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Jeder Zentimeter zählt: Ingenieur Nourdine Harcharras schaut, wie viele Zentimeter fehlen, um die Tonne zu zehn Prozent zu füllen. In diesem Fall in der Helgoländer Straße hätten die Bewohner sogar noch eine Schippe drauflegen können. Nach dem Wiegen auf der kleinen elektronischen Waage (oben) und dem Messen wurde der Müll aber sofort regulär abgeholt.

Jeder Zentimeter zählt: Ingenieur Nourdine Harcharras schaut, wie viele Zentimeter fehlen, um die Tonne zu zehn Prozent zu füllen. In diesem Fall in der Helgoländer Straße hätten die Bewohner sogar noch eine Schippe drauflegen können. Nach dem Wiegen auf der kleinen elektronischen Waage (oben) und dem Messen wurde der Müll aber sofort regulär abgeholt.© Michael Wallmüller

Hannover

Die Vermessung des Mülls

Wie viel Müll darf es sein, wie viel Abfall passt hinein? Nicht alle Bürger richten sich danach, was geht, sondern stopfen ungeniert die kleinen und günstigeren Mülltonnen voll. Das ist ungerecht gegenüber jenen, die höhere Gebühren für größere Abfallbehälter zahlen. Und deswegen muss die Abfallwirtschaft Region Hannover (Aha) neu rechnen – dafür werden die Mülltonnen kurz vor ihrer Leerung gewogen.

Hannover. Wilfried Hoffmann kennt so ziemlich jede Mülltonne in der List. Und er weiß, wann der Abfall gequetscht wird, damit es irgendwie passt. „Das merkt man einfach.“ Wilfried Hoffmann macht auch an diesem Donnerstag das, was seit 34 Jahren sein Job mit sich bringt: Mülltonnen von ihrem festen Standort auf die Straße rollen, um sie… nein, heute nicht im Müllwagen auszuleeren. Heute wird gewogen, gemessen und gezählt.

Das Leeren werden seine Kollegen erst später am Vormittag übernehmen. Der 56-jährige Aha-Müllwerker aus Hannover geht heute Nourdine Harcharras (50) vom Institut für Abfall- und Abwasserwirtschaft (Infa) aus Ahlen (Nordrhein-Westfalen) zur Hand, der die Müllbehälter wiegen wird. Wie hier in der Helgoländer Straße 2 b, wo ermittelt wird, wie viel Abfall in der 240-Liter-Restmülltonne steckt. Die Waagen für kleine Behälter ab 40  Liter und für große ab 660 Liter  Volumen haben die beiden in ihrem Auto dabei. 37 Kilo trägt Ingenieur Harcharras in sein  Smartphone ein, dazu hat er mit dem Zollstock einen Füllgrat gemessen, der noch Platz für mehr Müll ließe. „Noch 20 Zentimeter, um auf 100 Prozent zu kommen“, so der 50-Jährige aus Wuppertal.

Die Vermessung des Mülls in Stadt und Umland hat begonnen. Aha will es wissen, beauftragte Infa, die Zahlen zu ermitteln. Das Ziel: Aktualisierte Zahlen für die Gebührenberechnung zu erhalten. Denn bei Müllgebühren zeigen sich die Bürger ziemlich sensibel.

Auch das kennt Wilfried Hoffmann sehr gut: „Nebenkosten sind schon fast die zweite Miete, die Leute wollen immer mehr sparen. Das ist gang und gäbe.“ Was noch gang und gäbe ist, findet er ziemlich übel. „Es gibt Gegenden, da schmeißen die Leute alles in die Restmülltonne, sogar den Sperrmüll.“  Und wenn die Tonnen voll seien, werde eben auf andere Behälter – oder Gegenden – ausgewichen. „Gerade im Roderbruch, am Hinrichsring und Teilen des Sahlkamps wird es problematisch. Die Gebiete sind zum Teil besonders vermüllt.“ Da hätten die Wohnungsgesellschaften schon „Privatfirmen angestellt, die den Müll reduzieren und auch trennen sollen. Aber wir haben auch schon erlebt, dass die noch einmal ganz fest nachstopfen oder einfach den Müll woanders hinbringen. Die karren den Müll einfach weg.“ Wohin? „Wenn ich das wüsste...“

Für den Müllwerker liegt ein Problem in den zu kleinen Mülltonnen, die 2014 eingeführt worden waren. „Bis vor ein paar Jahren gab es die 40-Liter-Tonnen gar nicht, sondern nur 80 oder 120 Liter, und da wurde jede Woche geleert.“ Mit der kleinen Tonne habe sich das Problem verschärft. „Es gibt Privathaushalte, die haben nur eine kleine Tonne und dort wird nur alle vier Wochen geleert. Das reicht doch nicht. Aber heutzutage wollen sie alle sparen.“

Ob die Müllgebühren nach der insgesamt drei Kampagnen umfassenden Aktion steigen – gewogen wird jetzt noch zwei Wochen, dann im Herbst und im Winter – kann auch Aha-Mitarbeiter Stephan Dehn (46) nicht sagen. „Das ist auch nicht unsere Absicht.“ Um die Müllgebühr so gerecht wie möglich zu berechnen, wird laut Aha-Satzung eben auch der Gewichtsunterschied berücksichtigt. Und deswegen muss eben alle paar Jahre nachgewogen werden. Dehn: „Und damit die Ergebnisse auch repräsentativ sind, werden die Behälter vor der regulären Leerung gewogen.“

INFO: Kampagne in und um Hannover

Der kommunale Müllentsorger, die Abfallwirtschaft Region Hannover (Aha), lässt in drei jahreszeitlich bedingten Kampagnen messen, ob die volumenabhängige Müllgebühr für die Bürger immer noch in Ordnung ist.

Gewogen wird jetzt im September noch etwa zwei Wochen (Sommer), im Oktober und November (Herbst) und im Januar/Februar (Winter). Auf die Waagen kommen Restmüll und auch Biotonnen. Früher hat Aha selbst gewogen, aufgrund einer neuen bundesweiten Richtlinie wurde der Auftrag dieses Mal vergeben – an das Institut für Abfall, Abwasser und Infra-strukturmanagment (Infa). Gewogen wird in unterschiedlichen Stadtteilen und im Umland. Was  für Infa-Mann Nourdine Harcharras angenehmer ist: „Dort gibt es keine Parkplatzprobleme, da ist man schneller durch.“ Gestern schaffte er in der List 50 bis 70 Behälter.    

Von Petra Rückerl


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