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Meine Stadt Deutsche Bahn übernimmt Hauptbahnhof-Bunker
Hannover Meine Stadt Deutsche Bahn übernimmt Hauptbahnhof-Bunker
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10:21 09.03.2019
Bunker unter dem Hauptbahnhof
Hannover

Bis zu 2100 Menschen sollten im Falle eines atomaren Angriffs darin Schutz finden. Nun hat der Bunker an Hannovers Hauptbahnhof jedoch endgültig ausgedient. Die Stadt bereitet diesen vor, damit er an die Deutsche Bahn übergeben werden kann, die Eigentümerin der Flächen unter dem Ernst-August-Platz ist. Die Lüftungsanlage muss dazu ausgebaut werden. Das ist nicht unkompliziert, weil sie mit Asbest verseucht ist.

Laut Stadtsprecher Dennis Dix wurde ein Ingenieurbüro mit der Planung, Ausschreibung und Koordinierung des Ausbaus der Anlage beauftragt. Die Kosten dafür trägt der Bund. Denn der Bunker befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg über Jahrzehnte in dessen Zivilschutzbindung. Er soll nun sozusagen besenrein an die Deutsche Bahn übergeben werden, auf deren Gelände sich das Bauwerk befindet.

Unter dem Vorplatz von Hannovers Hauptbahnhof liegt der größte Bahnhofsbunker Deutschlands. Der gesamte Ernst-August-Platz ist unterkellert und bietet Platz für 2100 Menschen.

Wird der Bunker nun ein Fahrrad-Parkhaus?

Für die Verwaltung des Bunkers war zuletzt jedoch die Feuerwehr zuständig, die die Aufgaben des früheren Amtes für Zivilschutz übernommen hatte. Deshalb organisiert diese auch in Zusammenarbeit mit dem städtischen Gebäudemanagement die Arbeiten in dem Gebäude. Sind diese abgeschlossen, übergibt der Bund die Bunkeranlage an die Deutsche Bahn. Die weiß noch nicht genau, was sie damit anstellen soll. „Wir werden dann sämtliche Nutzungsoptionen untersuchen“, kündigt DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis an.

Die Stadt hat vom Rat allerdings die Aufgabe bekommen, zu untersuchen, ob im Bahnhofsbunker ein Fahrradparkhaus untergebracht werden. Die Untersuchungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Als wahrscheinlicher gilt auch, dass die Deutsche Bahn die Flächen selbst nutzt oder vermarktet.

Nach dem Mauerfall sitzen Besucher aus der DDR an langen Tafeln im Bunker unter dem Hauptbahnhof. Hier sind auch Feldbetten für die Übernachtung aufgestellt worden. Quelle: Franke

Errichtet worden war die Bunkeranlage 1939/40 durch die Deutsche Reichsbahn. Sie erstreckt sich unter dem gesamten Bahnhofsvorplatz und bot ursprünglich sogar mehr als 4000 Menschen Platz. Wegen des Baus der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade musste die Anlage jedoch geteilt werden. Die eine Hälfte wurde so umgebaut, dass sie bei einem Atomangriff längere Zeit Schutz bieten sollte – inklusive Küche und einem kleinen Not-OP-Raum. Die andere Hälfte nutzte die Deutsche Bahn als Behelfsleitstelle.

Bunker-Verkäufe lohnen sich

Viele Jahre lang galten Bunkergrundstücke als unverkäuflich. Durch die steigenden Preise an Hannovers Immobilienmarkt hat sich das jedoch geändert. Abriss und Neubau in guten Lagen lohnen sich. Anstelle des riesigen Hochbunkers an der Herrenhäuser Straße hat die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen ein Wohnquartier errichtet. Auch auf dem Gelände des früheren Tiefbunkers am Klagesmarkt sind Wohnungen entstanden, zudem die neue Zentrale der städtischen Wohnungsgesellschaft Hanova.

Außerdem verkauft hat die Stadt je einen Rundbunker an der Friedrich-Ebert-Straße sowie am Weidendamm sowie weitere Hochbunker an der Friedenauer Straße und an der Rotermundstraße. 19 Bunker befinden sich noch in ihrem Eigentum. Der an der Rup-steinstraße soll als Nächstes in den Verkauf gehen.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat nach eigenen Angaben seit 2011 sieben Bunkergrundstücke verkauft. Sechs befinden sich noch in ihrem Besitz. Der Verkauf eines weiteren Bunkers stehe unmittelbar bevor, teilt die Bima mit.

Für den Zivilschutz wurde der Bunker – zum Glück – nie gebraucht. 1989 wurden darin jedoch nach der Maueröffnung zahlreiche Reisende aus der DDR einquartiert. 2006 während der Fußball-WM rund 450 gestrandete mexikanische Fans, 2007 Zugreisende, die wegen des Orkans Kyrill nicht weiterkamen.

Von Christian Bohnenkamp

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