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Meine Stadt Ehepaar Niedergerke hilft Obdachlosen
Hannover Meine Stadt Ehepaar Niedergerke hilft Obdachlosen
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09:30 22.10.2018
Das war eins ihrer Projekte: Die Ausstellung „Mein Hannover – Menschen ohne Wohnung fotografieren ihre Stadt". Hier sind Ricarda und Udo Niedergerke bei der Ausstellungseröffnung im Neuen Rathaus zu sehen. Quelle: Foto: Dröse
Hannover

Ohne sie läuft vieles nicht in Hannover. Oder es wäre für viele noch schlechter. Das gilt vor allem für jene, die ohnehin keine Lobby haben: obdachlose und wohnungslose Menschen. Dem Ehepaar Ricarda und Udo Niedergerke sind diese Menschen nicht gleichgültig, die beiden Ärzte im Ruhestand haben vor zehn Jahren eine Stiftung gegründet, mit deren Erträgen sie Menschen helfen können, die keine so guten Chancen im Leben hatten.

Ricarda Niedergerke (seit Kurzem 75), Gynäkologin. Udo Niedergerke (noch 75), Internist. Sie Protestantin, aufgewachsen in Osnabrück, er Katholik, aufgewachsen in Münster. Dort lernten sich die angehenden Mediziner im Jahr 1966 kennen; und im Präparierkurs in der Anatomie lieben. Klingt ungewöhnlich. Aber nicht für Medizinstudenten. „Mein Mann war ein paar Semester weiter, er war wissenschaftlicher Hilfsassistent und ich ihm bei einer männlichen Leiche zugeteilt“, erzählt Ricarda Niedergerke daheim in Isernhagen bei einer Tasse Milchkaffee. Sie habe das Hirn mit Wolle füllen müssen. Hätte er sie aufgefangen, wäre sie ohnmächtig geworden? „Natürlich, aber wenn, dann fielen eher die Männer um“, sagt sie lächelnd.

Gerade haben sie ihre goldene Hochzeit in Venedig gefeiert, um jetzt wieder ihrer eigentlichen Passion nachzugehen: dem Menschen. „Deswegen haben wir letztlich Medizin studiert“, so Ricarda Niedergerke, die damals eine von sechs Studentinnen war. Heute seien dagegen die Frauen im Studium in der Mehrheit. „Ich wollte schon als Kind Ärztin werden, um helfen zu können.“ Der christliche Hintergrund sei sicher prägend gewesen.

Die Stiftung

Die Niedergerke-Stiftung wurde im Dezember 2008 gegründet. Zuvor kam mit der Rente die Ratlosigkeit: „Golfplatz, Reisen, Garten waren es nicht, uns fehlte eine Aufgabe“, erzählt Udo Niedergerke.

Den Fokus ihrer Hilfszahlungen haben die Ärzte auf die medizinische Versorgung gelegt. Hygieneartikel, Medikamente – Dinge, die nicht für jeden selbstverständlich zu bekommen sind. Die Niedergerke-Stiftung arbeitet eng mit den Wohlfahrtsverbänden zusammen. Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, Malteser und andere: „Die sind vor Ort, die wissen, wo die Hilfe am nötigsten ist“, findet Udo Niedergerke. Alle in Frage kommenden Projekte schauen sich die beiden Menschenfreunde an.

Wer mehr über die Stiftung wissen und spenden möchte:

Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung

Nord/LB Hannover

IBAN: DE59250500000151152774

BIC NOLADE2HXXX

www.niedergerke-stiftung.de

Ein Mediziner-Paar, das dem Menschen zugewandt ist, ganz weit entfernt von dem, was man unter „Götter in Weiß“ versteht. Dort, wo sie helfen, dort gehen sie auch hin. Zur Straßenambulanz der Diakonie und Caritas, wo Obdachlose mit eitrigen Wunden versorgt werden. Zur Migranten-Medizin der Malteser, wo Menschen ohne Krankenversicherungskarte ärztliche Hilfe bekommen. Sie schauen sich den Nähkurs der Arbeiterwohlfahrt an und reden mit Migrantinnen, die mit Hilfe eines solchen Kurses Chancen bekommen. Auf dem hiesigen Arbeitsmarkt oder in ihrer Heimat, in die sie vielleicht zurückkehren müssen.

Bis ins Jahr 2007 hat das Ärztepaar praktiziert. Ihre Praxen in Misburg „hatten wir bewusst in einem Stadtteil, der nicht zu den wohlhabenden Bezirken Hannovers gehört“, erzählt Ricarda Niedergerke. „In Kirchrode, Isernhagen oder im Zooviertel wären wir nicht glücklich geworden“, sagt Udo Niedergerke. „Ich war ja auch nicht auf Rosen gebettet in meiner Kindheit, musste mir mein Studium selbst verdienen, aber nun lernten wir ganz andere Gruppen von Menschen kennen.“ Etwa Arbeiter im Schichtdienst, „man kannte sich, duzte sich“, erklärt er. „Ich war für viele einfach Udo, sie Ricarda, und dann hat man eben auch mal Menschen geholfen, einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen, wenn er mit dem Antrag überfordert war.“ Ricarda Niedergerke, die Frauenärztin, erinnert sich: „Es gab Patientinnen, die plötzlich keine Versichertenkarte mehr hatten, die aus dem sozialen Netz gefallen waren, die habe ich dann so behandelt.“

Niedergerkes wurden oft mit der Scham der Betroffenen konfrontiert. Menschen, die ihre Armut als persönlichen Sündenfall ansahen, die ein Leben in Würde verdienten, die Wertschätzung erleben wollten. Die ganz einfach gesehen werden wollten. „Obdachlose haben die wenigsten Fürsprecher“, begründen sie ihr besonderes Engagement. „Wenn ich durch die Bahnhofsstraße gehe und das Elend sehe, bricht es mir das Herz“, sagt Ricarda Niedergerke. Das sporne sie aber auch an. „Die Lebenserwartung obdachloser Menschen liegt bei unter 50 Jahren, das muss man sich mal hier in diesem Land vorstellen“, meint Ehemann Udo. „Straße macht krank, Straße tötet, Straße ist erbarmungslos.“

Von Petra Rückerl

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