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00:18 29.10.2015
Security finden sie wichtig: Zwei Bewohner der Unterkunft in Badenstedt – sie passen auf sich und Besitz auf. Foto: Behrens
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Hannover

Der junge Mann trägt nur ein T-Shirt, er friere nicht so schnell, sagt er. Gestern Nachmittag ist er mit einem Freund vor der Unterkunft in Badenstedt, einem ehemaligen Baumarkt, unterwegs. „Aber das ist sowieso schwer mit der Kleidung. Man muss aufpassen.“ Worauf? „Dass man welche abbekommt und seine behalten kann“, sagt der Sudanese auf Englisch. Denn: Gute Kleidung ist populär, kommt auch schon mal weg. „Aber ansonsten ist es ok hier“, sagt er, und zeigt auf das eingezäunte Gebäude. „Aber dass wir Security haben ist gut.“

Auch in Hannovers Unterkünften herrscht gelegentlich ein rauer Ton – wenig überraschend, wenn viele Menschen in einer Extremsituation auf engem Raum leben. Dabei hat vor allem der Ex-Baumarkt bereits Polizeieinsätze hinter sich: ein attackierter Security-Mann, ein angegriffener Kollege an der Essenausgabe. Es wird ermittelt.

„Gerade in größeren Unterkünften kann es zu Handgreiflichkeiten und Auseinandersetzungen kommen“, so Stadtsprecher Andreas Möser. In Badenstedt sei die Security aufgestockt worden. Eine „Dauerkrisensituation“ gebe es aber nicht, in keiner der Unterkünfte. „Verharmlosen darf man aber nicht.“ Deswegen werde bei Auffälligkeiten konsequent die Polizei alarmiert: „Die Bewohner sollen sehen, was geht – und was eben nicht.“

Auch ein anderer Mann, der in Badenstedt lebt, berichtet wie die Sudanesen von einer „angespannten Stimmung“. Es würde durchaus von einigen versucht, etwas Kontrolle über die anderen auszuüben.“ Ein Polizist gegenüber der NP: „Es gibt eine Art Hackordnung in einigen Unterkünften. Die Syrer stehen ganz unten, andere Gruppen – vor allem jene, die sich mit der Security verständigen können – beanspruchen die Macht für sich.“ Gewalt sei nicht unüblich.
„Vereinzelt gibt es Einsätze in den Flüchtlingsunterkünften“, erklärt Behördensprecherin Jenny Mitschke. In Relation mit der Menge dort lebender Personen stelle sich aber kein erhöhtes Einsatzaufkommen dar.

Auch vor dem Flüchtlingsheim in Ahlem sind immer wieder Bewohner unterwegs. Ein Sudanese erklärt, es gebe keine großen Probleme. Zwei Afghanen sagen dies ebenfalls, schauen sich dann an und lachen. Sie hätten keine Zeit, das zu erklären, sagen sie noch, verschwinden dann.

Bei der Stadtverwaltung ist das Thema der Hierarchie in den Unterkünften bekannt, spätestens, seitdem in Medien von „mafiösen Strukturen“ berichtet worden ist. Ein Zuständiger erklärt: „Mag sein, dass das in Ansätzen so ist, ob man aber von Mafia reden sollte, weiß ich nicht.“ Festzustellen seien aber Verteilungskämpfe. Die Einrichtung in Badenstedt sei „spannend.
Wir befinden uns da in einem Grenzbereich, die Stadt muss sehr genau beobachten, was dort passiert.“ Offizielle Kommentare seitens der Behörde gab es gestern nicht.
Der junge Sudanese, der vor der Badenstedter Unterkunft im Shirt unterwegs ist, sieht das alles sowieso gelassen. Sein größtes Problem ist ein anderes: „Das Essen ist ungenießbar.“ Sebastian Scherer

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