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Meine Stadt Hannover: Vier Infektionen - Arzt verklagt
Hannover Meine Stadt Hannover: Vier Infektionen - Arzt verklagt
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00:17 08.02.2018
Hannove, , Landgericht  Quelle: Frank Wilde
hannover

 Lächelnd zeigt sich der Orthopäde (56) aus Hannover mit sechs Arzthelferinnen auf seiner Homepage. Doch an den Namen der Helferin ganz links auf dem Foto kann sich der Facharzt nicht erinnern. So hat er es im Landgericht ausgesagt. Eine von mehreren Ungereimtheiten in der Aussage des beklagten Arztes.

Die 19. Zivilkammer um Richter Karsten Fischer kümmerte das nicht. Sie wies am Montag die Klage von Gerd Meier (56, Name geändert) ab. „Wir hatten Restzweifel an der Aussage des Klägers“, begründete der Richter das Urteil.

Der Kläger hatte glaubhaft von schweren Hygiene-Fehlern während der Behandlung berichtet. Der Arzt konnte sich an den konkreten Vorfall nicht mehr erinnern. Meinte aber, dass die Hygiene-Standards eingehalten worden seien.

Am 11. April 2014 hatte Gerd Meier eine Hyaluron-Spritze ins Kniegelenk bekommen. Der Patient trug eine Infektion mit multiresistenten Keimen von der Behandlung davon. Vier Operationen waren nötig, um Gerd Meier wieder auf die Beine zu helfen. Nun hat der ehemalige Fußballer eine starke Arthrose im rechten Knie. Er forderte 15 000 Euro Schmerzensgeld.

Der Patient ist fassungslos über das Urteil. Er meint, dass der Arzt mehrfach vor Gericht gelogen habe. So konnte er sich nicht an den Namen der Arzthelferin erinnern. Dabei steht sie lächelnd auf der Homepage der Praxis neben ihm. Noch schwerwiegender: Am 19. Mai 2014 trug der Arzt in die Patientenakte ein, dass Gerd Meier unter einem „fluriden Zahndefekt“ gelitten habe. Die Patientenakte rückte der Arzt erst auf Druck des Gerichts aus.

Aus Sicht des Patienten hat der Arzt in zweifacher Weise gelogen: „Ich war am 19. Mai 2014 nicht in seiner Praxis.“ Und: Von seinem Zahnarzt habe er es schriftlich, dass er zu diesem Zeitpunkt kein Zahnleiden gehabt habe. Aus diesem Grund wollte Gerd Meier eine weitere Beweisaufnahme mit Zeugenvernehmung. Diese Chance hat ihm das Gericht genommen.

Gerd Meier ist einer von vier Patienten, die den Arzt verklagt haben. Immer ging es um Infektionen bei Knie- oder Hüftgelenken mit multiresistenten Keimen. Zwei Infektionen passierten in 2012, zwei in 2014. Angesichts eines statistischen Infektionsrisikos von 1:35 000 Euro bei einer lege-artis-Behandlung eine viel zu hohe Quote. Meier: „Ich lege Rechtsmittel ein.“

Von Thomas Nagel

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