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Meine Stadt Die Philharmonie hat ausgespielt
Hannover Meine Stadt Die Philharmonie hat ausgespielt
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10:26 03.09.2014
MACHT SCHLUSS: Khalil Haghighat von der Philharmonie. Quelle: NANCY HEUSEL
Hannover

In den Schirmen der beiden mächtigen Tresenlampen liegen noch ein paar runde Bierfänger. Mit dem saugfähigen Papier, das um den Stiel eines Bierglases gelegt wird, um überlaufenden Schaum aufzufangen, haben die Gäste nach jedem Live-Konzert wie mit Konfetti wild um sich geworfen - als Ausdruck ihrer Freude über einen gelungenen Auftritt.

Umhergeworfene Bierfänger und Live-Konzerte: Beides wird es in der Philharmonie nicht mehr geben. Wirt Khalil Haghighat hat den Zapfhahn hochgedreht, verlässt zum 30. September den Theodor-Lessing-Platz und verkauft die Einrichtungsgegenstände der Philharmonie in Kürze meistbietend.

Die Philharmonie Hannover gegenüber dem Neuen Rathaus und neben dem Hotel Maritim - das war fast auf den Tag genau 35 Jahre vor allem Classic Rock live, aber auch Blues und Jazz. Von Bands aus Hannover, der Region, darüber hinaus aus anderen Teilen Deutschlands und sogar den USA und Frankreich. Rund 300 Konzerte hat Khalil Haghighat in den 13 Jahren seiner Philharmonie-Verantwortung auf die kleine Bühne gebracht. Darunter Bands und Musiker wie Borderline, Mit 18, Mungo Jerry und Gunter Gabriel, der so etwas wie ein Stammgast wurde in der Philharmonie.

„Das waren 13 sehr gute Jahre mit guten Erlebnissen. Ich gehe mit einem weinenden Auge“, sagt der 69-jährige gebürtige Perser. Tolle Gäste habe er gehabt, sonst hätte er die Philharmonie nicht so lange geleitet. Haghighat traurig: „Mit uns geht die letzte Bastion für Live-Rockmusik in Hannover.“ Den Mietvertrag mit ihm habe die Stadt Hannover zum 30. September in beiderseitigem Einvernehmen beendet, kurz vor dem regulären Ablauf: „Die Stadt hat Pläne mit dem Haus, und da passen wir eben nicht hinein.“

Khalil Haghighat möchte gern woanders weitermachen mit Live-Musik, am liebsten in der Innenstadt: „Wegen der ganzen Debatte um Lärm ist es aber schwierig, etwas zu finden.“ Er betont: „Ich möchte den Geist der Philharmonie mit ihrer Live-Musik gerne weiterleben lassen in Hannover. Auch wenn ich mit bald 70 Jahren nicht mehr selber hinter dem Tresen stehen muss.“

Ganz von der Bildfläche wird der 69-jährige Gastronom ohnehin nicht verschwinden: Beim Maschseefest bespielt er bis 2016 die Maschseequelle, künftig als „Philharmonie Events“ mit vielen Live-Bands.

Die Inneneinrichtung der Philharmonie verkauft Khalil Haghighat am Freitag und Sonnabend, jeweils von 16 bis 20 Uhr, meistbietend. Darunter sind etwa die charismatischen dunklen Holzschränke mit den Büsten von Bismarck und Beethoven, die Harfe, das Klavier von der Bühne, die längst ausrangierten Musikinstrumente und die Bilder an den Wänden. Auch Biergläser und Gegenstände aus der Küche kommen weg. Das „Alles muss raus“-Angebot hat allerdings seine Grenzen: „Verramscht wird nichts. Notfalls lagere ich die Sachen ein und verwende sie im nächsten Lokal.“

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