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Claudia Ulbrich führt die Geschäfte von Cardior. Thomas Thum gelang die Entdeckung, die womöglich bald vielen Menschen das Leben retten könnte.

Claudia Ulbrich führt die Geschäfte von Cardior. Thomas Thum gelang die Entdeckung, die womöglich bald vielen Menschen das Leben retten könnte.© hannoverimpuls

Cardior

Start-up aus Hannover könnte Millionen Leben retten

Das etwas andere Start-up findet man an der Medizinischen Hochschule. Noch weiß keiner, wie viele Jahre es noch dauert, bis das Produkt auf den Markt kommen wird. Doch wenn es so weit ist, könnte es vielen Millionen Menschen das Leben retten.

Hannover. Vor rund sieben Jahren machte Thomas Thum die wohl wichtigste Entdeckung seines Lebens. „Wir haben am Herzen etwas fundamental Neues gefunden“, sagt Thum. Er fand heraus, dass es neben den 20 000 Genen, die in Proteine umgewandelt werden und die jeder Mensch hat, noch viele weitere sogenannte nicht codierende RNA-Bausteine gibt. „Diese machen rund 98 Prozent aus und waren mehr oder weniger unerforscht“, so der Wissenschaftler. „Wir haben dann versucht herauszufinden, welche sich als therapeutische Zielgene eigenen, um Herzpatienten zu helfen.“

Leuchtturmprojekt für die MHH

Jahrelange Forschung führte im letzten Jahr schließlich zur Ausgründung aus dem Institut der MHH hin zur eignen Firma – Cardior Pharmaceuticals. Geschäftsführerin Claudia Ulbrich ordnet die Tragweite der Entdeckung ein: Mit dem Medikament wäre es erstmals möglich, einer Herzschwäche nicht nur vorzubeugen, sondern sie auch zu heilen. Bei Tieren funktioniert das schon. Und das hat man noch nie gesehen in der Kardiologie“.

Auch für den Standort Hannover wäre ein Erfolg des Medikaments von großer Bedeutung: „Es ist ein Leuchtturmprojekt für die MHH. Zwei Tage nach der Pressemitteilung wusste das in den USA von meinen Kollegen jeder“, erzählt Erfinder Thum. Binnen weniger Tage fanden sich die weltweit renommiertesten Herzexperten zusammen und sitzen seither im Beirat der Firma. „Ihr Know-how ist natürlich wichtig für uns“, sagt Thum, der weiß, dass er noch einen langen Weg vor sich hat. Der erste Patient ist für 2019 geplant.

Immer mehr Herzkranke

Der Markt ist riesig. Jeder Vierte entwickelt im Laufe seines Lebens eine Herzschwäche – meist in Folge eines Herzinfarktes. Zwar sei die Akutversorgung – also die schnelle Hilfe nach dem Infarkt – besser geworden. „Aber das Problem ist nur zeitlich nach hinten verschoben worden, und immer mehr Patienten versterben nun an Herzschwäche“, erklärt Thum. Zunächst will er sich auf Patienten fokussieren, die einen Infarkt hatten und dann sehr schnell in diese Herzschwäche hineinrutschen. „Diese haben meist eine schlechte Prognose. Allein von diesen gibt es rund 400 000 Patienten pro Jahr in Europa“, so Thum. „Wenn das gut funktioniert, dann wollen wir auch Patienten mit einer chronischen Herzschwäche helfen – und das sind weltweit 40 Millionen“, ergänzt Ulbrich.

Besonders ist auch, dass es sich bei dem Medikament nicht um eine Tablette, sondern um eine Infusionstherapie handelt. Je nachdem, wie schlimm die Herzschwäche ist, muss der Patient maximal ein Mal monatlich eine Infusion bekommen. Bei den meisten sollte aber bereits eine zweimalige Verabreichung genügen, sagt Thum. Das tägliche Tablettenschlucken wäre damit auch vorbei.

Von Timo Gilgen


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