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Ehrenamtliche versorgen am Messebahnhof in Laatzen Flüchtlinge mit Getränken, Essen und wertvollen Informationen.

Flüchtlingskrise

Drehkreuz Laatzen: Einsatz für Flüchtlinge fordert Ehrenamtliche

Jeden Morgen rollt ein Zug mit Flüchtlingen in den Messebahnhof Hannover-Laatzen. Von dort werden sie auf Unterkünfte in Norddeutschland verteilt. Freiwillige engagieren sich täglich – doch der Dauereinsatz geht an die Substanz.

Laatzen. Mit kreischenden Bremsen kommt der Zug mit acht Waggons voller Flüchtlinge um kurz nach sechs Uhr morgens im Messebahnhof Hannover-Laatzen zum Stehen. Für viele Passagiere ist das Geräusch ein Weckruf. Die rund 100 Helfer, die sich bereithalten, um die Ankommenden bei ihrer Weiterreise in Flüchtlingsunterkünfte zu unterstützen, sind schon seit Stunden auf den Beinen. Die Hilfe geht an die Substanz, sagen viele. Dennoch sind alle mit ganzer Kraft dabei. „Seit zwei Wochen klingelt mein Wecker täglich um kurz vor vier“, sagt Abdulkader Ashkar. Auf seiner Warnweste steht in mehreren Sprachen „Arabisch“. Der Unternehmer ist Muttersprachler und damit wichtiger Ansprechpartner für die Ankommenden.

In den Herbstferien begleitet ihn auch Tochter Ranim. „Es ist wichtig, dass man hilft“, sagen beide. Täglich sind in Deutschland tausende Freiwillige im Einsatz. „Die Ehrenamtlichen sind mit Herzblut dabei“, sagt Kerstin Hiller vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Manche hätten sogar ihren Urlaub geopfert: „Die gehen an ihre Grenzen.“ Johanniter-Landesvorstand Thomas Mähnert warnt: „Obwohl die Ehrenamtlichen weiterhin motiviert sind, ist doch das Ende der Belastbarkeit erreicht.“

In Laatzen passieren die Flüchtlinge eine kleine Versorgungsstation, wo Helfer wie Katja Ihssen sie versorgen. „Das war sicher nicht das letzte Mal, dass ich hier bin“, sagt die Bürokraft. Bei der Region darf sie den Einsatz auf dem Arbeitszeitkonto verbuchen. „Deswegen macht das aber keiner“, sagt sie. Bei großen Arbeitgebern führen Freistellungen selten zu Problemen, sagt Hiller. Dennoch versuchten Hilfsorganisationen, die Ehrenamtlichen durch mehr Hauptamtliche zu unterstützen – beim „größten Hilfseinsatz seit dem Zweiten Weltkrieg“.

Die niedersächsischen Unternehmerverbände sehen vor allem kleine Arbeitgeber vor Problemen. Die Helfer hätten feste Aufgaben in den Unternehmen, so Hauptgeschäftsführer Volker Müller: „Deshalb kann das Ehrenamt nur kurzfristig Notsituationen auffangen.“ Die Flüchtlingskrise sei für Arbeitgeber, Hilfsorganisationen und Ehrenamtliche ein „dickes Paket“, so der stellvertretende Einsatzleiter in Laatzen, Thomas Och. Dort könnte es zukünftig sogar noch dicker kommen. Aktuell werde darüber verhandelt, dass täglich ein zweiter Zug eintreffen soll, sagt der Oberkirchenrat der hannoverschen Landeskirche. Er übernimmt ehrenamtlich auch die Personalplanung für den Einsatz: „Wenn ein Zug morgens und ein Zug abends kommt, lässt sich das mit dem bisherigen Personal auf gar keinen Fall beschicken.“ Björn Schlüter


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