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Meine Stadt Soll Hannover werbefrei werden?
Hannover Meine Stadt Soll Hannover werbefrei werden?
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09:17 28.02.2019
Überall präsent: Werbung in Hannovers Stadtbild – so wie hier in der City. Quelle: Behrens
Hannover

Die französische Stadt Grenoble hat es vorgemacht. 2014 beschloss sie, dass es keine Werbung mehr an ihren Straßen geben soll. 326 Tafeln wurden abgebaut. Das wünschen sich auch die Grünen in Hannovers Bezirksrat Mitte.

Zum einen, weil sie in der Werbung die Sicherheit im Verkehr gefährdet sehen. Aber auch, weil diese die Ästhetik des Stadtbildes störe. Ekki Kähne vom Medienhaus Hannover in Linden kann dem Vorstoß viel abgewinnen. „Hannover sollte als Kulturhauptstadt 2025 werbefrei werden“, schlägt er vor. Am 6. März (20 Uhr) ist auch eine Diskussion im Medienhaus am Schwarzen Bären geplant, zu der Experten aus Berlin kommen, die dort eine Initiative für eine werbefreie Stadt gestartet haben.

Sie wünschen sich ein Gesetz, das Außenwerbung reduziert und digitale Werbeanlagen im öffentlichen Raum komplett verbietet. Nur für kulturelle, politische, sportliche und ähnliche Veranstaltungen sowie für gemeinnützige Aktionen sollen Plakate zulässig sein. Produktwerbung soll es nur noch direkt an Läden und Gaststätten geben.

Forderung der Grünen erhält wenig Zuspruch

Viel Begeisterung in Hannover löst das allerdings nicht aus. „Werbung gehört seit Generationen zum Stadtbild der Landeshauptstadt Hannover und sollte daher in einem vernünftigen Maß betrieben und fortgeführt werden“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Die Werbung im öffentlichen Raum leiste einen „erheblichen Beitrag“ zur Finanzierung der weitgehend kostenlosen öffentlichen Toiletten. Auch sei ein Werbeverbot ein „erheblicher Eingriff in den Markt und ist von der Verwaltung aus wirtschaftspolitischer Sicht nicht geplant“, erklärt Dix.

Hannovers Marketing- und Tourismuschef Hans Nolte sieht in Werbung „einen Beleg für die Kaufkraft und die Lebendigkeit einer Stadt“. Sie dürfe Menschen „nicht an jeder Ecke belästigen“. In Hannover habe man aber einen guten Kompromiss gefunden.

Das sieht auch SPD-Mann Lars Kelich so. „Es gehört zum städtischen Leben dazu. Es muss ja nicht aussehen wie in Las Vegas“, sagt er. Auch aus Sicht von FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke „wird eine Stadt belebt von Werbung“. Allerdings befürwortet er, dass die Stadt sich nun doch dazu durchgerungen hat, einige Standorte von Werbetafeln zu versetzen. „Das trägt zur Sicherheit bei“, sagt Engelke. Für Felix Semper (CDU) geht das nicht weit genug. „Die Werbung im öffentlichen Raum muss reduziert werden“, fordert er. Nämlich dort, wo sie die Verkehrssicherheit gefährde. Er kritisiert auch „die massive Ballung im Innenstadtbereich“. So weit wie die Grünen in Mitte will er aber nicht gehen. „Ich habe nichts gegen Werbung. Sie darf aber nicht gezielt Verkehrsteilnehmer ablenken“, sagt Semper.

Hannover werbefrei – ich fände das auch schön“, sagt Elisabeth Clausen-Muradian, die die Grünen im Rat vertritt. Für ein komplett werbefreies Hannover, wie es ihre Parteikollegen in Mitte fordern, setzt sie sich aber nicht ein. Werbung sei schließlich „auch eine Möglichkeit, Einnahmen zu erzielen“.

Von C. Bohnenkamp

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