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BEHERRSCHEN IHREN JOB: Die Retter der Freiwilligen Feuerwehr  Lehrte..

BEHERRSCHEN IHREN JOB: Die Retter der Freiwilligen Feuerwehr Lehrte..
 © dpa

FEUERWEHR Lehrte

Diese Retter sind ausgezeichnet

Mit einem Einsatzkonzept für schwere Lastwagenunfälle hat die Feuerwehr in Lehrte die jährliche Auszeichnung als beste Feuerwehr Deutschlands gewonnen. Aber auch den Mitgliederschwund hat die Wehr erfolgreich beendet. Wie gewinnt sie neue Freiwillige?

Lehrte. Sie rücken aus, wenn Mülltonnen brennen, Autos im Graben liegen, störrische Katzen aus Baumkronen gerettet werden müssen – das ist das tägliche Ge­schäft von rund 23 000 freiwilligen Feuerwehren im ganzen Land. Auch das der Feuerwehr in Lehrte, die dennoch besonders ist. Sie wurde zum besten Feuerwehrteam Deutschlands gewählt.

Entscheidend dafür war ihr spezielles Einsatzkonzept bei schweren Lastwagenunfällen. Dieser Herausforderung müssen sich die Retter aus Lehrte häufiger stellen, allein schon wegen ihrer Nähe zum Autobahnkreuz Ost, der A 2 und der A 7. Doch es gibt noch eine andere Herkulesaufgabe: Auch der Mitgliedermangel wird erfolgreich bekämpft.

Schwerer Einsatz auf der Autobahn

Schwerer Einsatz auf der Autobahn.

Wie bringt man heute Menschen dazu, sich ehrenamtlich oft langjährig bei einer Organisation zu engagieren, die eine Einsatzbereitschaft binnen Minuten abverlangt? „Wichtig ist das persönliche Gespräch“, sagt Feuerwehrsprecher Stephan Keil, „wer einmal hier war, der kommt wieder, mit Flyern locken Sie keinen hinter dem Sofa hervor.“ Also zog die Feuerwehr zum Kindergartenfest, rückte zur Müllsammelaktion aus und sprach die Menschen an. Ein Ergebnis war ernüchternd: „Die 18-Jährigen wollten nicht.“ Die Reaktion darauf hatte Erfolg: „Da haben wir die 30-Jährigen ins Visier genommen.“ Mit dem Slogan des Feuerwehrverbandes in Bayern, „Mach dein Kind stolz. Komm zur freiwilligen Feuerwehr“, konnte man die jungen Papas gewinnen. Und auch der Frauenanteil steigt kontinuierlich an.

Einmal in der Woche treffen sich die inzwischen 78 Aktiven zum Dienst im Feuerwehrhaus, die Schulferien ausgenommen. Theorie und Praxis stehen dann auf dem Programm. Zusätzlich zu einem dreiwöchigen Grundlehrgang müssen laufende Fortbildungen absolviert werden. „Das meiste lernt man in der Praxis“, so Keil, „fünf Jahre dauert es, bis man voll einsatzfähig ist, aber vorher ist man schon bei Einsätzen dabei.“ Ständig Alarmbereitschaft bedeutet das nicht, nach Dienstplan ist jeder Aktive alle drei Wochen dran, im Schnitt gibt es fünf Einsätze pro Woche: „Tagsüber werden alle alarmiert, denn kaum noch jemand arbeitet im Ort.“ Je nachdem, wie viele Retter parat sind, springen auch Nachbarwehren ein.

Nicht nur bei Verkehrsunfällen rückt die Feuerwehr aus

Nicht nur bei Verkehrsunfällen rückt die Feuerwehr aus.

Auf der A 2 und A 7 mussten die Lehrter im vergangenen Jahr 36-mal anrücken, 41 Verletzte und zwei Tote wurden geborgen, 22-mal krachten schwere Lastwagen ineinander. Wie verkraften die Feuerwehrleute die Eindrücke? „Es gibt eine Aufgabe, die technische Rettung, ich gucke mir den Fahrzeugholm an, nicht den blutigen Fahrer“, erklärt Keil. Nur zwei bis vier Retter arbeiten un­mittelbar neben den verletzten Insassen, um die sich ein Notarzt kümmert. Wer wo in der Einsatzkette steht, wird vorher abgesprochen, niemand wird gezwungen.

„Wir haben Mitglieder vom Hilfsarbeiter bis zum Manager“, meint der Feuerwehrsprecher. Ab 16 kann man in die Einsatzabteilung, ab 18 ist das Pflicht. Während Jugendliche nur unterstützend mitwirken, werden die Erwachsenen behutsam an schwierige Aufgaben herangeführt. Auch die, die lieber in der zweiten Reihe stehen, sind willkommen: „Es gibt auch Feuerwehrleute mit Höhenangst, es geht nicht jeder auf die Drehleiter.“

Von Michael Evers


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