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Scharfe Waffe gegen agressive Fahrgäste: Die Bahn prüft, ob besonders geschulte Mitarbeiter mit Pfefferspray ausgerüstet werden. Foto: Behrens

Sicherheit

Deutsche Bahn: Pfefferspray gegen Spucker?

Hunderte Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) werden täglich bespuckt, befummelt und beleidigt – das ist nicht neu, aber jetzt will sich der Konzern wehren: mit Pfefferspray, Schlagstöcken, Hunden und Kampftraining. Die Bahn rüstet auf, will die steigenden Zahlen an verbalen und körperlichen Angriffen auf ihr Service- und Sicherheitspersonal stoppen.

Hannover. „Bei uns gibt es sehr viele Fälle“, sagt Peter Strüber von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) aus Hannover gestern. Bundesweit seien im ersten Halbjahr 2016 bereits 1100 Angriffe gegen DB-Mitarbeiter gemeldet worden, 2015 waren es insgesamt 1800, 2014 noch 1500 und 2013 lediglich 1200 registrierte Fälle: „Das geht so nicht weiter, die Zahlen sind erschreckend“, sagt Strüber. Jahr für Jahr steigt die Zahl um rund 20 Prozent.

Strüber betreut betroffene Mitarbeiter aus Niedersachsen: „Eine Frau meldete sich bei mir, weil sie während des Dienstes im Zug vergewaltigt wurde“, sagt der Gewerkschafter – ein Extremfall. „Wegen der üblichen Rempeleien und wenn sie angespuckt werden, gehen Angestellte häufig gar nicht mehr zu ihren Vorgesetzten“, sagt Strüber – der Alltag?!

„Wir lassen uns von durchgeknallten Menschen nicht länger auf dem Kopf herumtanzen“, sagte DB-Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke gestern in Berlin. Am ersten September seien bundesweit bereits 100 zusätzliche Sicherheitsleute eingestellt worden, in den folgenden drei Jahren sollen nochmal 400 folgen. „Das ist nichts, da muss viel mehr kommen“, sagt Strüber.

Zudem prüfe die Bahn, ob besonders geschulte Mitarbeiter für besondere Einsätze sogar Schlagstöcke oder Pfefferspray erhalten. „Das kann schon abschreckend wirken, aber nicht jeder kann auch mit so einer Kampfkeule umgehen“, meint Strüber.

Vorgesehen sind auch Streifen aus drei bis fünf Kollegen mit Schutzhunden. „Bei diesem Thema werden wir richtig investieren“, verspricht Rischke. „Hunde verschaffen auch bei schwieriger Klientel mehr Autorität.“ Wann so ein Einsatz möglich sei, stehe aber noch nicht fest. „Wir brauchen eindeutige rechtliche Rahmenbedingungen und müssen unsere Mitarbeiter im Umgang mit den Abwehrmitteln ausbilden“, so eine DB-Sprecherin.

Die Gewerkschaft fordert, dass das Thema Sicherheit schon bei der Ausschreibung für die Streckenvergabe eine zentrale Rolle spielt: „Da müssen wir klare Standards festschreiben, sonst wird hier immer mehr gespart“, sagt Strüber.

Mehr Geld wird dafür aber offenbar nicht bereitgestellt: Rund 160 Millionen Euro investiert die Bahn pro Jahr in die Sicherheit; das war 2015 so und soll laut der Konzernsprecherin auch vorerst so bleiben.

Tobias Welz


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  • Landkreis: Region Hannover
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  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
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