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Meine Stadt Deutsche Messe stellt die Cebit ein
Hannover Meine Stadt Deutsche Messe stellt die Cebit ein
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15:02 28.11.2018
Die Cebit-Hallen waren zuletzt immer seltener voll. Quelle: picture alliance/dpa
Hannover

Die Computershow wird wegen rückläufiger Buchungen für 2019 eingestellt. Industrienahe Themen sollten in die Hannover Messe, die weltgrößte Industriemesse, eingebunden werden, teilte die Deutsche Messe AG  mit. Digitalisierung sei bei nahezu allen Branchenfachmessen das beherrschende Thema, eine Messe wie die Cebit stoße daher zunehmend auf eine sinkende Nachfrage. Messechef Oliver Frese bat den Aufsichtsrat um Entbindung von seinen Aufgaben zum 31. Dezember - das Gremium stimmte zu. Bernd Althusmann, Aufsichtsratschef und Niedersachsens Wirtschaftsminister, sprach von „Bedauern und Respekt“. Stellenstreichungen soll es nicht geben. Rund 50 Mitarbeiter waren mit der Organisation der Messe beschäftigt. Sie werden sich nun um die Hannover Messe oder "artverwandte" Messen kümmern, so ein Sprecher.

"Die technologische Entwicklung der vergangenen Jahre zeigte, dass eine Horizontalmesse wie die Cebitin der digitalen Wirtschaft zunehmend auf rückläufige Nachfrage stößt", teilte die Deutsche Messe mit. Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe, sagte: „Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren immer wieder über die thematische Überschneidung von Hannover Messe und Cebit diskutiert. Wir werden daher die Themen überführen, die inhaltlich zur klaren Ausrichtung der Hannover Messe passen.“ Es sind zudem kleinere, spezialiserte IT-Fachmessen geplant, allerdings noch nicht in 2019.

„Ein wichtiges Kapitel der Messen in Hannover geht zu Ende, und das ist sehr schade. Der digitale Wandel findet inzwischen überall statt, auch auf allen anderen Messen. Die CeBIT ist insofern ein Opfer des eigenen Erfolges", sagte Ministerpräsident Stephan Weil am Mittwoch.

Die Cebit hat erst in diesem Jahr einen Neustart gewagt – mit einer Verlegung in den Sommer. Die Besucherzahlen lagen aber deutlich unter den Erwartungen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass im Juni nur 75.000 Fachbesucher zur IT-Messe kamen – die Messe hatte 116 .590 Besucher angegeben, dabei aber auch Konzertbesucher und Konferenzteilnehmer mitgezählt. Auch das Stadtmarketing zeigte sich mit dem neuen Konzept zufrieden – es war aber offenbar Zweckoptimismus. Die Politik reagierte bestürzt auf die Nachricht: "Es wäre unbegreiflich, wenn die CeBIT ersatzlos gestrichen würde. Sie muss aufgehen in einer anderen Veranstaltung wie etwa der Hannover Messe“, so Jens-Michael Emmelmann von der CDU. Mit einem neuen Festival-Charakter hatten die Veranstalter gehofft, die Cebit auch für neue Zielgruppen attraktiver zu machen. Die Deutsche Messe hat die Mitarbeiter am Mittwochmittag über diese Entscheidung informiert.

Kurios: Noch im September hatte Frese verkündet, 2019 mit der CeBIT neu durchstarten zu wollen. Die Cebit solle 2019 über fünf volle Tage gehen, Aussteller und Partner wollten auch den Montag als echten Messetag mit ihren Kunden nutzen, so die Deutsche Messe AG. Außerdem werde der Ausstellungstag wieder um 9 Uhr statt um 10 Uhr beginnen. Thematisch soll es um neue Arbeitsmodelle, künstliche Intelligenz und die Blockchain-Technologie gehen. Mit der Neuausrichtung sei der Grundstein für neues Wachstum gelegt, die Cebit solle "noch klarer als Europas führendes Digital-Event" positioniert werden, sagte Frese im September. Der Messevorstand betonte damals, dass die alte und die neue Cebit nicht zu vergleichen seien.

Trotz der Cebit-Schlappe hat die Deutsche Messe AG 2017 einen Rekordumsatz verbucht und nach jahrelangem Sanierungskurs wieder Gewinn erzielt. Das Jahresergebnis lag bei knapp 19 Millionen Euro - das drittbeste seit der Expo 2000. Im aktuellen Jahr 2018 steuert das Unternehmen nach eigenen Angaben eine "schwarze Null" an, hieß es im Juni.

Von Andreas Voigt

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