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Hannover, 13.01.2017: Besuch bei dem einzigen männlichen Entbindungspfleger in Hannovers  Henriettenstift. Melchiorre Messina hilft Sandra Mejza mit Tochter Lena   Foto: Michael Wallmüller

ER LIEBT SEINEN JOB: Melchiorre Messina arbeitet im Henriettenstift als männliche Hebamme. Ein Job, den er mit viel Liebe macht. Sandra Mejza und ihre Tochter Lena hatten kein Problem damit, dass ein Mann sich um sie kümmert.© Michael Wallmueller

Hannover

Ein Mann als Hebamme: „Mama ist stolz auf mich“

Ein Italiener zeigt, dass diesen Job auch Männer können: Melchiorre Messina arbeitet als Hebamme im Henriettenstift. Er sagt: „In Italien nichts Ungewohntes.“ Hier schon: Messina hat bundesweit nur fünf Kollegen.

Hannover. Auch der „Girls’ Day“ schafft es seit Jahren nicht. Die Geschlechterrollen auf dem Arbeitsmarkt bleiben relativ klar verteilt. Und so gehen noch immer fast ausschließlich die Männer auf den Bau, während die Frauen etwa Erzieherinnen oder Hebammen werden. Hannover bildet da keine Ausnahme.

Doch es gibt diesen Mann: Melchiorre Messina (29). Seit Anfang Mai arbeitet er im Henriettenstift. Der 29-Jährige ist Italiener, ein waschechter Sizilianer: „Mein Vater ist Ingenieur, mein Bruder Krankenpfleger und ich eben Hebamme. Meine Mama ist sehr stolz auf mich!“ Damit ist der Italiener Hannovers sowie Niedersachsens einzige männliche Hebamme. Entbindungspfleger ist der korrekte Begriff. Und mit diesem Job ist Messina auch bundesweit ein echter Exot. Nach Auskunft des Deutschen Hebammenverbandes gibt es aktuell lediglich sechs Männer in diesem Beruf. Messina gelassen: „Ich bin es gewohnt, dass ich meist nur von Frauen umgeben bin. Es gibt ja auch Schlimmeres.“ Insgesamt zählt der Verband bundesweit rund 21 000 Hebammen. Allerdings hilft nur noch ein Bruchteil von ihnen den Babys auf die Welt. Die allermeisten bieten Geburtsvorbereitungskurse an oder begleiten die Frauen im Wochenbett.

Melchiorre Messina versucht gar nicht erst, die bessere Frau darzustellen. Er ist durch und durch ein Mann. Einer, der seinen Job liebt, das wird sofort deutlich. Den ganzen Wirbel um seine Person verstehe er nicht: „In Italien ist es nichts Ungewöhnliches, dass Männer Hebammen sind. Viele machen das. In meinem Heimatort gibt es ein Krankenhaus, in dem fast genauso viele Männer Hebammen sind wie Frauen. Das ist in Deutschland völlig anders.“ Die Liebe zu Kindern habe ihn dazu gebracht: „Ich finde Kinder einfach toll, möchte selber mindestens drei eigene haben. Neun Nichten und Neffen habe ich schon. Ich habe jede Menge Erfahrung.“

Dass der Beruf der Hebamme in seiner Wahlheimat ein typisch weiblicher ist, versteht Melchiorre Messina nicht: „Es gibt ja auch Männer, die Gynäkologen sind. Um diesen Job gut zu machen, ist es doch nicht Voraussetzung, selber schon ein Kind geboren zu haben.“ Doch nur selten ist er im Alltag mit Vorurteilen konfrontiert. „Es kommt fast nie vor, dass eine junge Mutter mich ablehnt und eine weibliche Hebamme verlangt. Und wenn, dann sind es meist muslimische Frauen“, sagt er. Verletzt ihn diese Ablehnung? „Nein. Ich bin halt keine Frau, da kann ich nicht mehr machen als eine Kollegin holen.“ Dabei seien es die älteren Hebammen gewesen, die dem jungen Italiener anfangs mit Skepsis begegneten, verrät die Stationsleitung Katrin Funk: „Aber inzwischen haben hier alle bemerkt, was für eine tolle Hebamme dieser Mann ist.“

Melchiorre Messina arbeitet gern in seinem Team, wenn es nach ihm geht, möchte er sehr lange bleiben. Er sei nicht die bessere Hebamme, weil er ein Mann ist. Aber eben auch nicht die schlechtere. Nur bei einer Sache sei er klar im Nachteil: „Wenn es ums Stillen geht. In Italien hat das keinen großen Stellenwert, ich selber habe das ja auch noch nie gemacht. Da bin ich dann ganz froh, wenn die Mütter nach meinen Kolleginnen verlangen.“


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