung als Rente erhält. Das wurmt Sandmann schon: „Ich war nie kriminell, ich habe ja noch richtig arbeiten gelernt.“

Das war Anfang der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre, als seinem Onkel und später dem Vater der Friseurladen im Hauptbahnhof gehörte. „Die Polizeibeamten vom Revier Herschelstraße haben für eine Mark einen Haarschnitt ge­kriegt“, erzählt Sandmann und lächelt, „mein Vater hat wohl gedacht, dass die ihm dafür keine Strafzettel geben. Doch die haben ihm trotzdem ’ne Lampe rangehängt.“

Der Junge tritt in die Fußstapfen des Vaters, beginnt mit 17 Jahren eine Lehre als Friseur: „Ich habe in Peine gelernt und in Hamburg meinen Meister gemacht.“ Er jobbt zwischendurch in England, wo seine Schwester lebt, ist an einer privaten Friseurfachschule bei Detmold tätig und arbeitet na­türlich im väterlichen Betrieb: „Alles, um mal den Friseurladen zu übernehmen.“

Doch der Bau des U-Bahn-Tunnels macht ihm einen fetten Strich durch die Rechnung. Peter Sandmann ist 26 Jahre alt, als der Laden 1971 dichtmachen muss. Ob sein Vater von der Bahn Geld bekommen hatte, um sich etwas Neues aufbauen zu können, weiß Sandmann nicht: „Mein Vater sagte damals nur zu mir: ,Sieh zu, dass du das hinkriegst.’“ Da hatten sich seine Zukunftsträume zerschlagen. Peter Sandmann ist sich sicher: „Das war schon ein Einbruch in meinem Leben.“

Sandmann heiratet das erste Mal. „Ich war dreimal je sieben Jahre verheiratet“, die fünf Jahre ältere erste Frau bringt drei Kinder mit in die Ehe. Weil er kein Geld für ein eigenes Geschäft hat, sich nicht dafür verschulden will und selbst als Friseurmeister unterbezahlt wird, beginnt er als Freiberufler im Außendienst. Denn es gilt eine Familie zu versorgen. Versicherungen verkaufen sich mehr oder weniger gut, für Sozialversicherungsbeiträge reicht es nicht immer. „Und auch wenn ich gut verdient habe, habe ich nicht immer einbezahlt. Das war sicher ein Fehler“, gibt er heute zu.

Ein weiterer: „Ich war schlecht zu halten“, um­schreibt er, warum seine Ehen auseinandergingen. Vor allem die zweite Gattin gibt ihm offensichtlich festen Halt: „Ein Haus in Bothfeld, ein richtig guter Job im mittleren Management, ich konnte drei Reisen jährlich machen.“

Doch auch hier ist nach sieben Jahren Schluss, 1988 eröffnet er eine Kneipe am Vahrenwalder Platz. Wieder selbstständig, wieder keine private Vorsorge, Ehe Nummer drei, das Ende, Selbstständigkeit und dann mit 57 Jahren doch noch die Arbeitslosigkeit: „Ich bin jeden Monat zum Arbeitsamt gelaufen. Da sagte mir der Sachbearbeiter, dass ich ohnehin keine Arbeit mehr kriegen würde, ich sollte die 58er Regelung in Anspruch nehmen.“ Sandmann macht das tatsächlich, das böse Erwachen kommt mit einem Brief der Rentenversicherung: „Für jedes Jahr, das ich früher in Rente gegangen bin, gab es drei Prozent Abzug. Sieben mal drei macht 21 Prozent. Deswegen muss ich jetzt aufstocken.“

Von seinen 409 Euro, die Peter Sandmann zum Leben hat, zahlt er noch die Stadtwerke, Telefon und sein Neue-Presse-Abo: „Wir haben in der Familie schon immer die Presse gehabt, das ist mein einziger Luxus, den ich mir leiste.“ Er raucht nicht, er trinkt nicht, er kocht meist selbst – möglichst gesund.

Seine Tage verbringt der Umweltfreund mit „dem Kampf gegen Plastikmüll“, mit viel Fernsehen und Zeitunglesen. Kleidung hat er noch aus alten Zeiten, „ich habe die Schränke voll“. Bei allem Pech, das s er im Leben hatte, hat er das Glück, gute Gene zu haben: „Ich passe noch in meine alten Sachen.“ Neue Kleidung könnte er sich von 409 Euro monatlich auch kaum leisten.

Von Petra Rückerl


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