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Meine Stadt Drogen drin? Richter lässt Fleisch auftauen
Hannover Meine Stadt Drogen drin? Richter lässt Fleisch auftauen
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18:59 06.12.2017
Symbolbild Quelle: picture alliance / dpa
celle

Der „Wurst-Mafia-Prozess“ endete am Dienstag mit Freisprüchen für die fünf Angeklagten. Sie sollten etwa 45 Kilo Fleisch aus der Gefängnisküche unterschlagen haben. „Mit jedem Tag wurde die Beweislage schwammiger“, so Anwalt Benjamin Schmidt. Er verteidigte den „Torso-Mörder“ Jens S. (58).

Der Prozess fand unter strengen Sicherheitsauflagen im Oberlandesgericht (OLG) Celle statt. Im Gerichtssaal 94 stand ein Gefrierschrank mit dem Corpus Delicti. „Wir haben acht Stücke Fleisch aufgetaut“, erzählt Anwältin Tanja Brettschneider. Sie verteidigte den Witwenmörder Deniz A. (41) aus Hannover. Denn das Gericht traute dem Braten nicht; vermutete in den Fleischstücken Drogen. Auch das entpuppte sich als Ente.

„Es konnte nicht erwiesen werden, dass das Fleisch unterschlagen wurde“, so Brettschneider. So hatte der Küchenchef gesagt, dass es keinen Fehlbestand in der Küche gegeben habe. Auch eine Mitarbeiterin der Firma, die Bratwürste und Co. lieferte, konnte nicht sagen, ob etwas fehlte. Aus diesem Grund plädierte auch die Staatsanwältin auf Freispruch. Innerhalb von 17 Minuten war das Menü angerichtet, sprich Plädoyers und Freispruch gesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig. Und so wurde aus dem vermeintlichen Festschmaus für die Justiz eine viel zu teure Tütensuppe mit fadem Beigeschmack. Während das Fleisch einen Wert von etwa 300 Euro hat, lagen die Prozesskosten bei geschätzt fast 30.000 Euro. Die Zeche zahlt der Steuerzahler.

Von Thomas Nagel

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