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Meine Stadt Dieter Thomas Kuhn begeistert Hannover
Hannover Meine Stadt Dieter Thomas Kuhn begeistert Hannover
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22:45 19.08.2016
KOSTÜMPARTY: Dieter ThomasKuhn schien selbst über seineFans zu staunen, die wie immerbunt und schrill zum Konzertkamen. Fotos: Wallmüller Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Im Bühnenhintergrund ein gewaltiges Peace-Zeichen, das Publikum ein einziges Sonnenblumenmeer, und es war Sommer gestern Abend, zum werweißwievielten Mal im Leben, und man ist ja auch kein Kind mehr. Aber: Man fühlt sich gleich so, als ob - nämlich ab dem Moment, an dem Dieter Thomas Kuhn und seine Band die Gilde-Parkbühne betreten. Und das gerade, weil (und nicht obwohl) das Publikum im Schnitt Mitte vierzig ist.

Wenn „Wetten, dass ..?“ das vielgerühmte Lagerfeuer der hier versammelten Generation Golf war, war die „ZDF-Hitparade“ ihr Laternenumzug. Musik ist Trumpf, wenn es um das Abrufen von Erinnerungen geht - auch wenn das eigene Elternhaus damals weniger von der hier zelebrierten Flowerpower, sondern eher von Textiltapete in Graubraun geprägt war. Klang und Leben.

Foto: Wallmüller

So hat sich ein Großteil der 5000 Besucher im ausverkauften Areal wie alle Jahre wieder fiese Scheitel gezogen, schrille Schlaghosen, Paisley-Kleider aus dem Fundus geholt und die Blumenketten abgestaubt und singt inbrünstig all die Gassenhauer mit: „Sag mir quando, sag mir wann“, „Griechischer Wein“, „Tanze Samba mit mir“ oder „Anita“, immer ein bisschen mehr auf den Punkt gespielt als damals, Kitsch im Anflug, Rock ’n’ Roll in der DNA. Und hinten spielt die LED-Wand Lavalampe. Kuhn, perfekt frisiert und in silbernem Anzug mit Ärmchen-Applikationen, kitzelt schwülstiges Temperament noch aus der verklemmtesten Verbalerotik - schön ist es, auf der Welt zu sein, und manchmal auch ganz geil: „Wir sind im Auftrag der Liebe unterwegs“, sagt er. Immer wieder fliegen Schlüpfer. Denn zum Fliegen sind sie da.

Selbst ein neues Fundstück wie Rio Reisers „Für immer und dich“ (immerhin von 1986) fügt sich nahtlos ein, so geschickt haben es sich - „dankeschö-hön!“ - der Dieter Thomas und seine Kapelle einverleibt. Man ist ja heute schon irritiert, wenn mal irgendwo Reinhard Meys Wandergitarren-Original von „Über den Wolken“ läuft und nicht die Kuhnsche Mariachi-Version mit „Ay-ay-ay-ay“.

Als es damals losging mit dem Schlagerkult und Dieter Thomas Kuhn, man sich für Bad-Taste-Partys Koteletten wachsen ließ und Muttis Kleiderschrank plünderte, war das noch Jugend trainiert für Karneval. Heute garantiert der ironische Umgang mit dem Liedgut der Kindheit echte Gefühle. Wenn man dreimal geschieden ist, klingt „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ doch nicht weniger wahr. Und auch Flugmeilensammler packt bei „Ich war noch niemals in New York“ das Fernweh. „Willst du mit mir gehen“? Natürlich, trotz zwickenden Knies. Am Ende, bei „Tränen lügen nicht“, ist tatsächlich manches Gesicht ganz nass vor Rührung, Nostalgie und Sentiment.

Vielleicht ist es aber auch nur der Schweiß.

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