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Der Angeklagte sitzt auf der Anklagebank im Schwurgerichtsaal des Landgerichts.

Der Angeklagte soll einen Soldaten beinahe mit einer Eisenstange erschlagen haben.© Schaarschmidt

Justiz

Junkie erschlägt am Steintor beinahe Soldaten

Ein Drogenabhängiger muss sich seit Montag vor Gericht verantworten: Er soll einen Soldaten mit einer Eisenstange fast erschlagen haben.

Hannover. Das Blut umsäumte den Gullydeckel. Der Berufssoldat (29) lag leblos auf der Straße. Sein Kamerad (34) konnte den zweiten Schlag mit der Eisenstange gerade noch unterbinden. Dabei wurde er am Oberschenkel verletzt.

Alexander M. (39) muss sich seit gestern wegen versuchten Totschlags vor der Schwurgerichtskammer verantworten. Der obdachlose, drogenabhängige Mann hatte zwei Soldaten am 24. August gegen 4.45 Uhr vor der „Sansibar“ angebettelt. Auf die Frage „Haste mal ’n Euro“ bekam er zur Antwort: „Verpiss’ Dich.“ Der Angeklagte fühlte sich beleidigt. Er nahm von einer Baustelle eine etwa einen Meter lange Eisenstange. Damit schlug er dem 29-Jährigen Sekunden später in der Münzstraße auf den Kopf. Das Opfer brach bewusstlos zusammen.

Alexander M. legte über seinen Anwalt, Holger Nitz, ein Geständnis ab. Doch in entscheidenden Nuancen weicht die Erklärung von der Anklage ab. So soll der Zeuge (31) den Angeklagten nach der Bettelei an die Schultern gefasst und beiseite geschoben haben. „Mein Mandant fühlte sich herabgewürdigt und körperlich nicht fit“, so der Anwalt. Wie auch? Er stand unter dem Einfluss von Heroin und Kokain. Die Eisenstange habe er gegriffen, weil er sich bedroht gefühlt hatte. Alexander M. hatte zwar Streit mit zwei Soldaten, vor der Sansibar war die Freundesgruppe wieder komplett – fünf betrunkene Soldaten. „Er hat nicht gezielt auf den Kopf geschlagen“, sagte der Anwalt. Also habe sein Mandant auch keine Tötungsabsicht gehabt.

Die Zeugen sagten gestern übereinstimmend, dass die Situation nach dem Bettelversuch vorbei gewesen sei. „Wir haben den Angeklagten in keiner Weise bedroht oder angegangen“, so ein Zeuge (31). Die Schlagbewegungen bezeichneten die Soldaten als „Fuchtelei“. Der Schlag auf den Kopf sei aber von oben erfolgt. Als das Opfer am Boden lag, habe Alexander M. ausgeholt, „um den Kameraden umzuklatschen“, wie es ein Soldat (34) ausdrückte. Ein dritter Soldat (31) erlitt eine Risswunde auf der Brust.

Das Opfer hatte eine fünf Zentimeter lange Riss-Quetschwunde am Kopf. Nach der Attacke beklagte er Schlafstörungen, Alpträumen und Gedächtnisverlust. Zeitweise konnte er sich nicht mal mehr an den Namen seiner Freundin erinnern.

Thomas Nagel


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