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Meine Stadt Hannover: Eilenriedebeirat will mehr Gehör
Hannover Meine Stadt Hannover: Eilenriedebeirat will mehr Gehör
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16:02 07.12.2018
Vorsitzender Gerd Garnatz. Quelle: Nigel Treblin
Hannover

Immer wieder kommt es zu Konflikten mit Politik und Verwaltung, weil die Argumente des Eilenriedebeirats kein Gehör finden. Zuletzt bei der Erweiterung der Inliner-Stecke in der Eilenriede, die vom Gremium einstimmig abgelehnt worden war. Dessen Vorsitzender Gerd Garnatz appelliert im NP-Interview für eine bessere Zusammenarbeit.

Herr Garnatz, fühlen Sie sich mit dem Eilenriedebeirat von der Politik eigentlich noch ernst genommen?

Nicht sehr. Es ist ja nicht so, dass wir glauben, immer recht zu haben. Aber wir haben den Eindruck, dass man sich mit unseren Argumenten gar nicht richtig auseinandersetzt. Die SPD war in der Diskussion um den Ausbau der Inline-Strecke nicht bereit, auf unsere Argumente einzugehen, sondern bügelte das Ganze nur mit der Begründung ab, sie hätten ja wunderbare Ausgleichsmaßnahmen geschaffen.

Im Beirat sind neben Fachleuten auch die Ratsparteien vertreten. Hätten Sie sich nicht gerade von den Grünen und der SPD, die doch eigentlich für Naturschutz stehen, mehr Unterstützung erwartet?

Auf jeden Fall, insbesondere von den Grünen. Da ist aber offensichtlich der Sportflügel stärker als der Naturschutzflügel. Es gibt da einen starken Ratsherren, der dort sehr erfolgreich agiert. Und bei der SPD hab ich das Gefühl, dass die in Umweltschutzthemen nicht sonderlich bewandert ist. Und sie läuft den Grünen in Waldangelegenheiten immer hinterher. Ich habe nicht den Eindruck, dass die SPD ein echtes Waldschutzprofil hat.

Andersherum betrachtet: Ist der Beirat in manchen Punkten nicht doch etwas betriebsblind?

Ich weiß, dass wir schnell in diese Ecke gedrängt werden, sport- und möglicherweise auch jugendfeindlich zu sein. Weil wir immer sehr stark den Naturschutzgedanken hervorheben. Aber das hängt damit zusammen, dass die Eilenriede eine sehr begrenzte Ressource ist, die man nicht beliebig ausdehnen kann. Und deren Nutzung auch nicht ins Unbegrenzte ausgedehnt werden sollte. Es kann nicht sein, dass für nicht sehr große Interessengruppen immer wieder irgendwelche Sondereinrichtungen geschaffen werden. Insbesondere beim Mountainbike-Platz in der Eilenriede hat uns die Planung regelrecht eingemauert. Sie hat von vornherein ausschließlich den Standort Eilenriede im Visier gehabt und jede Option außerhalb des Waldes ausgeschlossen. Wir sind ja nicht gegen Mountainbiking, wir sind allerdings gegen Mountainbiking in der Eilenriede. Weil dieser Wald eben so begrenzt ist. Und weil in diesem Wald die unterschiedlichsten, sich gegenseitig widersprechenden Nutzungen stattfinden müssen.

Bei der Besetzung des Beirats fällt ein gewisser Altersunterschied zu den politischen Gremien auf. Spiegelt sich hier vielleicht auch ein Generationenkonflikt wider?

Dem würde ich nicht widersprechen. Und ich würde mir auch wünschen, dass die im Beirat vertretenen Gremien und Organisationen junge Mitglieder entsenden würden. Man könnte auch über eine Altersgrenze nachdenken, beispielsweise mit 80 Jahren als absolutes Limit.

Konflikte zwischen Beirat und Stadt gab es früher schon, denkt man an die Kompetenzstreitereien mit dem früheren Umweltdezernenten Hans Mönninghoff, übrigens ja auch ein Grüner.

Mönninghoff war aber ein Klarer. Innerhalb gewisser Grenzen konnte man mit ihm gut kooperieren.

Damals haben Sie natürlich als Forstbetriebsleiter auch noch ein bisschen auf der anderen Seite gestanden. Wie stellen Sie sich heute als Vorsitzender des Eilenriedebeirats eine künftige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung vor?

Ich wünsche mir ein Gremium, das mit anderen Gremien diskutieren und mit diesen auch gegensätzliche Positionen austauschen würde. Ich würde gerne einer Einladung des Umweltausschusses folgen, wenn ich sie denn bekäme, und dort die Argumente vortragen und die Gegenargumente zur Kenntnis nehmen. Stattdessen zieht die Ratsmehrheit das par Ordre du Mufti durch – weil wir eh die Mehrheit haben, oder weil der senile Eilenriedebeirat, ich bin jetzt mal ein bisschen polemisch, dieser Rentnerverein uns nicht interessiert.

Ein Plädoyer für einen Sitz des Eilenriedebeirats im Umweltausschuss? Notfalls ohne Stimmrecht?

Ich würde auch für einen Sitz mit Stimmrecht plädieren (lacht). Das wäre eine Möglichkeit. Wir könnten auch regelmäßig in die Bezirksräte gehen und dort auf Probleme hinweisen. Der Beirat ist ein bisschen ein zahnloser Tiger. Das ist aber scheinbar gewollt. Wir sind ja auch nicht für alle Wälder zuständig. Warum ist der Beirat nicht für die Mecklenheide zuständig und für das Ricklinger Holz? Nur zwei Beispiele, es gibt natürlich noch viel mehr Wälder im Stadtgebiet. Diese Wälder sind genauso wichtig. Gnädig hat man uns erlaubt, den Kronsberg mit zu beobachten. Auch das steht ja schon nicht mehr in der Satzung. Eine etwas bessere und sauberere Rechtsgrundlage wäre wünschenswert.

Von Andreas Krasselt

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