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Justiz

Eifersuchtsdrama vor Gericht

„Dann hätte ich gern mal Ihren Führerschein.“ Äußerlich bleibt der Angeklagte Arbo H. ruhig. Doch als der 48-Jährige die kleine Plastikkarte mit der rechten Hand zum Richtertisch reicht, ist sein Gesicht knallrot.
Wenige Minuten zuvor hat Amtsrichter Koray Freudenberg den Hannoveraner wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilt. Strafmaß: Neun Monate Haft (auf Bewährung) und mindestens zwölf Monate Führerscheinentzug.

Hannover. Außerdem muss der ehemals selbstständige H., der nach eigenen Angaben von Hartz IV lebt, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Urteil entspricht dem Antrag der Staatsanwältin. Die attestiert dem Angeklagten: „Nicht geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen.“

Gut drei Stunden wird im Saal 2186 des Amtsgerichts Hannover gegen den mehrfach vorbestraften Arbo H. verhandelt – weil er 2014 in Hainholz seinen blauen 5er-BMW als Waffe benutzt hat. Mit „Vollgas“, so Zeuge und Opfer Suher N. (36), sei der Angeklagte auf dem Außengelände einer Autowerkstatt über seinen linken Fuß gefahren.

Weiteres Opfer des heftigen Streits an der Schulenburger Landstraße war H.s ehemalige Mitarbeiterin und Ex-Lebensgefährtin Mariam A. (43) aus Neustadt. Sie erlitt bei dem Tumult eine Lendenwirbelprellung, einen Bruch der rechten Schulter – und büßte sechs künstliche Fingernägel ein.

Die gelernte Bürokauffrau hatte einige Jahre für den Angeklagten, einen verheirateten Vater von vier Kindern, gearbeitet. Arbo H. hatte nach eigener Aussage zu der Zeit drei Spielhallen, zwei Sisha-Bars und einen Imbiss betrieben. Über seiner Langenhagener Sisha-Bar habe es eine Einzimmerwohnung gegeben – „da haben wir gewohnt“. Richter Freudenberg hakt nach: „Sie hatten Familie und eine Freundin?“ H. entgegnet: „Ja.“
Eifersucht soll das Motiv für die Angriffe mit Fäusten und Fahrzeug gewesen sein – wobei der am Fuß verletzte Suher N. eher zufällig zum Opfer wurde. Einige Zeit nach der Trennung war Arbo H. zu der Hainhölzer Werkstatt gefahren, auf deren Gelände er seine Ex und deren vermeintlichen neuen Freund, Akram A. (33) aus Berenbostel, traf.

„Wer hat zuerst zugeschlagen?“, fragt der Richter Opfer und Zeugin Mariam A. „Er“, antwortet die 43-Jährige und zeigt mit langen, überwiegend rotlackierten Fingernägeln auf den Angeklagten. Der wippt in seinem Sessel hin und her, dreht den Kopf so weit wie möglich nach rechts, weg von der Ex. „Es sollen auch Beleidigungen gefallen sein“, sagt Freudenberg. „Ja, normal“, meint Mariam A. und fügt hinzu: „Es war die Hölle, wie im Krieg.“


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